Weltwirtschaft: Wie Lateinamerika die Weltwirtschaft stützt

Weltwirtschaft: Wie Lateinamerika die Weltwirtschaft stützt

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Präsidenten Lula und Garcia

von Alexander Busch

Die einstige Krisenregion Lateinamerika steht wirtschaftlich solider da als Europa und die USA – weil sie aus alten Fehlern gelernt hat. Wirtschaft und politische Verhältnisse erweisen sich als erstaunlich stabil.

So ist ein Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) selten in Lateinamerika aufgetreten: Als Dominique Strauss-Kahn jüngst die Region bereiste, legte er keine Forderungskataloge vor und mahnte auch keine Reformen von der Politik an. Der Franzose trat als Bittsteller auf. Strauss-Kahn warb für Unterstützung beim Umbau des internationalen Finanzsystems und ließ dabei gleich noch den Hut herumgehen.

Mit Erfolg: Brasiliens Präsident Luis Inácio Lula da Silva versprach dem Fonds eine Kapitalspritze über zehn Milliarden Dollar zur finanziellen Absicherung der Krisenländer Europas. Auch der peruanische Präsident Alan García unterstützte den IWF-Generalsekretär bei seiner Mission. Und Strauss-Kahn seufzte: „Ich wäre froh, wenn es anderen Staaten weltweit so gut ginge wie Lateinamerika.“

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Was für ein Rollentausch! 1986 hatte Alan García als Jungpräsident für weltweites Aufsehen gesorgt, weil er den IWF vor die Tür setzte und die Auslandsschulden des Landes nicht mehr bediente. Und der Arbeiterführer Lula verteufelte viele Jahre den Währungsfonds als imperialistischen Dämon.

Hort der Stabilität

Mittlerweile sind die Töne deutlich leiser, denn der ewige Krisenkontinent ist zum Hort der Stabilität in der Weltwirtschaft geworden: Stolze 4,5 bis 5 Prozent dürfte Lateinamerika dieses Jahr wachsen – fast doppelt so viel wie die USA und fast viermal mehr als die EU. Die Defizitquote der lateinamerikanischen Staaten erreicht 2010 rund 2,7 Prozent – in der EU sind es fast sieben Prozent, in den USA über neun Prozent. Viele größere südamerikanische Länder würden die Maastricht-Kriterien für eine Aufnahme in die Euro-Zone problemlos erfüllen.

Auch die Gesamtschulden in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegen deutlich niedriger. Dank hoher Devisenreserven und niedriger -Auslandsschulden sind Chile, Brasilien und Mexiko heute netto Dollar-Gläubiger. Selbst politisch chaotisch geführte Staaten wie Argentinien stehen derzeit bei fast allen Makrodaten – außer der Inflation – ordentlich da. Und während die Ratingagenturen in Europa die Risiken erhöhen, verbessern sie diese in Lateinamerika: Moody’s hat gerade Chiles Investmentgrade auf Aa3 verbessert. Fitch könnte Brasilien bald auf BBB setzen. Keine andere Region weltweit hat 2010 so viele Upgrades von Moody’s bekommen wie Lateinamerika.

Aufstieg in die Mittelschicht

Auch politisch ist die Region inzwischen erstaunlich stabil: Die meisten Machthaber halten sich an die demokratischen Spielregeln. Nach dem Linksruck vor wenigen Jahren, etwa in Venezuela, Bolivien und Ecuador, kommen zudem wieder überzeugte Marktwirtschaftler an die Schaltstellen der Politik. In Chile übernahm der Unternehmer Sebastián Piñera das Amt. In Uruguay ist seit einem halben Jahr der ehemalige Guerilla-Kämpfer José „Pepe“ Mujica Präsident, der die unternehmerfreundliche Politik seines Vorgängers fortsetzt. In Kolumbien wählten die Bürger mit Juan Manuel Santos einen Minister der Vorgängerregierung, die nicht nur die Narco-Guerilla zurückgedrängt, sondern Kolumbien auch wieder stärker in die Weltwirtschaft integriert hat.

Auch in Brasilien stehen im Oktober zwei Nachfolger für Lula zur Wahl, die an dessen erfolgreicher Wirtschaftspolitik wenig ändern wollen. Warum auch? Sie ist politisch gut zu verkaufen: Unter Lula gelang 32 Millionen Brasilianern der soziale Aufstieg in die Mittelschicht. Die Armutsrate unter den 195 Millionen Brasilianern hat sich in Lulas acht Jahren Amtszeit halbiert. Die Wirtschaft hat über 13 Millionen neue Jobs geschaffen.

Die politische Kontinuität und wirtschaftliche Stärke lockt nun Scharen von Politikern aus Europa und den USA an – sie wollen Türen öffnen für ihre Unternehmen. Vor allem europäische Konzerne entdecken Lateinamerika neu: Die spanische Großbank Santander etwa schätzt, dass sie im nächsten Jahr knapp die Hälfte ihres Gewinns in Lateinamerika erwirtschaftet. Ihre Ende 2009 an die Börse gebrachte brasilianische Tochter ist derzeit mehr wert als die Deutsche Bank.

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