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Weltwirtschaft: Chinas Konjunktur beginnt zu wackeln

von Rolf Ackermann

Geht die chinesische Wachstumsstory langsam zu Ende? Mit Euroland, Amerika und Japan stehen die wichtigsten Handelspartner am Rande einer Rezession.

Die Dynamik sinkt - BIP und Industrieproduktion in China. Quelle: WirtschaftsWoche
Die Dynamik sinkt - BIP und Industrieproduktion in China. Quelle: WirtschaftsWoche

Damit steht nun auch das exportlastige Wachstumsmodell Chinas auf der Kippe, das seit Jahren zweistellige Wachstumsraten produziert. Die Regierung in Peking ist alarmiert. Schon machen Gerüchte über ein Konjunkturprogramm die Runde, Volumen: 20 bis 40 Milliarden Euro, das wären ein bis anderthalb Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Frage lautet jetzt: Wird China eine sanfte Landung gelingen oder gibt es einen Crash? Dabei sehen die offiziellen Zahlen bisher noch gar nicht so besorgniserregend aus. Im zweiten Quartal legte die chinesische Wirtschaft mit 10,1 Prozent immer noch zweistellig zu, nach 10,6 Prozent im ersten Vierteljahr. Experten rechnen für das Gesamtjahr 2008 mit einem Wachstum von zehn Prozent und für das kommende Jahr immerhin noch mit neun Prozent.

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Es könnte aber auch ganz anders kommen. Denn die Risiken für das chinesische Wachstumsmodell haben in den vergangenen Monaten erheblich zugenommen. Besonders schwer wiegt die Gefahr eines Einbruchs im Export, der die chinesische Volkswirtschaft in den vergangenen Jahren angetrieben hat. Erste Bremsspuren sind nicht zu übersehen, auch wenn China im Juli noch einmal fast 30 Prozent mehr Waren und Dienstleistungen ausgeführt hat als im Vorjahresmonat, nach einem Plus von 18 Prozent im Juni.

Verstärkt wird der Abwärtstrend durch die schleichende Aufwertung des Yuan und die Kürzung staatlicher Exportsubventionen. China ist aber darauf angewiesen, weiter kräftig zu exportieren. „Das Land produziert zu viel und konsumiert zu wenig“, schreiben die Experten von Global Insight. Die Differenz muss exportiert werden – aber wohin, wenn die Hauptabnehmerländer in die Krise schlittern?

Auch die Hoffnung auf einen stetig weiter wachsenden Konsum könnte trügerisch sein. Genährt wird sie durch den robusten Arbeitsmarkt, der seit Jahren die Beschäftigung in die Höhe treibt und die Arbeitslosenquote auf vier Prozent sinken ließ. Der Umsatz im Einzelhandel spiegelt dies wider, er legte zuletzt immerhin mit Wachstumsraten um 15 Prozent zu. Doch die Einkommen der Verbraucher geraten von verschiedenen Seiten unter Druck. So steigen die Preise derzeit auch im Reich der Mitte kräftig. Die Inflationsrate lag zwar im Juli mit 6,3 Prozent niedriger als in den Vormonaten – den Höhepunkt hatte sie im April mit 8,5 Prozent erreicht. Aber für Entwarnung ist es noch zu früh, zumal der Anstieg der Erzeugerpreise im Juli mit 10,0 Prozent sogar höher lag als im Vormonat.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 15.09.2008, 18:25 UhrAnonymer Benutzer: seemann

    China- Wachstum- Zukunft. Was auch immer der chinesiche
    Aktien index "shanghai composite" repräsentiert und welche volkswirtschaftliche Zusammenhänge in China und der Welt bestehen.
    Dieser index ist nach einer "Überhitzung" während der vergangen 52 Wochen von 6154 auf heute 2080 Punkte (- 66%) gefallen.
    Die beurteilung der zukünftigen Entwicklung bleibt kompetenten
    beobachtern vorbehalten.

  • 12.09.2008, 14:32 UhrAnonymer Benutzer: Gregor Neumann

    Ric + Zockerfein:

    China wird hier in einem Atemzug über- und unterschätzt. China erwirtschaftet genau wie Deutschland einen Großteil seines biP durch den Export. Daran ist nichts Schlimmes, weil auch wir durch den internen Konsum alleine nicht unseren Lebensstandard halten könnten. Der Exportboom hat die relative Armut im Land drastisch gesenkt und das Gros der bevölkerung steht heute materiell besser da als vor 30 Jahren. Für die „Nur 10 Prozent profitieren“ These würde ich gerne mal eine Quelle sehen. iMF und Weltbank sehen das entschieden anders.

    Gleichzeitig leidet China unter einer Über-investitions-Krise und kämpft mit den Folgen der Spekulation und Misswirtschaft, weil die Wirtschaft wie der Rest des Landes nur zum Teil frei ist. Neben dem offiziellen bankensystem gibt es ein zweites, halboffizielles, in dem gigantische Summen zu horrenden Zinsen verliehen werden. Das ist eine Folge, weil die PboC das meiste Geld aus dem Export aus dem chinesischem Währungssystem heraushält und lieber in Form von 1,8 billionen Dollar Währungsreserven nutzt, um den US Konsum am Leben zu halten. Das alles geht auf Dauer schief und verstärkt die Krise.

    Deutsche Medien schreiben leider nichts über die Finanzkrise in China. Aber hier steckt der wahre Sprengstoff. Das biP ist hier kein guter indikator. „Nur“ sieben Prozent Wachstum wären für China bereits eine Katastrophe, aus deutscher Sicht würden wir bei dem Wachstum von einem Wunder sprechen.

    China unterscheidet sich wesentlich von Deutschland, deshalb sollte man sehr vorsichtig sein, welche bewertungsmaßstäbe man ansetzt. Zum beispiel hat die Alterung in Deutschland durch unser Rentensystem andere Auswirkungen als in China. Und bei uns setzen die Effekte früher ein als dort.

  • 12.09.2008, 13:07 UhrAnonymer Benutzer: zockerfein

    Ric hat recht.
    China verdankt ihr Wachstum den USA, dem Euro-Raum und den Nachbarn.
    Nur etwas über zehn Prozent der bevölkerung partizipiert am boom, der Rest lebt in Armut und trägt wenig zum biP bei.

    Außerdem ist China völlig überaltet wegen der Ein-Kind-Politik.
    Nur das strikte Festhalten am starren Wechselkurs, die schlechte bezahlung der Arbeitnehmer macht sie im Moment noch konkurrenzlos billig.
    Die Kosten auf die Volkswirtschaft kommen aber langsam zu.

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