Weltwirtschaft: Die unterschätzte Kraft Brasiliens

Weltwirtschaft: Die unterschätzte Kraft Brasiliens

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Präsident Lula, Ölarbeiter: In wenigen Jahren wird das Land ein bedeutender Energie-Exporteur sein

WirtschaftsWoche-Korrespondent Alexander Busch über den Aufstieg Brasiliens, die stabile Wirtschaft und Gesellschaft in der Krise sowie die Gefahr, die südamerikanische Wirtschaftsmacht zu unterschätzen.

Es erstaunt immer noch: Ausgerechnet Brasilien, das chronische Krisenland, wird die Weltwirtschaftskrise weitgehend unbeschadet überstehen. Viel mehr als ein Jahr Stagnation wird es nicht geben, denn das nach Bevölkerung und Fläche fünftgrößte Land mit der neuntgrößten Volkswirtschaft der Welt setzt gerade zum Sprung zur globalen Wirtschaftsmacht an. Viele gestehen Brasilien in der neuen Weltordnung allenfalls eine bessere Nebenrolle zu, während China und Indien in Hauptrollen gesehen werden. Doch wer so denkt, unterschätzt Brasilien – und das ist ein Fehler. Gerade für uns Deutsche. Denn mit wenigen Staaten außerhalb Europas haben wir so enge wirtschaftliche, politische, historische und kulturelle Bindungen wie mit Brasilien.

Das Land verfügt über weitere Trümpfe:

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Brasilien besitzt einen großen und wachsenden Binnenmarkt, der sich zunehmend auf den ganzen Kontinent erstreckt.Seine Unternehmen sind breit aufgestellt: Es existiert ein gesunder Mix aus Rohstoffkonzernen, verarbeitender Industrie und Dienstleistern – von Kleinstbetrieben, mittelständischen Unternehmen bis hin zu zwei Dutzend Weltkonzernen.Seine Banken kamen in der Krise nicht ins Schlingern. Auch die Börse ist intakt. Zwei der weltweit größten Börsengänge dieses Jahres fanden in Brasilien statt.

Das frühere Schuldnerland Brasilien ist heute mit 210 Milliarden Dollar Devisenreserven einer der größeren Gläubiger der USA.Seine Agrar- und Rohstoffvorkommen machen das Land zu einem der wichtigen Zulieferer der Weltwirtschaft – der von der anspringenden Weltwirtschaft bereits jetzt mitgezogen wird. Zudem sind Brasiliens Exporte gleichmäßig über alle Weltregionen verteilt.Sein Öl und Gas machen das Land in wenigen Jahren zu einem weltweit bedeutenden Exporteur von Energie, Biokraftstoffen und Erdölprodukten.Und die Brasilianer sind krisenerfahren: Das Land hat in den letzten zehn Jahren zwei massive Wirtschafts- und Finanzkrisen bewältigt, die es weit stärker durchschüttelten als die jetzige Weltwirtschaftskrise.

Brasilien hat politisch an Gewicht gewonnen

Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg hat auch Brasiliens politisches Gewicht zugenommen: zuerst im Welthandel, wo Brasilien als Wortführer des Südens die Doha-Runde stoppte und seitdem mit den Industrieländern als gleichwertiger Partner verhandelt. Aus der G20 ist Brasilien nicht mehr wegzudenken.

In der Klimadiskussion spielt Brasilien eine ambivalente Rolle. Es verfügt wegen seiner Biotreibstoffe und Wasserkraftwerke über eine der nachhaltigsten Energieproduktionen weltweit – gleichzeitig ist es aber wegen der Brandrodungen am Amazonas der weltweit fünftgrößte Klimagasproduzent. Der Regenwald bietet aber auch eine Chance. Gelingt es Brasilien, die Rodungen zu bremsen, kann das Land schnell und effizient mehr gegen die Erwärmung der Erde tun als die meisten Staaten.

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