Weltwirtschaft: USA und China brauchen einander

Weltwirtschaft: USA und China brauchen einander

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Die USA und China sind aufeinander angewiesen

von Matthias Kamp

China benötigt die USA vor allem als Absatzmarkt und Technologielieferanten. Amerikas Konsumenten wären ohne das Reich der Mitte als Devisengeber um einiges ärmer. Spannungsfrei ist das Verhältnis bei weitem nicht.

Wenn Chinas Staatspräsident Hu Jintao heute in Washington den offiziellen Teil seines viertägigen Staatsbesuchs in China beginnt, werden bei vielen Treffen Wirtschaftsvertreter beider Länder dabei sein. Allein der Mischkonzern General Electric unter seinem CEO Jeffrey Immelt will am Rande des Spitzentreffens Projekte für den chinesischen Markt im Umfang von 2,1 Milliarden US-Dollar verkünden. Andere US-Konzerne, heißt es im Vorfeld des Hu-Besuchs, werden ebenfalls Wirtschaftsverträge unterschreiben.

Für die Amerikaner hat der Wachstumsmarkt China in den vergangenen Jahren kontinuierlich an Bedeutung gewonnen. Während im Zuge der Finanzkrise bei vielen US-Unternehmen der Absatz in der Heimat stagnierte oder gar schrumpfte, verzeichneten die Firmen in China kräftige Zuwächse. Autohersteller wie General Motors und Ford freuen sich in China über zweistellige Steigerungsraten beim Pkw-Verkauf, und das schon seit Jahren. Auch für Konzerne wie Boeing und den Sportartikelhersteller Nike ist China einer der wichtigsten Märkte. Bei General Electric etwa wächst das Geschäft in China um jährlich 20 Prozent. Steigerungsraten, die sich in anderen Ländern kaum erzielen lassen.

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Für die meisten amerikanischen Unternehmen in China lohnt sich das Geschäft zudem. Etwa zwei Drittel der Firmen, so eine Umfrage der Amerikanischen Handelskammer in China, erwirtschaften mit ihrem China-Engagement Gewinne. Da wundert es kaum, dass knapp 80 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen in China ausweiten wollen, so die Umfrage. Allein zwischen 2000 und 2009 haben US-Firmen fast 40 Milliarden US-Dollar in China investiert. Investment, auf das China angewiesen ist, denn die Amerikaner sorgen für Hunderttausende Arbeitsplätze. Die braucht China für die Millionen junger Menschen, die nach wie vor jedes Jahr neu auf den Arbeitsmarkt drängen. Gleichzeitig ist China auf die US-Unternehmen als Technologielieferanten angewiesen. Das sorgt wegen der teils aggressiven Methoden, mit denen Chinas Behörden den High-Tech-Transfer erzwingen, bisweilen für Spannungen zwischen beiden Ländern.

USA holen beim Export auf

Beim Export nach China konnten die USA zuletzt etwas Boden gut machen. Seit 2006 sind die Ausfuhren nach China jedes Jahr zwischen 15 und 20 Prozent gestiegen. Eine Ausnahme bildete das Krisenjahr 2009. Im vergangenen Jahr konnte Amerika seinen Export nach China sogar um fast 32 Prozent auf 102 Milliarden US-Dollar steigern. Über den gewaltigen Handelsbilanzüberschuss, den China im Austausch mit den USA erwirtschaftet, kann dies freilich nicht hinwegtäuschen. Waren mit einem Gesamtwert von mehr als 283 Milliarden US-Dollar lieferten chinesische Unternehmen 2010 nach China. Nach der Europäischen Union sind die USA damit der zweitwichtigste Abnehmer für Spielzeug, Textilien oder Elektronikartikel aus China. Um das Defizit im bilateralen Handel zu verringern, drängt die US-Regierung Peking seit Jahren zu einer Aufwertung der chinesischen Währung Yuan.

Die Einnahmen aus dem Export investiert China zu einem großen Teil in den USA. Etwa zwei Drittel seiner Devisenreserven von 2,85 Billionen US-Dollar hat Peking in US-Staatsanleihen angelegt. Geld, ohne das Amerika seine ausufernden Haushaltsdefizite nicht finanzieren könnte. Die amerikanische Verschuldung wiederum sorgt für Druck auf den Wechselkurs des Dollar. Das führt zu Verärgerung in Peking, denn dadurch verlieren die US-Anlagen an Wert. Begänne China allerdings, in größerem Umfang seine  amerikanischen Papiere zu verkaufen, ließe dies den Dollar erst recht abstürzen. Beide Länder haben sich in eine Abhängigkeit manövriert, aus der es so schnell kein Entkommen gibt.

Doch Peking will in Amerika inzwischen mehr als nur Spielzeug und Textilien verkaufen. China will in den USA investieren. Die China Investment Corporation CIC, Chinas Staatsfonds, hat laut Geschäftsbericht bereits 45 Prozent seines im Ausland investierten Geldes in den USA angelegt, dagegen nur 20 Prozent in Europa. CIC hält unter anderem Papiere von Apple, Citigroup, Pfizer und Visa und ist mit knapp 10 Prozent an Morgan Stanley beteiligt.

In dem Maße wie Chinas Konzerne in der Lage sind, höherwertige Produkte und Lösungen anzubieten, wollen sie aber auch direkt im Land investieren, um ihr US-Geschäft auszubauen. Doch dies ist oft nicht einfach, Chinas Behörden legen manchen Konzernen Steine in den Weg. Bei der Erteilung von Lizenzen für Filialen chinesischer Banken bemängeln die US-Behörden nicht selten Qualität und Standard der chinesischen Bankenaufsicht und verweigern auch schon mal die Erlaubnis.

Als vor einiger Zeit das Unternehmen Huawei aus dem südchinesischen Shenzhen, einer der größten Telekomausrüster der Welt, zusammen mit der amerikanischen Beteiligungsgesellschaft Bain Capital den amerikanischen Ausrüster 3com übernehmen wollte, blockierte der US-Kongress, weil Huawei angeblich Verbindungen zum chinesischen Militär unterhält. Anders als in Europa kommt der Konzern in Amerika bisher kaum zum Zuge.

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