Weltwirtschaftsforum: Merkel-Kritik folgt glasklarer Interessen-Politik

KommentarWeltwirtschaftsforum: Merkel-Kritik folgt glasklarer Interessen-Politik

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Angela Merkel während des Eröffnungsplenums des Weltwirtschaftsforums in Davos.

von Roland Tichy

Den Deutschen wird in Davos die Verantwortung für das europäische Schuldendesaster zugeschoben. So fordert der Superspekulant George Soros, was Spekulanten immer so fordern: mehr deutsches Geld.

Unmittelbar vor ihrer Rede zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums in Davos diskutierte Angela Merkel mit Top-Managern über ihren Kurs in der Euro-Krise. Versammelt waren 100 Mitglieder des Advisory-Boards; davon stammen rund je ein Drittel von europäischen oder amerikanischen Unternehmen, ein weiteres Drittel aus Asien und Südamerika. In einer Art Probeabstimmung sagten 64 der Beteiligten, dass der Euro und die Schwäche der europäischen Politik das größte Risiko für die Weltwirtschaft in diesem Jahr darstellten.

Doch dann kam Merkel, und erklärte ihren Kurs, der ja im Wesentlichen neben milliardenschweren Stützungen der angeschlagenen Südländer, immer neue Rettungsschirme und Budgethilfen auch in Reformen und Begrenzungen der galoppierenden Staatsverschuldung besteht. Und siehe da - gegen Ende ihres sehr ruhigen, faktenbasierten Vortrags hob kaum einer mehr die Hand, um so dem Euro den drohenden Untergang zu prophezeien.

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Der Triumph vor den Managern kontrastiert mit der Kritik, die sie unmittelbar danach für ihre Rede einstecken musste. Eine stockende und holprige Übersetzung für die meist englischsprachigen Teilnehmer, Merkels nüchterne Art die eher für das Kammerspiel, aber nicht für den großen Saal taugt haben sicherlich dazu beigetragen.

Ein Euphemismus für Interessenpolitik

Aber es war auch ein sorgfältig inszeniertes Sperrfeuer, das vor und nach ihrer Rede auf sie herunterging: Da forderte der Superspekulant George Soros was Spekulanten immer so fordern: Mehr deutsches Geld, damit sie auch noch die letzten Restbestände ihrer angegammelten Staatsanleihen aus Griechenland oder Portugal mit Riesengewinnen loswerden können; noch mehr Garantien von der Europäischen Zentralbank oder vom Bundesfinanzminister, damit möglichst die Kurse dieser Staatspapiere wieder steigen und die enormen Profite derjenigen sichert, die sich billig damit eingedeckt haben und jetzt auf steigende Kurse fiebern.

George Soros genießt in Davos hohe Aufmerksamkeit. Als früherer Spekulant (Quantum-Fonds) scheint er vielen Journalisten eine glaubwürdige Quelle zu sein, die endlich die geheimnisvollen Mechanismen der Finanzmärkte offenbar. Und er tarnt sich geschickt, denn er tritt in Davos nicht als Geldmacher auf, sondern als edler Spender, der sich so angeblich selbstlos um die Transformation der osteuropäischen Länder bemüht. Die Doppelrolle von Milliardär und Gutmensch, wirtschaftlicher Erfolg verpackt in Gutmenschentum, diese würzige Mischung soll Davos auszeichnen.

Weitere Artikel über Davos:

Neben Soros war es Martin Wolff, der bekannte Kolumnist aus der Financial Times und eine der lautesten Stimmungskanonen auf den Podien in Davos, der Merkel und die geizigen Deutschen für den Untergang Europas verantwortlich machen. So wird den Deutschen die Verantwortung für das europäische Schuldendesaster zugeschoben. Davos ist längst auch ein Ort, in dem Politik und Lobbyismus gezielt eingesetzt werden; das Motto „Committed to improve the state of the World“ ist längst eine Beschönigung glasklarer Interessenspolitik.

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