Weltwirtschaft: Warum der Ölpreis trotz Flaute steigt

Weltwirtschaft: Warum der Ölpreis trotz Flaute steigt

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Die Länder mit dem größten Erdölverbrauch, Entwicklung des Ölpreises an der Londoner Börse

von Hans Jakob Ginsburg

Der Energiekonzern BP hat in diesem Sommer weitere Rohölvorkommen entdeckt, Saudi-Arabien, größter Ölexporteur der Welt, weitet seine Produktion deutlich aus. Trotzdem wird Öl nicht billiger.

Eigentlich müsste Erdöl billiger werden. Sowohl das Förderkartell Opec als auch die hoch angesehenen Analysten des Energiekonzerns BP haben in diesem Sommer riesige, aber nur schwer erschließbare Rohölvorkommen von 135 Milliarden Barrel in Venezuela als wirtschaftlich verwendbar definiert. Damit steigt der prinzipiell nutzbare Erdölvorrat der Menschheit auf einen Schlag um elf Prozent.

Gleichzeitig hat Saudi-Arabien, nach wie vor größter Ölexporteur der Welt, seine Produktion deutlich ausgeweitet, von einem Monat auf den anderen um fast fünf Prozent. Die Saudis, beobachtet der amerikanische Erdölanalyst Steve Austen, „werfen im Augenblick mehr Öl auf den Markt, um großzügige Sozialprogramme zu finanzieren, mit denen sie ihre Bevölkerung davon abbringen wollen, sich der Unruhewelle in anderen Ländern der Region anzuschließen“.

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Wenig Entspannung

Auf diese Weise hat der große arabische Umbruch überraschenderweise für eine Weile für ein wenig Entspannung bei den Ölpreisen gesorgt. Auch im Bürgerkriegsland Libyen, das voriges Jahr noch mehr als sieben Prozent des deutschen Rohöl-Importbedarfs deckte, zeichnet sich langsam ein Kriegsende und damit die Wiederaufnahme der Öl- und Gasexporte ab. Das sollte in dieselbe Richtung wirken.

Und auf der Nachfrageseite müssten die Konjunkturprobleme der Industrieländer in Sachen Ölpreis eigentlich ihr Gutes haben: Wenn sich ein geringerer Bedarf abzeichnet, werden Rohöl und seine Derivate vom Benzin bis zum Heizöl im Prinzip billiger. Unvergessen ist die zweite Jahreshälfte 2008, als im Zeichen der Weltfinanzkrise der Ölpreis binnen weniger Wochen auf ein Drittel seines Spitzenwertes sank.

Ist es bald wieder so weit? Dafür spräche, dass die Ölvorratsspeicher im mit Abstand wichtigsten Verbraucherland USA derzeit deutlich voller sind als gewöhnlich Mitte August. Entsprechende Mitteilungen des Washingtoner Energieministeriums führen gewöhnlich zu niedrigen Preisen an den weltweit relevanten Märkten New York und London.

In diesem Sommer ist aber von einem wirklichen Preisrückgang nicht viel zu spüren. Die von der dramatischen Entwicklung in den arabischen Ländern verursachten Preisbewegungen der ersten Jahreshälfte – von knapp 93 Dollar in London Anfang Januar über 126 Dollar im April auf 113 Dollar im Juni – sind einem gemächlichen Auf und Ab gewichen.

Es begann Ende Juni, als aus Sicht der Ölverbraucher die Lage in den arabischen Ländern schon wieder entspannt war: Da rief die Industrieländer-Organisation International Energy Agency (IEA) ihre Mitglieder mit einiger Verspätung dazu auf, staatliche Ölreserven auf den Markt zu werfen. Seitdem bewegen sich die Ölpreise fast von Tag zu Tag in die gleiche Richtung wie die Aktienbörsen der großen Industrieländer.

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