Weltwirtschaft: Redback voraus

Weltwirtschaft: Redback voraus

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Drehscheibe Hongkong

von Matthias Kamp

Die Supermacht China will sich mittelfristig vom Dollar lösen – und forciert die Internationalisierung der eigenen Währung Yuan.

Beim Versuch, die heimische Wirtschaft zu fördern, kommen Politiker manchmal auf die wildesten Ideen. So erscheint es auf den ersten Blick als Zukunftsmusik, was dem britischen Schatzkanzler George Osborne vorschwebt: Um die lahmende Wirtschaft Großbritanniens zu beleben, müsse London in Zukunft neben Hongkong das zweite große Zentrum der Welt für den Handel mit dem chinesischen Yuan werden. Osborne: „Die City muss an vorderster Front der Internationalisierung der chinesischen Währung stehen.“

Doch das Ansinnen der Briten hat einen realen Hintergrund. Chinas Regierung, darauf deutet vieles hin, will ihre Währung mittelfristig zu einem voll konvertierbaren Zahlungsmittel machen. Zuletzt haben die Währungshüter und Finanzpolitiker in Peking die Internationalisierung des Yuan beschleunigt – und damit im Ausland für Aufsehen gesorgt. In Kuala Lumpur etwa beraten die Währungshüter Malaysias in diesen Tagen, was Pekings neue Politik für die Wirtschaft ihres Landes bedeutet. In Berlin, Stuttgart und Düsseldorf werden sich in den nächsten Wochen Unternehmer mit Bankern in Seminaren über die Folgen der neuen Wechselkurspolitik für den Warenverkehr mit China beraten.

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Mehr als drei Jahrzehnte dauert Chinas Boom nun schon an. Das Land ist inzwischen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und die wichtigste Exportnation. Doch eine Währung, die diese gewachsene Bedeutung widerspiegelt, besitzt China bislang nicht.

Das will Peking nun ändern und hat zunächst mit einer Reihe von Schwellenländern sogenannte Swap-Abkommen geschlossen (siehe Grafik). Unternehmen aus Weißrussland, Argentinien oder Malaysia etwa können sich Waren, die sie nach China exportieren, in Yuan bezahlen lassen. Mit der chinesischen Währung können sie wiederum Produkte, die sie aus China beziehen, bezahlen. Darüber hinaus können Unternehmen aus aller Welt ihren Handel mit 20 ausgewählten Städten und Provinzen seit vergangenem Jahr in Yuan abwickeln.

Neuer Offshore-Markt

Zum Zentrum des Handels mit der chinesischen Währung entwickelt sich immer stärker Hongkong. Chinesische Firmen können beispielsweise die Yuan-Bestände, die sie im Exportgeschäft verdienen, bei Banken in der früheren britischen Kolonie deponieren.

Internationale Konzerne und Organisationen dürfen zudem seit Kurzem in Hongkong Yuan-Bonds begeben. McDonald’s und die Asiatische Entwicklungsbank etwa haben diese Möglichkeit bereits genutzt. Auf diese Weise entwickelt sich derzeit eine Art Offshore-Markt für die chinesische Währung. Allein zwischen Mai und Oktober 2010 haben sich die Yuan-Bestände in Hongkong auf umgerechnet 22 Milliarden Dollar glatt verdoppelt.

Doch Peking geht noch einen Schritt weiter. Chinas Regierung hat damit begonnen, den Offshore-Markt für Yuan und den chinesischen Heimatmarkt zusammenzuführen. So darf eine Reihe ausgewählter Banken seit September mit Yuan aus Beständen außerhalb Chinas in Anleihen auf dem chinesischen Festland investieren. Die meisten Experten gehen davon aus, dass Chinas KP-Führer den Handel mit ihrer Währung in den kommenden Monaten weiter öffnen werden. „Wir könnten an der Schwelle zu einer Revolution der Finanzmärkte stehen“, heißt es in einer aktuellen Studie der Hong Kong and Shanghai Banking Corporation (HSBC) mit dem Titel „Der Aufstieg des Redback“. Bereits in drei bis fünf Jahren würde rund die Hälfte des Handels zwischen China und allen Schwellenländern der Welt in Yuan abgewickelt, prognostiziert die HSBC. Derzeit sind es gerade mal drei Prozent.

Vor allem die globalen Finanzturbulenzen haben die Internationalisierung der chinesischen Währung beschleunigt. Denn mit der Krise der US-Wirtschaft und der dadurch ausgelösten Dollar-Schwäche wird es für China immer riskanter, seine Devisenreserven in amerikanische Staatsanleihen zu investieren.

Peking will sich daher Schritt für Schritt aus der Abhängigkeit vom Dollar befreien – der Yuan ist seit 1994 mit einer Bandbreite von 0,5 Prozent an die amerikanische Währung gekoppelt. Doch das ist teuer: Pekings Interventionskosten am Devisenmarkt sind inzwischen höher als die Rendite von chinesischen Investments in amerikanische Staatsanleihen.

Aufwertung möglich

Die Liberalisierung der Kapitalmärkte könne eine Eigendynamik entfalten, glauben die Experten der Commerzbank in einer aktuellen Studie zur Öffnung des chinesischen Wechselkursregimes. Sollte Peking die Liberalisierung vorantreiben, dürfte der Yuan mittelfristig deutlich aufwerten. Damit könnte der seit Langem schwelende Handels- und Währungsstreit zwischen China, den USA und Europa an Schärfe verlieren.

Außerdem würden sich chinesische Exporteure und ausländische Importeure wohl gegen einen starken Yuan absichern wollen. Londons Devisenhändler könnten dann viel – und gut bezahlte – Arbeit bekommen.

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