Wahlen: Regierungswechsel in Großbritannien wahrscheinlich

Wahlen: Regierungswechsel in Großbritannien wahrscheinlich

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Premierminister Gordon Brown: Regierungswechsel in Großbritannien wahrscheinlich

In Großbritannien mehren sich die Zeichen für eine wirtschaftliche Erholung – trotzdem spricht alles für einen Regierungswechsel im kommenden Jahr. Dennoch werden die Konservativen wahrscheinlich kein leichtes Spiel haben.

Der Schluss ist immer derselbe: „Sie sind gefeuert!“, ruft der ruppige Gastgeber Sir Alan Sugar einem der Kandidaten am Ende jeder Folge der TV-Realityshow „Der Lehrling“ zu. Und jetzt hat Sir Alan etwas geschafft, wovon sein ungefähres deutsches Pendant Dieter Bohlen wahrscheinlich nicht einmal träumt: Der Regierungschef hat ihn als Top-Berater für den Mittelstand in seinen Amtssitz geholt. Premierminister Gordon Brown tut derzeit viel, seinen eigenen Rausschmiss nach einer Serie von wirtschaftlichen Hiobsbotschaften, katastrophalen Affären und schrecklichen Wahldebakeln seiner Labour Party zu verhindern. Dabei kommt ihm Überraschendes zu Hilfe: In Großbritannien mehren sich die Zeichen einer leichten konjunkturellen Erholung.

So sieht Ben Broadbent, einflussreicher Volkswirt der Investmentbank Goldman Sachs, Anlass zur Frage, „ob die Rezession in Großbritannien bereits vorüber“ sei.  Zu den optimistischer stimmenden Daten gehört die Stabilisierung des Immobilienmarktes. Ganz gegen alle Erwartungen stieg der Index der britischen Eigenheimpreise im Mai um rund 2,6 Prozent gegenüber dem Vormonat. Einen so steilen Anstieg gab es seit 2002 nicht mehr, berichtet der Hypothekenanbieter Halifax. Eine „Erholung“ konstatiert auch Liam Bailey von der britischen Immobilienberatung Knight Frank: Erstklassige Wohnimmobilien im Zentrum von London haben im Mai immerhin um 1,9 Prozent zugelegt, sind allerdings immer noch mehr als 20 Prozent billiger als vor einem Jahr.

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Noch viel zu tun in Großbritannien

Der zaghafte britische Konjunkturfrühling nach einem Winter des extremen Missvergnügens zeigt sich auch beim Index des Verbrauchervertrauens – im Mai auf Sechs-Monats-Hoch – und beim Umsatz des Dienstleistungssektors, der erstmals seit einem Jahr wieder gestiegen ist. Die Banken vergeben wieder mehr Hypothekenkredite, nachdem dieses Geschäft im Zuge der Immobilien- und Finanzkrise fast zum Erliegen gekommen war. Das alles lässt einen notorischen Pessimisten wie den Gouverneur der Bank of England Mervyn King von „vielversprechenden Anzeichen“ für eine „verhältnismäßig langsame und langwierige“ Erholung sprechen. Die Notenbank bleibt allerdings bei der Voraussage, das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen.

Finanzminister Alistair Darling ist etwas optimistischer und beschreibt sich als „vorsichtig, aber zugleich zuversichtlich“. Sein Ministerium erwartet für 2009 ein BIP-Minus von 3,5 Prozent – das wäre immer noch der größte Rückgang seit mindestens sechs Jahrzehnten. Großbritannien, meint der Deutsche-Bank-Volkswirt George Buckley, müsse „noch viel tun, um sich an das neue wirtschaftliche Umfeld anzupassen“. Ende 2009 oder Anfang 2010 könnte aber das Wachstum „stärker ausfallen als derzeit erwartet“.

Regierungsmaßnahmen beginnen zu greifen

Die beginnende Konjunkturerholung wird nach Ansicht der Deutschen Bank vor allem von den Maßnahmen der Regierung zur Stabilisierung des Finanzsektors und für eine Verbesserung der Kreditvergabebedingungen begünstigt. Die Briten begannen damit lange vor anderen europäischen Staaten: Schon von Ende 2007 bis Mitte 2008 stellte die Regierung zusätzliche befristete Liquidität bereit, später spannte sie einen komfortablen Rettungsschirm für die heimischen Banken auf. Großbritannien hat bisher umgerechnet 1,6 Billionen Euro bereitgestellt, um das Bankensystem des Landes zu stabilieren – in Form von direkten Beteiligungen, von Liquiditätshilfen und durch die Gründung einer staatlichen Versicherung für faule Bankkredite. Die Labour-Regierung verstaatlichte die in die Krise geratenen Banken Northern Rock und Bradford & Bingley. Auch an der Royal Bank of Scotland Group und an der Lloyds Banking Group besitzt der Staat heute die Mehrheit.

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