Wahlkampf auf Tinder: Politiker entdecken Dating-Plattform

Wahlkampf auf Tinder: Politiker entdecken Dating-Plattform

, aktualisiert 05. August 2016, 10:52 Uhr
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Der Berliner SPD-Politiker wirbt auf Tinder für sein Programm. Er will ins Berliner Abgeordnetenhaus einziehen.

Quelle:Handelsblatt Online

Wähler- statt Partnersuche: Politiker wie der Sozialdemokrat Alexander Freier-Winterwerb und Donald Trump machen Wahlkampf über die Flirt-App Tinder. Ob das Sinn macht, ist unter Experten umstritten.

BerlinGepflegt sieht er aus. Ein wenig schüchtern lächelt Alexander, der mit grauem Hemd und Blazer aussieht wie ein klassischer Fall von Schwiegermutters Liebling. Eigentlich nichts Besonderes auf der Dating-Plattform Tinder, auf der er sich so präsentiert. Aber Alexander ist nicht auf der Suche nach dem Partner fürs Leben oder einem Sex-Abenteuer. Er möchte über die Flirt-App die Herzen von Wählern für sich gewinnen. Im September will der 29 Jahre alte Student für die SPD ins Berliner Abgeordnetenhaus einziehen.

Alexander Freier-Winterwerb hatte die Idee, die App zum Wahlkampf zu nutzen, als er mit Freunden in einer Pizzeria saß. Irgendetwas Neues wollte er machen. Irgendetwas, mit dem er auch die Menschen erreichen könnte, die den ganzen Tag arbeiten und dann auf der Couch zu Hause entspannen wollen. „Tinder ist da die ideale Möglichkeit“, sagt der Jungpolitiker.

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So neu ist die Idee allerdings nicht. Auch in der Schweiz, Österreich, Spanien, den Niederlanden, in Großbritannien, Kanada und den USA haben Politiker bereits versucht, über die beliebte Dating-App Wählerstimmen zu gewinnen. Der prominenteste Politiker auf Tinder ist derzeit wohl der republikanische US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump.

Das Prinzip der Dating-App ist simpel. Hat man ein Profil angelegt, werden dem User unterschiedliche Partner vorgeschlagen, die zu dem eigenen Profil passen sollen. Dann muss man sich nur noch entscheiden. Ein Wisch nach rechts signalisiert: „Ich finde dich gut.“ Ein Wisch nach links und der Profil-Vorschlag verschwindet im Tinder-Nirwana. Das Prinzip ist auch bei dem Politiker-Profil von Alexander das gleiche. Über mehrere Hundert Matches – also Übereinstimmungen – sammelte er in wenigen Wochen.

Ob sich der Einsatz auf dem Flirt-Portal für die Politiker lohnt, ist aus Sicht von Wahlkampfexperten schwer zu sagen. „Eine einzelne Aktion auf Tinder wird niemals wahlentscheidend sein“, sagt Julius van de Laar, Wahlkampfberater und Gründer der Campaigning Academy Berlin.


Soziale Netzwerke zum Dialog mit Wählern nutzen

Richtig sei es aber allemal, dass sich die Politiker dort präsentieren, wo auch die Wähler sind. „Bevor ich einem Kandidaten empfehlen würde, sich um sein Tinder-Profil zu kümmern, muss wirklich alles andere perfekt laufen“, sagt der Wahlkampfberater. Primäres Ziel einer Tinder-Kampagne sei es, mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Und genau deshalb beurteilen andere Branchenkenner die Aktion des Berliner Politikers kritisch. „Ernst nehmen kann ich es nicht, wenn ein Politiker sich ein Profil bei Tinder anlegt, um bei den Wählern anzukommen“, sagt Thomas Knüwer, Berater für Digitalstrategien. „Entscheidend ist, dass die Politiker die sozialen Netzwerke nutzen, um in einen inhaltlichen Dialog mit den Wählern zu treten.“

Unternehmen machen sich die Beliebtheit der App schon länger zunutze. Als eines der ersten präsentierte sich der Autovermieter Sixt in dem Flirt-Portal. Auch die isländische Billigfluggesellschaft Wow Air „tinderte“ schon in Deutschland, um die Bekanntheit bei den meist jungen Nutzern zu steigern.

Politiker sollten aber gut nachdenken, bevor sie sich ein Tinder-Profil zulegen, findet Digitalexperte Knüwer: „Wenn die Aktion schlecht gemacht ist, machen sie sich angreifbar für andere Politiker. Und der Schaden ist für sie als Einzelperson meist noch größer als für Unternehmen.“

Alexander Freier-Winterwerb ist zuversichtlich. „Bisher sind die Reaktionen durchweg positiv.“ Ihm gehe es vor allem darum, für die Menschen greifbar zu sein. Auch nach dem Wahlkampf möchte er bei Tinder angemeldet bleiben, damit die Wähler mit ihm in Kontakt treten können. „Ansonsten würde die ganze Aktion ja keinen Sinn machen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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