Weltwirtschaft: Brasilien ist einer der globalen Krisengewinnler

Weltwirtschaft: Brasilien ist einer der globalen Krisengewinnler

von Alexander Busch

Doch der rekordverdächtige Kapitalzufluss könnte Brasilien mehr schaden als nutzen. Die Aufwertung der brasilianischen Währung um mehr als 70 Prozent gegenüber dem Dollar binnen eines Jahres hat zu massiven Einbrüchen im Export geführt.

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Die Börse in Sao Paulo: Bei Investoren steht Brasilien im Mittelpunkt des Interesses

Nobelpreisträger Paul Krugman liebt Polemik.

Kürzlich nahm er in São Paulo die gegenwärtige Euphorie um Brasiliens Wirtschaftswunder aufs Korn: Das Land hat „die Krise blendend überstanden“, lobte Krugman und fügte hinzu: „Aber das heißt noch lange nicht, dass Brasilien schon morgen eine Supermacht sein wird – obwohl die Märkte so tun, als sei das der Fall.“

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Der Ökonomie-Nobelpreisträger befürchtet vielmehr, dass in Brasilien eine Spekulationsblase heranwächst und kündigte den Abzug seiner Investitionen an. Jenseits aller Polemik scheint Brasilien einer der globalen Krisengewinnler zu sein: Trotz der Stagnation in 2009 haben Investitionen und Konsum Fahrt aufgenommen.

Ausländische Konzerne investieren massiv in Brasilien

Brasiliens Weltwirtschaft Quelle: Economist Intelligence Unit (EIU)

Brasiliens Weltwirtschaft

Bild: Economist Intelligence Unit (EIU)

Und während in diesem Jahr weltweit die Direktinvestitionen geschrumpft sind, investieren ausländische Konzerne in Brasilien massiv, um ihre Präsenz in der achtgrößten Volkswirtschaft der Welt zu stärken.

Auch die Finanzmärkte werden von ausländischem Kapital überschwemmt: Die Börse in São Paulo legte dieses Jahr um 140 Prozent zu und erlebte drei der größten Börsengänge weltweit.

Daher ist die Frage nach der sich aufblähenden Brasilien-Blase durchaus berechtigt: Zwar profitiert das Land von der gewaltigen Liquidität, die auf den globalen Finanzmärkten durch die Rettungsmaßnahmen für Banken und Unternehmen existiert.

Andererseits hat die Aufwertung des Real – um mehr als 70 Prozent gegenüber dem Dollar binnen eines Jahres – zu massiven Einbrüchen im Export geführt. Weil gleichzeitig die Importe zunehmen, hat sich Brasiliens Leistungsbilanz ins Negative gedreht.

Dennoch steht Brasilien heute weit stabiler da als früher: Das Land hat keine Auslandsschulden und verfügt über rund 250 Milliarden Dollar Devisenreserven.

Es droht keine Inflationsgefahr, und selbst das Staatsdefizit hält sich in Grenzen.

Krugman aber hält den gegenwärtigen Hype um Brasilien für irreal – und gefährlich: „Die Geschichte zeigt, dass es nicht gut ist, wenn Staaten zu stark im Mittelpunkt des Interesses der Investoren stehen.“

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