Wahlkampf in Großbritannien: Underdog gewinnt britisches TV-Duell

Wahlkampf in Großbritannien: Underdog gewinnt britisches TV-Duell

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Das erste britische TV-Duell mit dem Liberaldemokraten Nick Clegg, dem konservativen Tory-Chef David Cameron und Labour-Premierminister Gordon Brown (von links)

von Yvonne Esterházy

Überraschend ist der weitgehend unbekannte Führer der Liberaldemokraten, Nick Clegg, als Sieger aus dem mit Spannung erwarteten ersten Fernsehduell der Spitzenkandidaten Großbritanniens hervorgegangen.

„Wir können es besser als die etablierten Parteien und sind eine echte Alternative“, so die Botschaft des selbstbewusst und entspannt auftretenden Außenseiters. Drei Blitzumfragen im Anschluss an die 90minütige Debatte am Donnerstagabend ergaben, dass der 43-jährige Politiker sich klar gegen Labour-Premierminister Gordon Brown und Tory-Chef  David Cameron behaupten konnte. Auch politische Kommentatoren und selbst Labour-Innenminister Alan Johnson erklärten übereinstimmend, Clegg habe sich von den drei Spitzenkandidaten am besten geschlagen.

Für die Finanzmärkte ist das keine gute Nachricht. Denn mögliche Stimmengewinne der Liberaldemokraten bei den Wahlen am 6. Mai verringern die Aussichten auf eine absolute Mehrheit einer der beiden großen Parteien. Viele britische Wähler sind immer noch unentschlossen. Seit der Vorsprung der Konservativen in den Meinungsumfragen schrumpft, wächst an den Märkten die Angst, dass Großbritannien künftig von einer Minderheitsregierung regiert werden könnte, die nicht über die nötige politische Macht verfügt, um entscheidende Schritte zur Haushaltssanierung einzuleiten. Das Haushaltsdefizit beträgt derzeit 167 Milliarden Pfund oder 11,8 Prozent des Bruttoinlandproduktes. Noch nie war es in Friedenszeiten so hoch wie heute. Koalitionsregierungen sind in Großbritannien unüblich, die Liberaldemokraten könnten zum Zünglein an der Waage werden, indem sie eine künftige Minderheitsregierung tolerieren.

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Noch zwei Chancen auf Revanche

Cameron und Brown haben allerdings in zwei weiteren Fernsehdebatten, bei denen es um die Außen- und Wirtschaftspolitik gehen wird, die Chance, wieder Boden wettzumachen. Vor allem der Tory-Chef, der sich als Oxford-Absolvent und ehemaliger Zögling des Eliteinternates Eton normalerweise geschickt auf dem öffentlichen Parkett bewegt, enttäuschte diesmal. Maskenhaft geschminkt wirkte er streckenweise nervös und angespannt. Seine Kernaussage war das klassische Argument des Oppositionsführers: Nach 13 Jahren Labour braucht Großbritannien den Wechsel . Die Wähler beschwor er, sich nicht von der Regierung einschüchtern zu lassen: „Entscheidet Euch für die Hoffnung, nicht für die Angst“. Premier Brown warnte wie erwartet, der von den Tories angestrebte Sparkurs gefährde die wirtschaftliche Erholung. Der Labour-Politiker, berüchtigt für sein hölzernes Auftreten, wurde seinem Ruf als schlechter Kommunikator mit seinen einstudierten Witzen erneut gerecht und schnitt nach Meinung von Beobachtern am schlechtesten ab.

Nach der Live-Debatte erklärten bei einer Umfrage im Auftrag der konservativen Times 61 Prozent der Befragten Clegg zum Sieger, 22 Prozent stimmten für Cameron und 17 Prozent für Brown, bei einer anderen Befragung für das Boulevardblatt Sun waren 51 Prozent für Clegg, 29 Prozent für Cameron und 19 Prozent für Brown. Bei der Umfrage von Comres/ITV erhielt Clegg 43 Prozent Zustimmung. Cameron 26 Prozent, Brown 20 Prozent.

Applaus verboten

Die Debatte der drei Spitzenkandidaten in der nordwestenglischen Stadt Manchester, bei der es ausschließlich um die Innenpolitik ging, gewann nach einem holprigen Start an Fahrt, obwohl der durch 76 Regeln festgelegte Ablauf wenig Raum für Spontanität ließ. Die Zuschauer durften vorher eingereichte Fragen stellen, aber weder applaudieren noch Zustimmung oder Ablehnung bekunden. Peinliche Pannen gab es nicht. Brown und Cameron lieferten sich bei den Themen Kriminalität, Einwanderungspolitik, Bildung, Gesundheit und Staatsverschuldung aber einige hitzige Wortgefechte, bei denen der Premier deutlich aggressiver auftrat und auch nicht vor persönlichen Attacken gegen Cameron zurückscheute.

Das erste britische TV-Wahlduell in Großbritannien fand rund 50 Jahre nach der ersten US-Fernsehdebatte zwischen den Präsidentschaftskandidaten Richard Nixon und John F. Kennedy statt und läutete damit eine neue Ära des Wahlkampfs auf der Insel ein. Ähnlich wie in den USA hatten die Wahlkampfmanager die Rahmenbedingungen bis ins letzte Detail festgelegt; die Kandidaten hatten sich dem Drill zahlreicher Probedebatten unterzogen und trugen fast identische gedeckte Anzüge und weiße Hemden – nur ihre unifarbenen Krawatten in gold, königsblau und rosa unterschieden sich.

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