
Zum 42. Mal versammeln sich vom 25. bis 29. Januar auf dem World Economic Forum (WEF) in Davos die Mächtigen, um „den Zustand der Welt zu verbessern“ und dieses Mal wird es ein Wirtschaftsgipfel der Superlative: Nicht weniger als 40 Staats- und Regierungschefs haben sich angesagt, Kanzlerin Merkel hält am Mittwoch die Eröffnungsrede. UN-Generalsekretär Ban Ki-moon ist ebenso angekündigt wie Christine Lagarde, die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), oder Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank.
Na gut. Diese Einschätzung stimmt eigentlich jedes Jahr – das WEF ist eben ein Treffen der Wichtigen. Lange Jahre war es geprägt von Bankern, den „Masters of the Universe“. Das hat sich logischerweise geändert, in den vergangenen Jahren war für Banker auch in Davos eher die Anklagebank reserviert.
In den Vordergrund drängten dafür wieder die Vertreter der Realwirtschaft. Und Davos ist immer auch eine Schau der globalen Präsenz. Vor einigen Jahren war es der Laufsteg für das Selbstbewusstsein des neuen Chinas - noch 2011 aber waren alle verfügbaren Freiflächen von Indien gemietet, um das Land und seine Wirtschaft globale zu präsentieren. Die USA haben ihre Präsenz stark verringert, eine Referenz an die eher selbstbezügliche Politik Barack Obamas, unter dem Europa ohnehin weniger wichtig genommen wird.
Und so ist Davos auch immer ein Barometer des globalen Power Plays – kein Zufall, dass die Eröffnungsrede von Angela Merkel gehalten wird. Sie ist zwar auch schon früher aufgetreten, aber manchmal eher am Rande, berühmt ist ihre Pressekonferenz in der Aufwärmhalle einer Sauna. Im überfüllten Davos ist der verfügbare Raum streng limitiert. Denn der Auflauf ist gewaltig.
Quelle: dpaDeutschland gilt als die Messlatte für ganz Europa. Das Risiko für andere Länder und Unternehmen wird oft in Relation zu Deutschland angegeben. S&P hat den Ausblick für Deutschland sogar von "negativ" auf "stabil" hochgestuft. Dennoch taucht an den Märkten immer wieder die Sorge auf, dass Deutschland in eine finanzielle Schieflage geraten könnte, wenn es statt Bürgschaften tatsächliche Hilfszahlungen an schwächere Euro-Länder leisten müsste.
Quelle: ReutersSeinen Ausblick für Großbritannien hat S&P bereits im Mai 2009 auf "negativ" gesetzt. Noch hat das Top-Rating Bestand. Allerdings macht Großbritannien wenig Fortschritte: Das Wirtschaftswachstum bleibt schwach, zuletzt nahm die Regierung ihre Wachstumsprognose zurück.
Quelle: gmsMit einem Auge schauen die Kanadier immer auf den großen Bruder USA. Die Ratingherabstufung ist auch für die kanadische Wirtschaft nicht förderlich. Etwas Schutz bietet die starke Abhängigkeit der Wirtschaft vom boomenden Rohstoffsektor. Mit den hohen Rohstoffpreisen könnte es aber auch schnell vorbei sein, wenn die USA und mit ihr die Weltwirtschaft zu schwächeln beginnen. Doch das ist bislang alles Spekulation. Noch steht das Spitzenrating Kanadas nicht auf dem Prüfstand.
- Quelle: dpa
Diskussionen über das Rating sind den Schweizern völlig fremd. Das Land genießt unverändert seinen Ruf als Hort der Stabilität. Auch Schweizer Anleihen sind bei Investoren noch beliebter als deutsche Bundesanleihen.
Quelle: gmsAuch an den Niederlanden ist die Finanzkrise nicht spurlos vorübergegangen. Zwar kann sich das Land am Anleihemarkt noch relativ günstig finanzieren. Doch S&P hat den Ausblick für das Land ebenfalls auf "negativ" gesetzt und damit ist die Topnote in Gefahr.
Quelle: APSchweden hat die Wirtschaftskrise längst überwunden und wächst inzwischen wieder schneller als vor der Krise. Die Skandinavier profitierten von ihrer Exportstärke - und von der Landeswährung Krone, die in der Krise deutlich abwertete. Das hätte sich manch ein Euroland sicherlich auch gewünscht. Gleiches gilt für das Rating: Die Top-Note "AAA" für Schweden steht nicht zur Debatte.
Quelle: gmsDank seiner Öl- und Gasreserven ist Norwegen eines der reichsten Länder der Erde. Seine Kreditwürdigkeit wird derzeit von niemandem in Frage gestellt. Obwohl Norwegen von der globalen Rezession infolge der Finanzkrise kaum getroffen wurde, legte die Regierung ein großzügiges Konjunkturprogramm auf. Wegen der hohen Einnahmen aus der Rohstoffförderung erzielte die Regierung dennoch einen Haushaltsüberschuss von zehn Prozent.
Quelle: dpaDie Finnen geben gern die harten Europäer und wettern gegen die hochverschuldeten Nachbarn im Süden. Bereits im Februar 2010 forderten sie Strafen gegen die Länder, die den Stabilitätspakt nicht einhalten, Hilfsmaßnahmen lehnten sie damals noch ab. Finnland machte vor, wie das geht. Das Land erlebte 2009 selbst die stärkste Rezession der gesamten Euro-Zone und steuerte mit einem harten Sparprogramm dagegen. Doch jetzt hat S&P auch den Ausblick für Finnland auf "negativ" gesetzt.
Quelle: ReutersDänemark hat seine Pläne, dem Euro beizutreten vorerst wieder auf Eis gelegt, nachdem es die Maastrichtkriterien 2009 nicht erfüllt hat. Wegen eines Konjunkturprogramms, das die Folgen der Finanzkrise abmildern sollte, war die Neuverschuldung auf über drei Prozent gestiegen. Die Schuldenquote von gut 40 Prozent fällt im europäischen Vergleich allerdings relativ gering aus, loben die Ratingagenturen. Lediglich die alternde Bevölkerung könnte dazu führen, dass die ohnehin schon hohen Sozialausgaben langfristig zu einer Belastung des Haltshalts führen. Das "AAA"-Rating wackelt deswegen aber noch lange nicht.
Quelle: dpaIm kleinen Herzogtum Luxemburg sitzen wohl so viele Euro-Befürworter wie in kaum einem anderen Land auf dem Kontinent. Auch in der Debatte um einen europäischen Rettungsschirm gehörte es zu den stärksten Verfechtern für ein umfangreiches Auffangnetz für europäische Schuldner. In der Diskussion um gemeinsame Anleihen preschten Politiker des Landes auch wiederholt vor. Dabei hat Luxemburg selbst keinerlei Probleme, sich am Markt zu finanzieren. S&P urteilt weiterhin mit einem "AAA"-Rating, allerdings gehört Luxemburg zu den 15 europäischen Staaten, deren Ausblick die Rating-Agentur kürzlich auf 'negativ' gesenkt hat.
Deutschland gilt als die Messlatte für ganz Europa. Das Risiko für andere Länder und Unternehmen wird oft in Relation zu Deutschland angegeben. S&P hat den Ausblick für Deutschland sogar von "negativ" auf "stabil" hochgestuft. Dennoch taucht an den Märkten immer wieder die Sorge auf, dass Deutschland in eine finanzielle Schieflage geraten könnte, wenn es statt Bürgschaften tatsächliche Hilfszahlungen an schwächere Euro-Länder leisten müsste.
Vier konkrete Herausforderungen
In knapp 300 offiziellen und unzähligen inoffiziellen Veranstaltungen werden mehr als 2600 Meinungsbildner aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft Themen diskutieren, die unter dem Forums-Motto „Der große Wandel: Entwürfe für neue Modelle“ zusammengefasst sind. Konkret geht es dabei um die vier Herausforderungen „Wachstum und Beschäftigung“, „Führung und Innovation“, „Nachhaltigkeit und Ressourcen“, “Soziales und Technologie“. Ein wichtiges Diskussionsthema wird auch der Umgang mit Risiken sein, mit dem sich der im Vorfeld von Davos erstellte „Global Risk Report 2012“ ganz besonders beschäftigt.













