Weblog Phönix oder Drache: Chinas Nationalheld gibt verletzt auf

Weblog Phönix oder Drache: Chinas Nationalheld gibt verletzt auf

Die Tragödie ist perfekt. Chinas Nationalheld, die Hoffnung des Landes auf eine Goldmedaille in der Leichtathletik, wird beim Endlauf über die 110 Meter Hürden am Donnerstag verletzungsbedingt nicht antreten.

Am Montagmorgen fanden im „Vogelnest“ die Qualifikationsläufe statt. Liu Xiang, der über die Strecke vor vier Jahren in Athen olympisches Gold geholt hatte, soll im fünften Vorlauf starten. Er kniet in seinem Startblock. Dann löst ein anderer Läufer einen Fehlstart aus. Liu Xiang kommt humpelnd aus seinem Startblock, – und verschwindet kurz darauf mit Schmerz verzerrtem Gesicht in Richtung Katakomben. Damit ist er draußen und wird nicht mehr antreten.

Liu Xiang ist mehr als ein herausragender chinesischer Athlet. In Athen hatte er der Welt stellvertretend für alle Chinesen gezeigt, dass China nicht nur im Gewichtheben, Tischtennis oder Turnen Siege erringen kann, sondern auch in den sonst von Amerikanern, Briten und Afrikanern dominierten Laufwettbewerben. Jetzt sollte er bei den Spielen in Peking seine Erfolgsserie krönen – mit einer Goldenen vor heimischem Publikum. Seit Monaten hatten die chinesischen Medien die Erwartungen in unvorstellbare Höhen getrieben. Kaum ein Tag verging, an dem die chinesische Presse nicht ganzseitige Geschichten über Liu Xiang brachte. 1,3 Milliarden Menschen erwarteten von ihrem Landsmann nichts weniger als einen glänzenden Erfolg am Donnerstagabend. Egal, wo ich in den vergangenen Tagen hinkam: Die Gespräche in Kneipen, Restaurants, beim Friseur oder im Taxi hatten nur ein Thema: Liu Xiang und seine Goldmedaille, die er über die 110 Meter Hürden in dieser Woche holen sollte.

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Am Sonntagabend habe ich Liu noch getroffen. Auf dem Olympiagelände, nur wenige Meter vom „Vogelnest“ entfernt, gab Chinas Leichtathletikstar ein langes Interview. Er machte auf mich einen gelösten Eindruck, lachte viel. Doch möglich, dass er seinen Stress nur überspielte, denn der Druck auf den 25-Jährigen war gewaltig. Alle seine Siege in der Vergangenhait seien wertlos, wenn er bei den Spielen in Peking nicht die Goldmedaille hole, hat schon vor Monaten ein chinesischer Olympiaoffizieller gesagt. Um bei solchem Druck gelöst in ein Rennen zu gehen, bedarf es schon eines sehr dicken Fells. Offiziell heißt es, Liu Xiang habe eine Achillessehnenentzündung. Doch nicht ausgeschlossen, dass die Krankheit psychosomatischer Natur ist, auch wenn es in den vergangenen Wochen in Internetforen bereits Spekulationen über eine mögliche Verletzung gab.

Die Trauer in China kennt keine Grenzen. Binnen weniger Minuten nach Lius Abgang leert sich das mit 91.000 Besuchern voll besetzte „Vogelnest“, Fassungslosigkeit und Entsetzen breiten sich aus. Viele Zuschauer brechen in Tränen aus. Auch der Trainer bekommt auf der Pressekonferenz einen Weinkrampf. In den Pekinger Cafes und Restaurants hängen die Gäste mit weit aufgerissenen Augen an den Fernsehgeräten und schauen sich die Szenen von Liu Xiangs verpatztem Start immer und immer wieder an. So richtig glauben, was passiert ist, kann aber noch keiner.

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