Weltwirtschaftsgipfel 2008: Günstling des Glücks

Weltwirtschaftsgipfel 2008: Günstling des Glücks

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Zum Weltwirtschaftsforum in Davos machen die Globalisierungsgegner wieder mobil.

Zum Weltwirtschaftsforum in Davos machen die Globalisierungsgegner wieder mobil. Dabei zeigte David Ricardo schon vor über 200 Jahren, dass Freihandel den Wohlstand erhöht.

Das Programm steht: Am 26. Januar, um 13 Uhr, lädt Attac in Zürich zur satirischen Kreuzfahrt an Bord des Luxusliners „MS Neoliberalismus“ ein. Während sich im 150 Kilometer entfernten Davos die globale Führungselite zum Weltwirtschaftsforum trifft, trommelt der Club der Globalisierungskritiker zur Gegenveranstaltung „Das andere Davos“.

Die Sympathien großer Teile der Bevölkerung dürften ihnen sicher sein. Spätestens seit Schwellenländer wie China und Indien wirtschaftlich nach vorne stürmen, sehen viele Menschen im Westen im freien Handel eine Bedrohung für ihre Arbeitsplätze und ihren Wohlstand.

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In der emotional aufgeladenen Debatte haben es Ökonomen schwer, sich mit ihren Argumenten für freien Handel Gehör zu verschaffen. Das ist heute nicht anders als vor 200 Jahren, als David Ricardo gegen den Zeitgeist anschrieb und protektionistische Maßnahmen seines Heimatlandes England geißelte.

Ricardo wird 1772 als Sohn eines reichen Börsenmaklers in London geboren. Er ist ein ökonomischer Frühstarter: Im Alter von 14 Jahren tritt er in die Firma seines Vaters ein, wo er wegen seiner überdurchschnittlichen Fähigkeiten im Rechnen auffällt. Mit 21 Jahren brennt er mit seiner Quäkerin durch, heiratet sie und wird von seinem streng gläubigen orthodox-jüdischen Vater enterbt. Ricardo, auf sich allein gestellt, nimmt bei Bekannten einen Kredit auf, macht sich als Börsenmakler selbstständig – und spekuliert ein riesiges Vermögen zusammen. Schon mit 25 Jahren hat der „Günstling des Glücks“ (Ricardo über sich selbst) so viel Geld zusammen, dass er sorglos leben kann. Ricardo, der nie eine Universität besuchte, findet nun Zeit und Muße für ökonomische Studien.

Dabei fällt ihm auf, dass es zwischen England und Portugal ein Abkommen über den zollfreien Austausch von britischem Tuch und portugiesischen Wein gibt, das auf den ersten Blick wenig sinnvoll ist. Denn Portugal kann beide Produkte kostengünstiger herstellen als England. So benötigt Portugal für die Erzeugung des Weins, den es nach England liefert, 80 Arbeiter im Jahr. In England wären für die Herstellung derselben Menge Wein 120 Arbeiter nötig. Auch beim Tuch haben die Portugiesen einen Kostenvorteil. Denn sie benötigen für dessen Herstellung nur 90 Arbeiter im Jahr, in England sind es 100 Arbeiter. Trotzdem lohnt es sich für Portugal aber, das Tuch nicht selbst zu produzieren, sondern gegen Weinlieferungen aus England zu importieren. Denn beim Tausch von Wein gegen Tuch müssen die Portugiesen nur 80 Arbeiter einsetzen, 10 weniger, als wenn sie das Tuch selbst hergestellt hätten.

Auch für die Engländer lohnt sich der Handel, weil sie für die Herstellung von Tuch, das sie gegen Wein tauschen, nur 100 Arbeiter einsetzen müssen, 20 weniger, als wenn sie den Wein selbst produziert hätten. Beide Länder sparen durch den Handel also insgesamt die Kosten von 30 Arbeitern pro Jahr ein. Für Ricardo steht damit fest: Wenn sich jedes Land auf die Produktion des Gutes spezialisiert, das es relativ zu anderen Gütern billiger produzieren kann – wenn es also seine „komparativen Kostenvorteile“ nutzt –, dann steigt der Wohlstand aller beteiligten Länder. Diese Erkenntnis ist heute eine der zentralen Leitsätze der Volkswirtschaftslehre.

Ricardo bediente sich in seinen Texten einer sehr abstrakten Sprache – und befürchtete, dass sein Hauptwerk „On the Principles of Political Economy and Taxation“ allenfalls 25 Menschen verstanden hätten. Tatsächlich macht Ricardos formal-mathematischer Sprachstil die Lektüre nicht einfach. „Zu schwer für die unteren Semester“, befand der US-Nobelpreisträger Paul Samuelson.

Übertragen auf die heutige Debatte hätte Ricardo wenig Verständnis für die Ängste des Westens vor dem Aufstieg Chinas und Indiens. Die Löhne dort liegen zwar deutlich unter denen im Westen. Doch auch in China und Indien sind die Ressourcen begrenzt. Beide Länder müssen sich auf die Güter konzentrieren, bei denen sie komparative Kostenvorteile haben.

Der Einwand mancher Ökonomen überzeugt nicht, dass das Kapital immer mobiler sei, die Betriebe daher lieber ihre Produktion in asiatische Billiglohnländer verlagerten, statt sich daheim gemäß komparativer Kostenvorteile zu spezialisieren. Häufig sprechen hohe Transportkosten sowie politische, wirtschaftliche und juristische Risiken dagegen, den Betrieb ins Ausland zu verlagern. Anders als Attac hätte Ricardo den Aufstieg Asiens als Chance gesehen.

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