Weltwirtschaft: Gemischte Signale aus Amerika

Weltwirtschaft: Gemischte Signale aus Amerika

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Case-Shiller-Hauspreisindex

Die Krise in den USA ist noch lange nicht ausgestanden. Der Rückgang der Häuserpreise hat sich im Februar noch einmal beschleunigt.

Die Krise in den USA ist noch lange nicht ausgestanden. Der Rückgang der Häuserpreise hat sich im Februar noch einmal beschleunigt. Der sogenannte Case-Shiller-Index für die 20 wichtigsten Städte brach im Vergleich zum Vorjahr um 12,7 Prozent ein (siehe Grafik). Das ist der stärkste Rückgang seit 2001, als die Daten zum ersten Mal erhoben wurden. Marktteilnehmer erwarten, dass sich der Absturz am Immobilienmarkt bis zur Jahresmitte weiter verschärft.

Da ist es kein Wunder, dass die Konsumenten schlechte Laune kriegen – zumal auch der Rekord-Ölpreis und die Jobverluste am Arbeitsmarkt auf die Stimmung drücken. Der vom Wirtschaftsforschungsinstitut Conference Board erhobene Index für das Verbrauchervertrauen sank im April um weitere 3,6 auf 62,3 Punkte, den niedrigsten Stand seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003. Das von der Universität Michigan erhobene Konsumklima-Barometer ging von 69,5 Zählern im März auf 62,6 Punkte zurück – das ist sogar der niedrigste Stand seit 1982. Die Stimmung der Verbraucher ist damit längst auf Rezessionsniveau angelangt; Experten glauben deshalb nicht, dass vom Konsum in den kommenden Monaten noch nennenswerte Impulse für das Wachstum ausgehen.

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Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet in den USA daher nur mit einer Wachstumsrate von 0,5 Prozent für das Gesamtjahr – und die meisten Experten befürchten, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal schrumpft. Im ersten Quartal hat die US-Wirtschaft dagegen etwas besser abgeschnitten als allgemein erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht an; auf das Jahr hochgerechnet beträgt die Wachstumsrate 0,6 Prozent, wie schon im Schlussquartal des vergangenen Jahres. Die größte Belastung für das Wachstum kam von den Wohnbauinvestitionen, die annualisiert um 26,7 Prozent einbrachen. Die Investitionen in Anlagen und Ausrüstungen gingen um 2,5 Prozent zurück.

Ein Gutes hat die Krise in Amerika aber doch: Langsam verringern sich die Ungleichgewichte in der Weltwirtschaft. So ist das Leistungsbilanzdefizit der USA im Schlussquartal des vergangenen Jahres auf 4,9 Prozent des BIPs zurückgegangen, nach 5,1 Prozent im dritten Quartal und dem Rekordstand von 6,8 Prozent im vierten Quartal 2005. Der Grund: Die anhaltende Wachstumsschwäche verringert den Importhunger der USA, zumal Güter aus dem Ausland durch die Dollar-Schwäche tendenziell teurer werden. Gleichzeitig verbessert der Dollar-Kurs die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der US-Unternehmen im Ausland, was den Export beflügelt. Die Handelsbilanz, die den größten Teil der Leistungsbilanz ausmacht, steckt daher nicht mehr ganz so tief im Minus. Zuletzt galt das zwar nicht, weil im Februar die Importe mit 3,1 Prozent stärker gestiegen sind als die Exporte mit 2,0 Prozent. Experten gehen allerdings davon aus, dass dies nur ein Ausreißer war.

Großbritannien: Abkühlung

Großbritannien: Abkühlung

Großbritannien: Pessimismus nimmt zu

Auch die Briten sehen dem Ende des Aufschwungs entgegen. Im ersten Quartal 2008 wuchs die Wirtschaft nur um 0,4 Prozent – das niedrigste Quartalswachstum seit drei Jahren. Im Schlussquartal 2007 verzeichnete das Nationale Statistikamt noch ein Plus von 0,6 Prozent. Die britische Regierung rechnet mit einer weiteren Verschlechterung und prognostiziert für das Gesamtjahr 2008 ein BIP-Wachstum zwischen 1,75 und 2,25 Prozent. Der Internationale Währungsfonds ist pessimistischer und rechnet lediglich mit 1,6 Prozent.

Die meisten Ökonomen teilen den Pessimismus, denn die Krise auf dem Immobilienmarkt hat ihrer Meinung nach ihre dämpfende Wirkung im ersten Quartal noch gar nicht voll entfaltet. Tatsächlich beschleunigt sich der Rückgang der Häuserpreise rapide: Nach Angaben des Immobilienfinanzierers Nationwide gingen sie im April um 1,1 Prozent zurück, nach 0,7 Prozent im März. Im Vergleich zum Vorjahr steht ein Minus von einem Prozent zu Buche. Die große Frage ist nun, wie sich der Konsum entwickeln wird. Viele Ökonomen rechnen angesichts sinkender Reallöhne und restriktiver Kreditvergabe der Banken mit einer gedämpften Kauflaune der Briten, was das Gesamtwachstum weiter abschmelzen würde. Untermauert wird diese Einschätzung durch das Verbrauchervertrauen, das im April um fünf auf minus 24 Punkten einbrach – der tiefste Stand seit November 1992. Auch der Umsatz im Einzelhandel ging im März um 0,4 Prozent zurück, nach einem Plus von 1,1 Prozent im Vormonat. Die Bank of England versucht zwar gegenzusteuern. Sie senkte im April den Leitzins um 25 Basispunkte auf fünf Prozent. Das aber schürt Inflationsängste. Experten rechnen damit, dass die Inflationsrate in den nächsten zwölf Monaten auf 3,8 Prozent steigen könnte. Im Moment scheint dies aus Sicht der Notenbank das kleinere Übel zu sein.

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