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Weltwirtschaftsforum: Merkel-Kritik folgt glasklarer Interessen-Politik

von Roland Tichy

Den Deutschen wird in Davos die Verantwortung für das europäische Schuldendesaster zugeschoben. So fordert der Superspekulant George Soros, was Spekulanten immer so fordern: mehr deutsches Geld.

Angela Merkel - Davos 2012 Quelle: dpa
Angela Merkel während des Eröffnungsplenums des Weltwirtschaftsforums in Davos. Quelle: dpa

Unmittelbar vor ihrer Rede zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums in Davos diskutierte Angela Merkel mit Top-Managern über ihren Kurs in der Euro-Krise. Versammelt waren 100 Mitglieder des Advisory-Boards; davon stammen rund je ein Drittel von europäischen oder amerikanischen Unternehmen, ein weiteres Drittel aus Asien und Südamerika. In einer Art Probeabstimmung sagten 64 der Beteiligten, dass der Euro und die Schwäche der europäischen Politik das größte Risiko für die Weltwirtschaft in diesem Jahr darstellten.

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Doch dann kam Merkel, und erklärte ihren Kurs, der ja im Wesentlichen neben milliardenschweren Stützungen der angeschlagenen Südländer, immer neue Rettungsschirme und Budgethilfen auch in Reformen und Begrenzungen der galoppierenden Staatsverschuldung besteht. Und siehe da - gegen Ende ihres sehr ruhigen, faktenbasierten Vortrags hob kaum einer mehr die Hand, um so dem Euro den drohenden Untergang zu prophezeien.

Das Weltwirtschaftsforum in Davos bestimmt traditionell eine gewichtige Rednerliste. Ein beherrschendes Thema wird die Krise der Eurozone und der Weltwirtschaft sein. Deutschland spielt dabei eine wichtige Rolle, gespannt werden die Worte von Bundeskanzlerin Angela Merkel erwartet. Sie hält die Eröffnungsrede des Gipfeltreffens, eine ehrenvolle Aufgabe. Allerdings ist ihre Krisenpolitik umstritten ...

Quelle: dapd

Der Triumph vor den Managern kontrastiert mit der Kritik, die sie unmittelbar danach für ihre Rede einstecken musste. Eine stockende und holprige Übersetzung für die meist englischsprachigen Teilnehmer, Merkels nüchterne Art die eher für das Kammerspiel, aber nicht für den großen Saal taugt haben sicherlich dazu beigetragen.

Ein Euphemismus für Interessenpolitik

Aber es war auch ein sorgfältig inszeniertes Sperrfeuer, das vor und nach ihrer Rede auf sie herunterging: Da forderte der Superspekulant George Soros was Spekulanten immer so fordern: Mehr deutsches Geld, damit sie auch noch die letzten Restbestände ihrer angegammelten Staatsanleihen aus Griechenland oder Portugal mit Riesengewinnen loswerden können; noch mehr Garantien von der Europäischen Zentralbank oder vom Bundesfinanzminister, damit möglichst die Kurse dieser Staatspapiere wieder steigen und die enormen Profite derjenigen sichert, die sich billig damit eingedeckt haben und jetzt auf steigende Kurse fiebern.

George Soros genießt in Davos hohe Aufmerksamkeit. Als früherer Spekulant (Quantum-Fonds) scheint er vielen Journalisten eine glaubwürdige Quelle zu sein, die endlich die geheimnisvollen Mechanismen der Finanzmärkte offenbar. Und er tarnt sich geschickt, denn er tritt in Davos nicht als Geldmacher auf, sondern als edler Spender, der sich so angeblich selbstlos um die Transformation der osteuropäischen Länder bemüht. Die Doppelrolle von Milliardär und Gutmensch, wirtschaftlicher Erfolg verpackt in Gutmenschentum, diese würzige Mischung soll Davos auszeichnen.

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Neben Soros war es Martin Wolff, der bekannte Kolumnist aus der Financial Times und eine der lautesten Stimmungskanonen auf den Podien in Davos, der Merkel und die geizigen Deutschen für den Untergang Europas verantwortlich machen. So wird den Deutschen die Verantwortung für das europäische Schuldendesaster zugeschoben. Davos ist längst auch ein Ort, in dem Politik und Lobbyismus gezielt eingesetzt werden; das Motto „Committed to improve the state of the World“ ist längst eine Beschönigung glasklarer Interessenspolitik.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.01.2012, 15:26 UhrAnonymer Benutzer: mathias

    @klein erna
    Haben Sie den Beitrag gelesen ??
    Bevor Sie hier anderen Unsachlichkeit vorwerfen !

    Zwei Drittel der Anwesenden haben dem Zerfall von EU und Euro zugestimmt
    befor Frau Merkel ( Ihr Götzbild ) weitere D-Steuergelder versprach

    Die Presse ist auch nur ein "Fähnchen" im Wind, wie man bei FAZ
    "Hosenanzüge" als vorzeigetauglich preist.

    GESTERN sagten ALLE Hilfen sind " ALTERNATIVLOS "
    Nur weil hier genug Stimmen mit Sachverstand deren Lügen nicht glauben
    wollen Sie jetzt den Anschein erwecken- D-Interessen zu vertreten
    zu wollen.
    Was wieder eine weitere LÜGE ist.

    Wer "Gläubig" ist sollte in die Kirche gehen !!!!

  • 27.01.2012, 13:55 UhrAnonymer Benutzer: Frank

    @puk: Es hat keinen Sinn, mit "puk" im Forum zu diskutieren. Das ist ein Troll, der auch andere Foren (Handelsblatt) mit seinem Unsinn verstopft. Wenden wir uns den wichtigen Dingen zu...

  • 27.01.2012, 13:44 UhrAnonymer Benutzer: Carla

    Ich habe kein Vertrauen in Frau Merkels Aussagen - zu oft hat sie ihre nicht mal klar erkennbare Haltung gewendet .
    Heute noch steht so geschrieben - und morgen schon handelt die deutsche Kanzlerin anders.
    Es dauerte nur immer etwas länger, bis Frau Merkel dann doch einlenkend zustimmte, danach dann die Sache als alternativlos darstellte, so bisher.

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