Weltwirtschaft: Chinas Konjunktur beginnt zu wackeln - Seite 2

Weltwirtschaft: Chinas Konjunktur beginnt zu wackeln

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Der Arbeitsmarkt ist noch stabil - Arbeitslosenquote und Beschäftigte. Quelle: WirtschaftsWoche
Der Arbeitsmarkt ist noch stabil - Arbeitslosenquote und Beschäftigte. Quelle: WirtschaftsWoche

Außerdem haben sich auch in China in den vergangenen Jahren Vermögenspreis-Blasen gebildet, aus denen zum Teil die erste Luft entweicht. So krachte der chinesische Aktienmarkt seit Jahresbeginn um mehr als 50 Prozent nach unten – und weitere Kursverluste erscheinen jederzeit möglich. Auch das könnte den Konsum dämpfen, denn in Abwesenheit eines ausreichend entwickelten Sozialversicherungssystems sind Aktien für viele Chinesen die einzige Altersvorsorge.

Noch besorgniserregender ist allerdings die Lage auf dem Immobilienmarkt. In der südchinesischen Wirtschaftsmetropole Shenzhen zum Beispiel sind die Immobilienpreise allein im vergangenen Jahr um 80 Prozent in die Höhe geschossen. Jetzt beginnt der Markt sich abzukühlen. Sollte es zu einer scharfen Korrektur kommen, so wie derzeit in Amerika oder Großbritannien, könnte dies auch in China das Wachstum empfindlich dämpfen – vor allem, weil der Bankensektor erhebliche Risiken geschultert hat. „Ein dramatischer Absturz der Häuserpreise“, warnt Yongding Yu, Direktor des Weltwirtschaftsinstituts in Peking, „könnte viele Geschäftsbanken in Schwierigkeiten bringen und zu einer Bankenkrise führen.“

Das alles bringt die Wirtschaftslenker in Peking schwer in die Bredouille. Denn um die Inflation unter Kontrolle zu bekommen, müsste eigentlich die Notenbank die Zinsen anheben und eine stärkere Aufwertung des Yuan zulassen. Das aber würde möglicherweise dem Wachstum schaden.

Die Regierung hat sich indes schon entschieden, wie sie aus diesem Dilemma herauskommen will: Ende Juli gab Peking bekannt, oberste Priorität sei nicht mehr die Vermeidung von Überhitzung und Inflation, sondern die Aufrechterhaltung robusten Wachstums. Damit dürften weitere Zinserhöhungen durch die Notenbank erst einmal vom Tisch sein, ebenso wie eine schnellere Aufwertung des Yuan. Die meisten Ökonomen hoffen, dass es den Behörden auf diese Weise gelingt, einen Wachstumseinbruch zu verhindern. Aber die Gefahr besteht, dass ein reinigendes Gewitter durch eine expansive Politik nur aufgeschoben wird – und dann später umso heftiger ausfällt.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.09.2008, 18:25 UhrAnonymer Benutzer: seemann

    China- Wachstum- Zukunft. Was auch immer der chinesiche
    Aktien index "shanghai composite" repräsentiert und welche volkswirtschaftliche Zusammenhänge in China und der Welt bestehen.
    Dieser index ist nach einer "Überhitzung" während der vergangen 52 Wochen von 6154 auf heute 2080 Punkte (- 66%) gefallen.
    Die beurteilung der zukünftigen Entwicklung bleibt kompetenten
    beobachtern vorbehalten.

  • 12.09.2008, 14:32 UhrAnonymer Benutzer: Gregor Neumann

    Ric + Zockerfein:

    China wird hier in einem Atemzug über- und unterschätzt. China erwirtschaftet genau wie Deutschland einen Großteil seines biP durch den Export. Daran ist nichts Schlimmes, weil auch wir durch den internen Konsum alleine nicht unseren Lebensstandard halten könnten. Der Exportboom hat die relative Armut im Land drastisch gesenkt und das Gros der bevölkerung steht heute materiell besser da als vor 30 Jahren. Für die „Nur 10 Prozent profitieren“ These würde ich gerne mal eine Quelle sehen. iMF und Weltbank sehen das entschieden anders.

    Gleichzeitig leidet China unter einer Über-investitions-Krise und kämpft mit den Folgen der Spekulation und Misswirtschaft, weil die Wirtschaft wie der Rest des Landes nur zum Teil frei ist. Neben dem offiziellen bankensystem gibt es ein zweites, halboffizielles, in dem gigantische Summen zu horrenden Zinsen verliehen werden. Das ist eine Folge, weil die PboC das meiste Geld aus dem Export aus dem chinesischem Währungssystem heraushält und lieber in Form von 1,8 billionen Dollar Währungsreserven nutzt, um den US Konsum am Leben zu halten. Das alles geht auf Dauer schief und verstärkt die Krise.

    Deutsche Medien schreiben leider nichts über die Finanzkrise in China. Aber hier steckt der wahre Sprengstoff. Das biP ist hier kein guter indikator. „Nur“ sieben Prozent Wachstum wären für China bereits eine Katastrophe, aus deutscher Sicht würden wir bei dem Wachstum von einem Wunder sprechen.

    China unterscheidet sich wesentlich von Deutschland, deshalb sollte man sehr vorsichtig sein, welche bewertungsmaßstäbe man ansetzt. Zum beispiel hat die Alterung in Deutschland durch unser Rentensystem andere Auswirkungen als in China. Und bei uns setzen die Effekte früher ein als dort.

  • 12.09.2008, 13:07 UhrAnonymer Benutzer: zockerfein

    Ric hat recht.
    China verdankt ihr Wachstum den USA, dem Euro-Raum und den Nachbarn.
    Nur etwas über zehn Prozent der bevölkerung partizipiert am boom, der Rest lebt in Armut und trägt wenig zum biP bei.

    Außerdem ist China völlig überaltet wegen der Ein-Kind-Politik.
    Nur das strikte Festhalten am starren Wechselkurs, die schlechte bezahlung der Arbeitnehmer macht sie im Moment noch konkurrenzlos billig.
    Die Kosten auf die Volkswirtschaft kommen aber langsam zu.

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