Weltwirtschaft: China kämpft gegen Überkapazitäten

ThemaChina

Weltwirtschaft: China kämpft gegen Überkapazitäten

von Lea Deuber

China hat sein Wachstum viel zu lange auf Pump finanziert. Nun geraten die staatlichen Banken unter Druck. Eine Sanierung ist überfällig.

Der Schnellzug von Peking nach Shanghai rast an zahllosen Millionenstädten entlang. Hochhäuser ziehen am Fenster vorbei. Manche abseits, andere dicht an die Bahntrasse gedrängt.

Anteil notleidender Kredite in China nach Branchen (2015, in Prozent). Für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

Anteil notleidender Kredite in China nach Branchen (2015, in Prozent). Für eine detaillierte Ansicht bitte auf die Grafik klicken.

In vielen dieser Städte lebt kaum ein Mensch. Die Geisterviertel mit ihren schier endlosen Reihen leer stehender Häuser sind das Ergebnis einer zügellosen Geldpolitik, mit der China in den vergangenen Jahren seine Wirtschaft beleben wollte. Viel Geld floss in den Ausbau von Infrastruktur, Industrie und Immobilien. Keine Idee schien zu groß, kein Projekt zu teuer. 2009, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, verabschiedete das Land ein Konjunkturpaket in Höhe von 541 Milliarden Euro. Und noch immer halten die Machthaber in Peking billiges Geld für ein probates Mittel gegen wirtschaftliche Probleme. Als sich zu Jahresbeginn die Wirtschaft eintrübte, versprach Ministerpräsident Li Keqiang, natürlich: neues Geld.

Anzeige

Chinas Gesamtverschuldung von Staat, Unternehmen, Banken und privaten Haushalten summiert sich bereits auf mehr als 280 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, berechnete die Investmentabteilung der Banque de Luxembourg. Das sorgt mittlerweile auch in Peking für Unruhe. So zitierte die staatliche Zeitung „People’s Daily“ unlängst eine angeblich ranghohe Führungspersönlichkeit mit den Worten, das Land stehe vor weit größeren Herausforderungen und Problemen als erwartet. In dieser verklausulierten Form haben die Machthaber in Peking bereits mehrfach ihr Volk auf einschneidende Entscheidungen eingestimmt.

Konjunktur China will robustes Wachstum und macht Schulden

Höhere Ausgaben, geringere Einnahmen: In Chinas Haushalt klafft eine große Lücke. Die Regierung gibt sich zuversichtlich, dass langfristig stabiles Wachstum erreicht werden kann. Experten sind skeptisch.

Chinas Wirtschaft soll wieder auf Kurs kommen. Quelle: dpa

Der Grund dafür liegt auf der Hand. Werden keine Straßen und Brücken mehr gebaut, braucht es auch keine Berge mehr von Stahl und Zement. Die Produktionskapazitäten der Unternehmen sind überdimensioniert. In einer freien Marktwirtschaft wären viele gepäppelte Firmen in den einschlägigen Branchen längst pleitegegangen. Doch das würde Millionen Arbeiter den Job kosten. Ein Risiko, das die Machthaber in Peking bisher scheuen: Wirtschaftspolitik in China ist immer auch Innen- und Sozialpolitik. Vor allem aber: Zahlen die Unternehmen ihre Kredite nicht zurück, würde dies auch die Staatsbanken in den Ruin treiben. Doch frisches Geld vom Staat, um die Kredite weiter zu bedienen, ist auf Dauer auch kein Ausweg. „Das Land braucht dringend Strukturreformen“, sagt Ning Zhu, Professor am Shanghai Advanced Institute of Finance.

Eine grundlegende Neuordnung des Bankensektors ist zwar noch lange nicht in Sicht, aber schnell umsetzen ließe sich eine Idee aus Peking: die Umwandlung von Forderungen in Kapitalbeteiligungen. Professor Xu Bin von der China Europe International Business School in Shanghai hält eine Reform schon in den kommenden Monaten für möglich. „Sie wird eine zentrale Rolle in der Lösung von Chinas Schuldenproblem spielen“, sagt der Wirtschaftsexperte.

China Wie steht's um die chinesische Wirtschaft?

Ein Konjunkturindikator macht deutlich: Die chinesische Produktionstätigkeit geht weiter zurück. Schon 2015 war Chinas Wirtschaft sehr schwach gewachsen. Ein Bundesbankvorstand bezweifelt allerdings solche Prognosen.

Die chinesische Flagge weht vor der Skyline von Shanghai. Quelle: AP

Auf ähnliche Weise hat China seine Staatsbanken schon Anfang der Nullerjahre saniert, als ein Fünftel aller Kredite der vier wichtigsten Staatsbanken auszufallen drohte. „Die faulen Kredite wurden damals in eigene Unternehmen ausgelagert und an Investoren verkauft“, erklärt Xu Bin. Das Risiko wurde und würde auf diese Weise von der Regierung umverteilt auf Privatunternehmen und Haushalte. Für die Käufer sei das gewiss nicht problemlos, meint der Experte. Alles in allem aber besser, als die Politik des billigen Geldes zu verlängern.

Das immerhin scheint sich auch bis ins Pekinger Politbüro herumgesprochen zu haben. Die Hoffnung, das Schuldenproblem weiter mit der Geldpresse zu lösen, verweist auch die geheimnisvolle Quelle der „People’s Daily“ ins Reich der „Fantasie“.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%