Weltbank-Präsident Robert Zoellick: "Ich glaube nicht an einen Absturz"

Weltbank-Präsident Robert Zoellick: "Ich glaube nicht an einen Absturz"

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Weltbank-Präsident Robert Zoellick

von Henning Krumrey und Konrad Handschuch

Der Weltbank-Präsident Robert Zoellick über die Euro-Krise, die fehlende Vision für die Entwicklung der EU und warum es trotz aller Ängste Grund zur Hoffnung gibt.

WirtschaftsWoche: Herr Zoellick, was macht Ihnen derzeit mehr Sorgen – eine aufkommende Rezession oder die Schieflage im Welthandel?

Zoellick: Die Weltbank konzentriert sich auf Schwellen- und Entwicklungsländer. Da war die Erholung bis in den Spätsommer hinein ganz gut auf dem Weg. Jetzt, mit den Problemen im Euro-Raum und in den USA, beobachte ich eine gewisse Schadenfreude, dass sich zur Abwechslung mal die entwickelten Länder darum kümmern müssen, ihr Haus in Ordnung zu bringen. Aber die Krise der Staatsanleihen, der Absturz der Aktienmärkte, all das hat gravierende Auswirkungen auch auf die Entwicklungsländer. Investoren ziehen ihr Geld zurück. Das nimmt zwar den Aufwertungsdruck aus den Währungen, aber die neue Sorge ist, dass sich der Verlust an Vertrauen in Europa und in die USA auch auf die Schwellen- und Entwicklungsländer überträgt. Das würde das Wachstumsklima schwer beeinträchtigen.

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Das klingt, als würden Sie schon bald eine weltweite Rezession befürchten.

Ich glaube nicht an einen erneuten Absturz – nicht global und auch nicht in den USA. Aber die Risiken überwiegen, und es hängt viel davon ab, was jetzt in der Euro-Zone passiert. Bislang haben die Europäer versucht, ihr Problem durch Liquiditätshilfen zu lösen. Ich will das nicht kritisieren, aber das löst das Problem nicht. So gewinnt man nur Zeit – und diese sollten die Verantwortlichen in Europa weise nutzen.

Und wie?

Mal sorgen sich die Menschen um die Staatsverschuldung, mal um die Banken. Was Europa fehlt, ist ein umfassender Ansatz, der für beide Probleme eine gemeinsame Lösung bietet und eine Antwort auf die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands gibt. Die deutschen Steuerzahler fragen sich, wie lange sie für die Krise zahlen müssen. Aber sie vermissen vor allem, dass ihnen die politische Führung sagt, in welche Richtung sich ihr Europa überhaupt entwickeln soll. Die entscheidende Frage ist doch, ob die Menschen und Regierungen in Europa eine politische und finanzielle Union errichten wollen, um die Währungsunion zu ergänzen.

Was, wenn sie das nicht wollen?

Dann müssen sie eben entscheiden, wie sie mit überschuldeten Staaten umgehen, die nicht wettbewerbsfähig sind. Vieles in der Politik geschieht in der Art des Durchwurstelns, aber die Wirtschaft und die Märkte brauchen Orientierung und Klarheit. Als vor gut 20 Jahren der Ostblock zusammenbrach, entwickelte Bundeskanzler Helmut Kohl eine Vision, wie sich die Dinge entwickeln könnten. So etwas fehlt jetzt völlig, und je länger dies andauert, desto mehr Geld kostet es und desto weniger Handlungsoptionen wird es geben.

Sie vermissen eine Art Zehn-Punkte-Plan zur Lösung der Euro-Krise?

Politiker müssen den Entscheidungen voraus sein, und Deutschland spielt schon wegen seiner Größe eine wichtige Rolle in Europa. Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy steht vor Wahlen, Italien befindet sich in Turbulenzen, Großbritannien ist nicht Teil der Euro-Zone. Wo soll die Lösung also herkommen?

Vielleicht fehlt eine solche Vision deswegen, weil die deutschen Steuerzahler fürchten, sie würden in einer Fiskalunion ständig zur Kasse gebeten werden.

Das wäre auch keine langfristig tragbare Situation. Aber umso mehr müssen die Regierungen entscheiden, welche Union mit welchen Strukturen sie stattdessen haben wollen. Und dann müssen sie diese Vision ihren Bürgern erklären und den Parlamenten die nötigen Entscheidungen vorlegen. Sie müssten den Bürgern auch erklären, warum die Euro-Zone Bestand haben soll und was die Rückkehr der D-Mark für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft bedeuten würde. Im Augenblick ist es doch so: Der Deutsche Bundestag hat trotz aller Kritik mit überwältigender Mehrheit beschlossen, mehr Geld in den Rettungsfonds zu geben, aber keiner weiß, wohin das Geld wirklich gehen soll. Wenn die Menschen wüssten, wofür das Geld ausgegeben wird, gäbe es vielleicht mehr Unterstützung für diese Hilfen. Und noch einmal: Diese Frage betrifft natürlich Europa. Aber solange sie offenbleibt, hat dies Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft bis hin zu den Entwicklungsländern.

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