Weltwirtschaft: Blutarme Erholung in Großbritannien

Weltwirtschaft: Blutarme Erholung in Großbritannien

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Blick auf das Londoner Geschäfts- und Bankenviertel Canary Wharf

von Yvonne Esterházy

Großbritannien befindet sich am Ende des Jahrzehnts in einem desolaten Zustand. Im nächsten Jahr wird es bestenfalls zu einer blutarmen Erholung kommen.

Finanzminister Alistair Darling wird beim Jahreswechsel mit Sorge in die Zukunft schauen – und das nicht nur, weil er nach den spätestens Anfang Juni stattfindenden Parlamentswahlen wahrscheinlich seinen Job los ist. Als einzige große Industrienation befindet sich das Vereinigte Königreich noch in der Rezession, nie zuvor hat das Land in Friedenszeiten seine Schulden derart dramatisch in die Höhe gefahren, das Pfund schwächelt, und das Vertrauen der internationalen Anleger ist angeschlagen.

Großbritannien durchlebt derzeit den längsten wirtschaftlichen Abschwung seit dem Zweiten Weltkrieg. Mit minus 5,8 Prozent in den vergangenen sechs Quartalen dauert diese Rezession länger und geht tiefer als die Rezessionen der Achtziger- und Neunzigerjahre. Zwar soll es laut Finanzministerium und Notenbank ab Anfang nächsten Jahres wieder aufwärts gehen – doch die Wirtschaftsleistung wird wohl noch lange unter dem Vor-Krisen-Niveau bleiben.

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Großbritannien Wirtschaftslage Quelle: EU-Kommission

Großbritannien Wirtschaftslage

Bild: EU-Kommission

Douglas McWilliams, der Chef des renommierten Centre for Economics and Business Research (CEBR) warnt bereits, das Vereinigte Königreich könnte bis zum Jahr 2015 aus der Liste der zehn führenden Industrienationen fliegen und damit international an Einfluss verlieren.

Das künftige Wachstum wird auch unter der Fiskalpolitik zu leiden haben. So will Labour das Haushaltsdefizit bis 2014 auf 5,5 Prozent des BIPs drücken – die oppositionellen Tories haben ebenfalls Defizitabbau angekündigt. Volkswirtschaftlich gravierend sind auch die Folgen der geplanten Erhöhung der Beiträge zur Sozialversicherung, die alle Erwerbstätigen mit einem Jahreseinkommen von mehr als 20.000 Pfund (22.000 Euro) im Jahr trifft. Die Maßnahme werde „Jobs vernichten“, kritisiert der Vorsitzende des britischen Industrieverbandes CBI, Richard Lambert. Schon jetzt ist die Arbeitslosenrate auf dem höchsten Stand seit 14 Jahren.

Wirtschaft im Abgrund

Das wirft die Frage auf, woher künftig Wachstum kommen soll. Schließlich hatte Labour seit 1997 Milliarden in den öffentlichen Sektor gepumpt und dort zahlreiche Arbeitsplätze geschaffen. Die andere Wachstumslokomotive war der einst aufstrebende Finanzsektor, der vor Beginn der aktuellen Krise neun Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachte – sowie die explodierende Immobilienbranche, deren Anteil am BIP unter Labour von 12,6 auf 16,2 Prozent stieg.

Nach einer Studie der „Financial Times“ steuerte das verarbeitende Gewerbe 1997 noch 20 Prozent zur Wertschöpfung bereit, zehn Jahre später jedoch hatte sich dieser Wert auf nur noch 12,4 Prozent verringert. Damit verlor die Industrie unter Labour stärker an Bedeutung als unter der ehemaligen konservativen Premierministerin Margaret Thatcher. Die negativen Folgen dieser Entwicklung sind inzwischen unbestritten: Die große Abhängigkeit vom Finanzsektor riss die britische Wirtschaft tiefer in den Abgrund als anderswo.

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