Weltwirtschaft: Chinas Aufstieg beflügelt den Fernen Osten

Weltwirtschaft: Chinas Aufstieg beflügelt den Fernen Osten

von Matthias Kamp

Während sich der Westen mühsam aus der Krise quält, erleben die Ostasiaten einen neuen Wachstumsschub. Die Weltwirtschaft steht vor dem Anbruch eines asiatischen Jahrhunderts – aber nur, wenn die immer wohlhabenderen Länder jetzt die nötigen Strukturreformen schaffen.

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Fabrik in Vietnam

Zhu Jiayi ist glänzender Laune. Mehr als 130 Wohnungen hat er im Dezember in Peking verkauft, fast doppelt so viele wie Anfang vergangenen Jahres. Der junge Chinese leitet ein kleines Maklerbüro, wie es sie zu Tausenden in der chinesischen Hauptstadt gibt. Luxuswohnungen in bester Lage bringt Zhu unter die Leute. Im kalten Winter tat sich vergleichsweise wenig auf dem Pekinger Immobilienmarkt, aber für das Frühjahr hofft Zhu auf Preise von umgerechnet 2800 Euro für den Quadratmeter Wohnraum. Derzeit sind es 2600, vor zwei Jahren waren es 1900 Euro.

„Die besten Zeiten kommen erst noch“, sagt Zhu. Und damit drückt der kleine Makler die Stimmung der gesamten Volkswirtschaft seines riesigen Heimatlandes aus. Und das Wirtschaftsklima bei Chinas Nachbarn steht kaum zurück.

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Gut fünf Flugstunden südlich von Peking, in der vietnamesischen Wirtschaftsmetropole Ho-Chi-Minh-Stadt, dem früheren Saigon, drängt sich die Kundschaft in den Luxusläden in der Dong-Khoi-Straße. Louis-Vuitton-Taschen und Mont-Blanc-Füller sind beliebt bei Vietnams neuen Reichen. Ringsum wachsen immer neue Hochhäuser in den Himmel. „Die Mieten sind wahnsinnig hoch, weil es viel zu wenig Büroraum gibt“, klagt Nhan Nguyen, Partner der Beratungsgesellschaft BDG Vietnam, die unter anderem deutsche Firmen beim Markteintritt in Vietnam berät.

Ohne Kratzer aus der Krise

Rund 800 Kilometer weiter westlich treffen wir ein paar thailändische Unternehmer, die sich von einer angereisten kambodschanischen Textilfabrikantin in ein edles italienisches Restaurant einladen lassen. Bei Rotwein und Grappa wollen sie ausloten, ob sie ihre T-Shirts und Sporthosen künftig im Nachbarland Kambodscha fertigen lassen sollten, wo die Löhne um einiges niedriger sind. Am Ende wird man sich einig, die Kambodschanerin spendiert Champagner.

Während der Westen sich nur im Schneckentempo aus der Rezession arbeitet, erlebt der Osten einen neuen Boom. Nur kurz waren in der ersten Jahreshälfte 2009 im Gefolge der Lehman-Pleite die Wachstumsraten in Asien eingebrochen. Inzwischen schlägt das Konjunkturbarometer wieder nach oben aus. Um 6,6 Prozent wird die Wirtschaft in den Schwellenländern des Fernen Ostens in diesem Jahr wachsen, schätzt die Asiatische Entwicklungsbank (ADB). Die Ökonomen bei Morgan Stanley in Hongkong sind noch optimistischer: Um 7,4 Prozent werde Asiens Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr expandieren. Da kommen Euro-Zone und USA nicht mit: Zwischen 1,0 und 2,5 Prozent wird Amerikas Wirtschaft im laufenden Jahr wachsen, prognostizieren Organisationen wie die Uno und der Internationale Währungsfonds (IWF). Die Euro-Zone muss sich vermutlich mit einem Wachstum zwischen 0,3 und 0,5 Prozent begnügen.

Darum blicken viele im Westen voller Hoffnung auf den boomenden Fernen Osten, der 2009 drei Viertel des weltweiten Wachstums erwirtschaftet hat. Ein starkes Asien, hoffen Politiker und Unternehmer, könnte die ganze Weltwirtschaft zurück auf den Wachstumspfad führen.

Der Investmentguru Jim Rogers sieht Asien als „das neue Zentrum der Welt“: nicht etwa nur das neue Finanzzentrum, „sondern auch das neue politische Zentrum“. Das asiatische Jahrhundert hat endgültig begonnen – und China, der frisch gebackene Exportweltmeister, wird dieses Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ablösen.

Was das in Zahlen bedeutet, haben die Analysten von HSBC in Hongkong ausgerechnet: Etwa acht Prozent trug China 2008 zum globalen BIP bei. 2014 werden es 11,5 Prozent sein, und die Tendenz ist weiter steigend. Der Beitrag der übrigen asiatischen Länder – ohne Japan und den Nahen Osten – wird im selben Zeitraum von 17 auf 20,5 Prozent steigen.

Von den weltweiten Turbulenzen der Finanzkrise war Ostasien weitaus weniger betroffen als der Westen, auch weil die asiatischen Banken von größeren Erschütterungen verschont blieben. Darüber hinaus sitzen die Länder auf satten Devisenreserven.

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