Warnung vor Bankenkrise: Was will Schäuble?

KommentarWarnung vor Bankenkrise: Was will Schäuble?

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Bundesfinanzminster Wolfgang Schäuble REUTERS/Francois Lenoir

von Cornelia Schmergal

Der Bundesfinanzminister mahnt erstmals öffentlich. Ein ungewöhnlicher, aber wichtiger Schritt: Europa stellt sich auf die Umschuldung Griechenlands ein. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Reporterin Cornelia Schmergal.

Mit öffentlichen Warnungen angesichts der Finanzkrise verhält es sich ja so: Meist lösen sie jenes  Ereignis aus, das sie eigentlich verhindern wollen. Wenn Wolfgang Schäuble also öffentlich mahnt, es gelte nun, eine Bankenkrise zu verhindern, dann muss der Bundesfinanzminister dafür verdammt gute Gründe haben. Und der wichtigste Grund kann eigentlich nur lauten: Griechenland geht es viel schlechter als allgemein befürchtet. Politiker und der Finanzsektor stellen sich auf eine Umschuldung ein.

Aber zunächst von vorn:  Am Dienstagabend hatte der CDU-Politiker nach einem Treffen der Euro-Finanzminister gesagt, seine große Sorge sei, dass die „beunruhigenden Entwicklungen an den Finanzmärkten in einer Schuldenkrise eskalieren“. Zuvor hatte er mit seinen Ministerkollegen intensiv über die Lage der europäischen Banken diskutiert.  Grund genug gab es ohnehin: Die französisch-belgische Bank Dexia ist ins Trudeln geraten, weil sie viel Geld in südeuropäische Staatsanleihen investiert hat. Brüssel und Paris müssen das Institut jetzt mit Staatsgarantien stützen.

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Aus dem Planspiel wird Ernst

Was sich geändert hat, ist vor allem, dass Wolfgang Schäuble eine Umschuldung der Hellenen inzwischen nicht mehr ausschließt. Zu dauerhaften Rettung Griechenlands werde „intensiv“ über einen Schuldenschnitt diskutiert, auch das hatte der Bundesfinanzminister am Dienstagabend erwähnt. 

Inzwischen geht er davon aus, dass es eine dauerhafte Lösung der Krise nur mit einer echten Reduzierung der griechischen Staatsschulden geben könne. Schon seit Wochen ist bei Finanzexperten ein Haircut von 50 bis 60 Prozent im Gespräch. Bislang war das ein Planspiel. Aber auch das Finanzministerium scheint nun auf diesen Kurs einzuschwenken.

Angst vor dem Flächenbrand

Klar ist, dass es bei einer Umschuldung Unterstützung für den Bankensektor geben muss, will man einen Flächenbrand verhindern.  Wenn Schäuble vor einer Bankenkrise warnt, dann will er damit Druck auf die europäischen Partnerländer aufbauen, eigene Rettungspläne für die Institute vorzubereiten und möglichst schnell dem erweiterten Rettungsfonds EFSF zustimmen, der Banken  rekapitalisieren könnte. Dann erst kann der Schuldenschnitt kommen. Und dann wird er auch kommen.  Daran geht wohl kein Weg mehr vorbei. Auch das hat Schäuble angedeutet: Die Troika müsse nun endlich feststellen, ob die Schuldentragfähigkeit Athens noch gegeben sei. Und das Ergebnis könne negativ sein.   

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