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Weltwirtschaft: Arbeitslosenzahlen überschatten das US-Wachstum

von Andreas Henry

Ein dramatischer Anstieg der Arbeitslosigkeit überschattet in den USA die Rückkehr zum Wachstum. Schon erklingt der Ruf nach einem neuen Konjunkturprogramm.

US-Präsident Barack Obama, Quelle: REUTERS
US-Präsident Barack Obama, Arbeiter: Das gigantische Budgetdefizit begrenzt den Spielraum für ein Arbeitsmarktprogramm Quelle: REUTERS

Wer US-Notenbankchef Ben Bernanke vor wenigen Wochen beim Economic Club of New York beobachtet hat und dessen Auftritt dort mit dem vor einem Jahr vergleicht, dem fiel vor allem Bernankes Erleichterung auf. Man habe es geschafft, das Finanzsystem und die Wirtschaft vom Rande des Abgrunds weg zu bekommen, das Fundament für eine Erholung sei gelegt.

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Viel mehr aber auch nicht. Im dritten Quartal wuchs Amerikas Wirtschaft, aufs Jahr hochgerechnet, um 2,8 Prozent – ein sich selbst tragender Aufschwung ist das nicht. „Wie sich die Wirtschaft 2010 und darüber hinaus entwickelt, ist viel weniger sicher“, drückte sich Bernanke, dessen zweite Amtszeit im nächsten Jahr beginnt, um eine klare Prognose. Pessimisten erwarten einen Rückfall in die Rezession, wenn zeitlich befristete staatliche Hilfen wie die Abwrackprämie für Autos oder die Subventionen für Erstkäufer von Häusern auslaufen. Optimisten dagegen erkennen bereits fundamentale Verbesserungen, etwa auf dem amerikanischen Immobilienmarkt und durch eine stärkere Nachfrage aus dem Ausland. Bernanke selbst verkündet, die Erholung sei „mehr als nur temporär“ und mache „im nächsten Jahr nachhaltiges Wachstum wahrscheinlich“.

Alles nur Zweckoptimismus? Als Chef der Federal Reserve weiß Bernanke genau, wie wichtig die Stimmung in der Wirtschaft ist. Da käme es nicht gut an, wenn der Herr über die amerikanische Geldpolitik schwarzmalt. Der eher erfreulichen Prognose für 2010 schickt Bernanke aber eines seiner Lieblingswörter hinterher: „However...“, und nach einer bedeutungsschwangeren Pause folgt: „...es gibt bedeutenden Gegenwind.“ Insbesondere die eingeschränkte Kreditvergabe der Banken und der schwache Arbeitsmarkt würden verhindern, „dass die Expansion so robust ausfällt, wie wir uns das erhoffen“.

Unternehmen stellen nicht ein

Zahlreiche Ökonomen fürchten, ein Mini-Aufschwung könne am amerikanischen Arbeitsmarkt komplett verpuffen. Die offizielle Arbeitslosenquote hat in den USA im November die Zehn-Prozent-Marke erreicht. Der Umfang der Teilzeitarbeit hat sich seit Beginn der Rezession mehr als verdoppelt. Viele Unternehmen werden wohl auch im nächsten Jahr nur zögerlich neue Mitarbeiter einstellen. Dabei müsste die US-Wirtschaft pro Monat netto rund 100.000 neue Jobs schaffen, nur um die zusätzlich auf den Markt drängenden Arbeitskräfte aufzunehmen.

Eine weiter steigende Arbeitslosenquote könnte US-Präsident Barack Obama zum Handeln zwingen. Schon mehren sich in Washington die Rufe nach einem weiteren Konjunktur- und Arbeitsbeschaffungsprogramm. Der Spielraum für weitere großzügige Maßnahmen der Regierung ist allerdings angesichts des Rekordhaushaltsdefizits für das kommende Jahr von rund 1,5 Billionen Dollar sehr eng.

Das Gute am Schlechten: Mit starker Inflation ist 2010 nicht zu rechnen. Deshalb kann die US-Notenbank die Zinsen niedrig halten. Frühestens in der zweiten Jahreshälfte ist mit einer ersten Zinserhöhung der Notenbank zu rechnen.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 01.01.2010, 21:07 UhrAnonymer Benutzer: Joker10

    Die Finanzkrise war und ist nichts anderes als der 3. Weltkrieg mit
    anderen Waffen ! Wer glaubt, daß die Krise vorbei ist, der täuscht sich.
    Amis und die anderen kapitalistischen Staaten haben über ihre Verhölt-
    nisse gelebt. Der Turbokapitalismus ist ein Auslaufmodell, das sich
    völlig überschätzt hat. Man kann nicht nur auf Pump leben, industrien in Schwellenländer verlagern und hoffen, man kann mit
    Finanzdienstleistungen und Kontrolle der Finanzmärkte überleben.
    Globalisierung ja, aber mit Maß und Ziel und nicht zu Lasten der
    eigenen Volkswirtschaft. Der Mensch steht im Mittelpunkt und nicht
    die Maschine und der Profit ! Wenn schon Produktivitätssteigerungen
    die durch den technischen Fortschritt unabdingbar scheinen, dann müssen diejenigen, die davon provitieren, auch ihren Obulus leisten.
    Arbeit ist ein Grundrecht und die Pflicht zur Arbeit auch ! Hört auf mit
    dem führen von sinnlosen Kriegen und investiert in den Menschen
    dienende Technik, die auch unserer Umwelt hilft.
    Ändert das System !
    Wir werden zwangsläufig wieder eine Währungsreform bekommen,
    daran wird kein Weg vorbei führen.

  • 31.12.2009, 14:54 UhrAnonymer Benutzer: r.zirbs

    ....ja, sehr schön von P. "Die Krise ist (eigentlich) eine Konjunktur diverser Übertreibungen". Stimmt.
    Aber was auch übersehen wird: Der Zwang zu technologisch bedingeten Anpassungsprozessen in entwickelten Volkswirtschaften. Einfacher: der technische Fortschritt. Und dieser ist, hüben wie drüben ein Fortschritt, der arbeitsplatzsparend ist. Um zu den 'Übertreibungen' zurückzukommen: herrschende Lohnsätze erzwingen in dieser Typologie einer Makrowirtschaft zu immer
    stringenteren Effizienzmassnahmen - das hat mit kurzfristigen Konjunkturzyklen überhaupt nichts zu tun, sondern ist säkular.
    Und unumkehrbar. Und es ist nicht davon auszugehen, dass die Lohnsätze sinken werden. insoweit sitzen dieses Volkswirtschaftenauf einem Ast, an dem sie selber sägen. Ein gewisser Fatalismus ist dem nicht abzusprechen.. (r.zirbs)

  • 30.12.2009, 21:21 UhrAnonymer Benutzer: Anton

    Wir brauchen ein bedingungsloses Grundeinkommen für jedermann!

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