Weltwirtschaft: Wie Lateinamerika die Weltwirtschaft stützt - Seite 2

Weltwirtschaft: Wie Lateinamerika die Weltwirtschaft stützt

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Euroland und USA geschlagen
Euroland und USA geschlagen

Auch andere Branchen machen mobil: Der Telefonkonzern Telefónica hat gerade den brasilianischen Mobilfunkanbieter Vivo übernommen und ist jetzt Marktführer. In der Automobilbranche liefern sich Fiat und Volkswagen einen beinharten Wettkampf um die Marktführerschaft – allein Brasilien ist nach Stückzahlen der viertgrößte Automarkt weltweit. Die Bauwirtschaft locken gewaltige Infrastrukturprojekte: In ganz Lateinamerika entstehen neue Häfen, Straßen, Staudämme, Airports und Schnellzugverbindungen.

Auch für den Handel ist Lateinamerika mittlerweile eine der wichtigsten Wachstumsregionen im weltweiten Konzernverbund. Die Konsumenten hier verfügen über mehr Geld als vergleichbare Gruppen in Indien oder China.

Die Investitionen der Handelskonzerne machen doppelt Sinn: Einerseits können die Multis ihre in Lateinamerika gewonnenen Erfahrungen künftig in China und Indien nutzen, wo Konsumentengruppen mit höherem Einkommen erst heranwachsen.

Aus den Krisen gelernt

„Dieser Rollenwechsel Lateinamerikas ist kein Zufall“, sagt Luis Alberto Moreno, gerade im Amt bestätigter Präsident der Interamerikanischen Entwicklungsbank. „Die Region hat sich in den vergangenen 20 Jahren grundlegend gewandelt.“ Es sind nicht nur die Ausfuhren an Rohstoffen wie Kupfer, Eisenerz, Soja und Zucker, die Südamerika Rückenwind verschaffen. Die Regierungen haben aus den Krisen der Vergangenheit gelernt und wichtige Weichenstellungen in der Wirtschafts-, Finanz- und Geldpolitik vorgenommen.

So schuf Brasilien schon vor zehn Jahren mit dem „Gesetz des verantwortungsvollen Haushaltens“ ein komplexes Regelwerk, um zu verhindern, dass Gemeinden, Bundesstaaten oder der Bund über ihre Verhältnisse leben. Das verringert die Gefahr eines Zahlungsausfalls und einer Hyperinflation. Mehrere Schuldnerstaaten wie Brasilien oder Argentinien verpflichteten sich zudem zu einem Primärüberschuss im Haushalt. Der Zwang zum (von Zinskosten bereinigten) Bilanzplus garantiert, dass die Verschuldung langfristig sinkt. Das wiederum beruhigt Investoren und Märkte.

Chile ging noch weiter. Ein ausgeglichenes Staatsbudget ist dort sogar Verfassungsziel. Ein „Konjunkturrat“ legt anhand der jährlichen Ausgaben und langfristigen Einnahmenprognosen für das wichtigste Exportprodukt Kupfer fest, ob das Budget positiv oder negativ ausfallen darf. Vor dem Ausbruch der globalen Krise erwirtschaftete die Regierung einen Haushaltsüberschuss von neun Prozent, auch weil der Kupferpreis hoch lag. Im Krisenjahr 2009 ließ der Rat kurzfristig ein Budgetdefizit von 4,5 Prozent zu, damit sich staatliche Konjunkturprogramme finanzieren ließen. Inzwischen ist das Defizit schon wieder gesunken.

Banken an der Leine

Zudem zahlt Chile die Einnahmen aus den Kupferexporten in Jahren mit hohen Preisen in einen Staatsfonds ein. Beim Ausbruch der Weltwirtschaftskrise verfügte das Land über 20 Milliarden Dollar für wachstumsfördernde Maßnahmen – neun Milliarden davon setzte die Regierung bereits ein, ohne sich zusätzlich verschulden zu müssen. Die Folge: Selbst die Erdbebenkatastrophe vom Jahresanfang wird Chiles Budget nicht langfristig belasten. „Chile wäre in der Lage, monetär und fiskalisch auf einen erneuten Ausbruch der Weltwirtschaftskrise zu reagieren“, staunt Luis Arcentales von der Investmentbank Morgan Stanley.

Auch die Banken Lateinamerikas wurden nach den schweren Finanzkrisen der Neunzigerjahre durch hohe Eigenkapital- und Mindestreservenvorschriften sowie strenge Transparenzregeln für ihre Bilanzen enger an die Leine genommen als die Institute in der EU oder den USA. Die Folge: Keine bedeutende lateinamerikanische Bank kam infolge der Finanzkrise ernsthaft ins Schlingern.

Auch das dürfte ein Grund dafür sein, dass IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn so nett über Lateinamerika spricht.

2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 11.09.2010, 12:04 UhrAnonymer Benutzer: Josef Maier

    Es mag ja so sein, dass es in Südamerika etwas besser geht, die sozialen Spannungen sind aber noch immer gross und die Schere zwischen arm und reich wird auch immer größer. in einigen Jahren kann es in Südamerika auch wieder anders ausschauen.

  • 31.08.2010, 22:52 UhrAnonymer Benutzer: Denk Mal

    Schön dass uns endlich auch die Südamerikaner retten wollen. Da kann man im Nachgang ja seelenruhig behaupten die Kolonialisierung macht sich verspätet gleich nochmal bezahlt.

    Zur Rettung unserer Wirtschaft wäre es aber doch sicherlich sinnvoller noch drastischere Maßnahmen hierzulande durchzuführen. Eine davon wäre die EZb zur bürger und Direktbank zu machen.

    http://qpress.de/2010/08/06/ezb-wird-zur-burger-und-direktbank/

    Dann könnte die Zinsdifferenz, die sich hier die banken einstreichen für den Konsum verwendet werden. Wäre der ultimative bringer für Wachstum.

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