Whistleblower auf der Flucht: Snowden offenbar nicht im Flugzeug nach Kuba

Whistleblower auf der Flucht: Snowden offenbar nicht im Flugzeug nach Kuba

, aktualisiert 24. Juni 2013, 13:52 Uhr

„Whistleblower“ Edward Snowden will von Moskau aus über Kuba nach Ecuador reisen, um sich vor den USA zu verstecken. Doch entgegen vieler Journalisten saß er nicht im Flugzeug.

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Snowdens neueste Enthüllung: Der US-Abhördienst soll Millionen chinesischer Mobilfunknachrichten und wichtige Datenübertragungsleitungen an der Tsinghua-Universität in Peking ausspioniert haben.

Der frühere US-Geheimdienstler Edward Snowden ist nach Informationen der russischen Nachrichtenagentur Interfax nicht an Bord der in Moskau gestarteten Maschine nach Kuba. „Er ist nicht mit dieser Maschine geflogen“, zitierte die Agentur eine nicht näher benannte Quelle bei der Fluggesellschaft Aeroflot. „Er hat wahrscheinlich ein Ticket für den nächsten Kuba-Flug gekauft.“ Snowden könne sich ohne Einschränkungen im Transitbereich des größten russischen Hauptstadtflughafens aufhalten.

Von Bord des Flugzeugs hatten zuvor mehrere Korrespondenten berichtet, dass der 30-Jährige zwar in Reihe 17 auf Fensterplatz A gebucht sei. Er selbst sei aber nicht gesichtet worden. In dem Flug mit der Nummer SU150 waren zwei Dutzend Medienvertreter. Nach seiner Flucht aus Hongkong sucht Snowden im südamerikanischen Ecuador Schutz vor der Strafverfolgung durch die US-Behörden. Er habe einen Asylantrag gestellt, teilte der ecuadorianische Außenminister Ricardo Patiño mit. Die USA appellierten an die Regierung in Quito, den Antrag abzulehnen.

Aus Hongkong kommend war der US-Bürger am Sonntag in Moskau gelandet. Von dort aus will er über Kuba nach Ecuador reisen, heißt es. Ecuador gewährt auch Wikileaks-Gründer Julian Assange politisches Asyl, der diplomatische Geheimdokumente etwa über die Rolle der USA in den Kriegen im Irak und in Afghanistan veröffentlicht hatte. Assange sitzt seit über einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Auch er fürchtet die Auslieferung in die USA.

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Hongkongs Behörden hatten Snowden trotz eines dringlichen Antrags der USA auf Festnahme wegen Geheimnisverrats ausreisen lassen. Washington forderte Ecuador, Kuba und auch Venezuela auf, dem Snowden kein Asyl zu gewähren, wie der TV-Sender CNN unter Berufung auf einen hohen Regierungsbeamten berichtete. Zudem haben die USA nach CNN-Informationen den Pass des 30-Jährigen annulliert.

Von Hongkong aus hatte der frühere Mitarbeiter einer für den Geheimdienst NSA tätigen IT-Firma erstmals vor zwei Wochen massive Spionage der USA im Internet enthüllt und damit weltweit Empörung über die Geheimdienst-Praktiken ausgelöst. Vor seiner Abreise aus Hongkong legte er außerdem noch Dokumente über ein britisches Überwachungsprogramm im Internet sowie die Datenspionage von US-Diensten in China offen. Die US-Regierung hatte gegen Snowden Anklage wegen Geheimnisverrats erhoben und seine Festnahme beantragt. Die Behörden in Hongkong schickten den Antrag aber als unvollständig mit der Bitte um zusätzliche Angaben wieder zurück. Das teilte die Regierung der chinesischen Sonderverwaltungsregion laut Radio RTHK mit. Bislang fehlten „ausreichende Informationen“ für eine Prüfung. So habe es „keine rechtliche Grundlage“ gegeben, die Ausreise zu verhindern.

Zwischenstopp in Russland Whistleblower Snowden in Moskau gelandet

Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter und Whistleblower Edward Snowden soll in Moskau eingetroffen sein. Am Montag will Snowden nach Venezuela weiterreisen.

huGO-BildID: 31691345 A plane believed to carry Edward Snowden, the former contractor for the U.S. National Security Agency, lands in Moscow's Sheremetyevo airport, June 23, 2013. Snowden left Hong Kong on a flight for Moscow on Sunday and his final destination may be Ecuador or Iceland, the South China Morning Post said. REUTERS/Tatyana Makeyeva (RUSSIA - Tags: MEDIA POLITICS) Quelle: REUTERS

In einem Interview der Zeitung „South China Morning Post“ berichtete Snowden, der US-Abhördienst habe Millionen chinesischer Mobilfunknachrichten und wichtige Datenübertragungsleitungen an der Tsinghua-Universität in Peking ausspioniert. Auch habe es 2009 amerikanische Hackerattacken auf Pacnet in Hongkong gegeben, die dann aber eingestellt worden seien. Pacnet betreibt eines der größten Glasfasernetze in der Asien-Pazifik-Region und wickelt auch Internetverkehr mit den USA ab. Die chinesische Regierung zeigte sich „tief besorgt“ über die jüngste Enthüllungen. Die Sprecherin des Außenministeriums in Peking sagte, das zeige erneut, „dass China das Opfer von Cyberattacken ist“. Die Regierung habe in Washington protestiert. Die englischsprachige „Global Times“ schrieb: „Die ganze Welt profitiert von den Enthüllungen Snowdens.“ Er habe die Vorherrschaftspolitik der USA offengelegt. China müsse seine Datennetze besser dagegen schützen. „Wir wünschen Snowden viel Glück in dieser schwierigen Zeit.“

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