
Was erwarten die Teilnehmer in diesem Jahr von Davos? Stephen Roach, renommierter Ökonom und Chairman der Investmentbank Morgan Stanley Asia, wünscht sich ein kollektives Schuldbekenntnis. „Politiker, Notenbanker, Konzernlenker waren alle Teil einer Ära des Exzesses.“ Er glaubt, die Krise könne nur bewältigt werden, wenn die Ursachen ehrlich erforscht werden. Eingeständnisse wünscht sich Roach vor allem von den Notenbankern und Aufsichtsbehörden. Aber dass die ausgerechnet in Davos ihre Fehler bekennen, ist unwahrscheinlich, schon gar nicht in öffentlich zugänglichen Sitzungen. Da dürften viele zu Zweckoptimismus und zu gestanzten Formeln greifen, so wie Siemens-Chef Peter Löscher, der in seiner Grußbotschaft für das WEF betont: „Ich bin optimistisch, dass wir die Finanzkrise relativ schnell bewältigen“, um anschließend mehr statt weniger Globalisierung zu fordern.
Was kann ein informelles Treffen wie das WEF überhaupt leisten? „Davos ist keine Veranstaltung, bei der Entscheidungen getroffen werden“, warnt WEF-Gründer Schwab vor zu hohen Erwartungen, „hier können Meinungen gebildet werden.“ Das mag banal klingen, ist aber in einer Krise durchaus bedeutend, bei deren Bewältigung es immer noch an weltweiter Abstimmung mangelt. So hat Pascal Lamy, Generaldirektor der Welthandelsorganisation WTO, Davos in den vergangenen Jahren immer wieder dazu genutzt, um bei informellen Gesprächen am Rande des offiziellen Programms die Stimmung in den Mitgliedsländern zu sondieren oder um zerstrittene Handelspartner wie Amerikaner, Brasilianer und Inder miteinander ins Gespräch zu bringen. Das hat zwar nicht dazu geführt, dass die aktuelle Welthandelsrunde abgeschlossen werden konnte, aber immerhin ist eine gewisse Dynamik in den Liberalisierungsversuchen geblieben.
Attac organisiert Gegenveranstaltung
Wie in jedem Jahr mobilisieren auch diesmal die Globalisierungskritiker gegen das WEF. Attac organisiert unter dem Titel „Das andere Davos“ eine Gegenveranstaltung, auf der ebenfalls die Ursachen der Finanzkrise erörtert werden sollen. Kritisch merken die Organisatoren an, dass ausgerechnet Finanzdienstleister wie Morgan Stanley, Credit Suisse und UBS, die in den vergangenen Monaten für Negativ-Schlagzeilen gesorgt haben, zu den strategischen Partnern des WEF gehören, das die Welt verbessern will.
WEF-Gründer Schwab ficht das nicht an. Er hofft, dass die Wichtigen der Welt Davos in diesem Jahr nutzen werden, um sich miteinander auszutauschen, wie in einem globalen Brainstorming. „Wenn wir ein Maximum an Interaktion erreichen und sicherstellen, dass alle verstehen, was auf dem Spiel steht“, sagt Schwab, „dann haben wir unser Ziel erreicht.“














- als Spam melden
- antworten
Alle Kommentare lesen27.01.2009, 17:54 UhrAnonymer Benutzer: SJ
Es ist doch eigentlich wirklich fast unglaublich, dass sich nun wieder genau die ewig "Gleichen" und vorallem "Gestrigen" aus der Wirtschaft (als Hauptverantwortliche für die gegenwärtige Krise) zusammensetzen und berufen fühlen, um angeblich "geläutert" Wege aus der Krise zu weisen. Ganz schön selbszbewusst. bescheidenheit, Maß und Anstand sehen anders aus.