Westerwelles Südamerika-Reise: Eine Reise, zwei Wahrheiten

Westerwelles Südamerika-Reise: Eine Reise, zwei Wahrheiten

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Am Rande seines Besuchs in Brasilien hat sich Bundesaußenminister Guido Westerwelle am Donnerstag gegen Vorwürfe zur Wehr gesetzt, er vermische bei seinen Auslandsreisen private und dienstliche Interessen.

von Henning Krumrey

Der Hauptgang des festlichen Mittagessens in der Außenhandelskammer von São Paulo war an den meisten Tischen noch gar nicht serviert, da drängten die Gäste aus Deutschland schon nach draußen. Nach der Grundsatzrede von Außenminister Guido Westerwelle griffen die Mitglieder seiner Wirtschaftsdelegation zur Notwehr. In einer improvisierten Pressekonferenz vor dem großen Saal wollten sie ihre Sicht auf die Südamerika-Reise schildern.

In der Tat scheint es zwei Reisen parallel zu geben. Die vor Ort in Argentinien, Uruguay und Brasilien, bei der sich die Gastgeber auf dem Subkontinent über den hohen Besuch freuen und mit ihm und seinem Tross politische und Handelsgespräche führen. Und jene, die in Deutschland als Spesentrip mit zahlreichen Gästen aus Westerwelles Umfeld wahrgenommen wird. Angeheizt wurde die Debatte noch durch jüngste Veröffentlichungen, wonach bei der Asienreise Westerwelles im Januar auch der Geschäftsführer einer Firma teilnahm, an der ein Bruder des Außenministers beteiligt war oder ist.

Die Debatte geht den Unternehmensvertretern zunehmend gegen den Strich. Zum einen möchten sie nicht als Amigo-Truppe abgestempelt werden, zum anderen sehen sie die Chance vertan, mit der Reise die Bedeutung der besuchten Länder für die deutsche Wirtschaft herauszustellen. Der brasilianische Präsident Lula da Silva hatte beim vergangenen deutsch-brasilianischen Gipfeltreffen die Investitionschancen in seinem Land angepriesen und dann demonstrativ gefragt hatte: „Und wo bleiben die Deutschen?“ „Dieser Satz hat uns weiter aufgerüttelt“, erklärt Stefan Zoller. Der Vorstand von EADS ist gleichzeitig Vorsitzender des Brasilien Board im BDI.

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Unternehmers versprechen Revolutionäres

Mitglieder der Quelle: dpa

Mitglieder der Westerwelle-Delegation: Ulrich Gräber (AREVA NP, v.l.), Hubert Nienhoff (gmp-von Gerkan, Mark und Partner), Bodo Liesenfeld (Lateinamerika Verein/Liesenfeld International), ein Dolmetscher, Ralph Dommermuth (United Interned) und Stephan Reimelt (Ferrostahl)

Bild: dpa

Nun steht er mit seinen Kollegen vor den versammelten Journalisten und preist den Verlauf des einwöchigen Westerwelle-Trips. „Wir hatten Gelegenheit, mit Ministern zu sprechen, viele Unternehmer zu treffen“, lobt Zoller. „Wir sind deshalb sehr dankbar für das Engagement und die Unterstützung durch Herrn Dr. Westerwelle.“ Da Brasilien von vielen Ländern umworben wird, seien hierzulande Erfolge nur mit politischer Unterstützung möglich. „Es war für uns wichtig, eine persönliche Einschätzung der wirtschaftlichen Entwiclung und der Nachhaltigkeit zu bekommen“, ergänzt Ferrostaal-Vorstand Stephan Reimelt. Sein Haus will nun bei Biokraftstoffen investieren.

Ralph Dommermuth, Vorstandschef der United Internet, kündigt gar Revolutionäres an. Zu Beginn der Reise hatte er noch erzählt, er wolle sich umschauen, ob und wie sein Unternehmen sich in Südamerika engagieren könne. Nun verspricht er: „Wir werden schon in diesem Jahr in Argentinien starten und im Sommer beginnen, portugiesisch-sprachige Anwendungen zu entwickeln, damit wir nächstes Jahr in Brasilien starten können.“

Die Unternehmerdelegation hatte sich am Morgen spontan entschlossen, den mitgereisten Journalisten ihre Bilanz zu präsentieren. Eilig erstellten sie sogar eine Pressemitteilung, die in São Paulo verteilt und später vom Südamerika-Verein an die Redaktionen versandt wurde. Dessen Vorsitzender Bodo Liesenfeld schimpfte gar vor den Medien, er könne die bisherige Berichterstattung über die Reise gar nicht verstehen. Die Bilanz der Unternehmen zeige, dass die Fahrt ein großer Erfolg sei.

Ein Teil der Aufklärung ist damit geleistet. Aber vielleicht gibt es ja nicht nur zwei Reisen, sondern auch zwei Wahrheiten.

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