Wichtige Märkte: Berlin vergisst Brasilien

Wichtige Märkte: Berlin vergisst Brasilien

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Blick auf Rio de Janeiro

von Alexander Busch

Für die deutsche Wirtschaft ist Brasilien einer der wichtigsten Märkte. Die Bundesregierung aber schenkt dem Land kaum Gehör. Bundespräsident Joachim Gauck versucht nun, die Wogen zu glätten.

Die deutschen Diplomaten in den Generalkonsulaten von São Paulo und Rio de Janeiro und der Botschaft in Brasilia spürten das neue Interesse an Brasilien als Erste. Ihre Telefone standen Ende 2009 nicht mehr still. Innerhalb weniger Wochen kündigten sich 50 deutsche Delegationen an. Im Verlauf des Jahres 2010 kamen dann sogar 80 offizielle Besuchergruppen aus Deutschland, so viel wie in keinem anderen Jahr zuvor. Minister der Bundesregierung und der Bundesländer, Vertreter von Behörden und Verbänden – sie alle wollten das neue Wirtschaftswunderland Brasilien erkunden.

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Wie gut Brasilien durch die Weltfinanzkrise 2009 gekommen war, hatte die deutsche Politik beeindruckt. Als das brasilianische Bruttoinlandsprodukt 2010 um 7,5 Prozent nach oben schnellte, wurde „Brasilien zum neuen China für Deutschland“, erinnert sich ein deutscher Diplomat.

Als erster Vertreter der Bundesregierung machte Außenminister Guido Westerwelle im März 2010 der brasilianischen Regierung seine Aufwartung. Ihm folgten weitere vier Minister im Jahresverlauf – in den Jahren zuvor galt schon der Besuch eines Staatssekretärs als Höhepunkt der diplomatischen Beziehungen.

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2011 wuchs die Besucherlawine weiter an: Fast 100 deutsche Delegationen reisten nach Brasilien. Einige wie die damalige Bildungsministerin Annette Schavan oder Staatssekretär Rainer Bomba aus dem Verkehrsministerium besuchten das Land gleich mehrfach innerhalb kurzer Zeit.

Seitdem nimmt die 2008 beschlossene strategische Partnerschaft zwischen beiden Ländern Gestalt an. Brasilien war 2011 Partnerland der Cebit, der weltweit größten Computermesse in Hannover, und 2012 Gastland der Buchmesse in Frankfurt. Im Mai startet das Deutschland-Jahr in Brasilien unter der Schirmherrschaft der obersten politischen Repräsentanten beider Länder, Präsidentin Dilma Rousseff und Bundespräsident Joachim Gauck, der seit Montag zu Gast in dem südamerikanischen Land ist.

Das Ziel: für Mithilfe von 140 Projekten bei jungen Brasilianern für Deutschland zu werben. So nimmt Deutschland nach den USA die meisten Studenten beim Brasilien-Stipendienprogramm auf. Das Programm ermöglicht 100.000 brasilianischen Studenten ein Studium an ausländischen Universitäten.

Fehlende Sensibilität

Doch trotz dieser intensivierten Beziehungen knirscht es zwischen beiden Ländern auf höchster Ebene. So sagte bei den 30. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstagen in Frankfurt Mitte 2012 der wichtigste brasilianische Minister einen Tag vorher ab.

Die parallel tagende hochrangige Gemischte Wirtschaftskommission musste daraufhin kurzfristig um drei Monate verschoben werden. Deutsche Delegationen klagen, dass sie es in Brasilien schwer haben, offiziell empfangen zu werden. Die Verhandlungen über das von Deutschland 2005 gekündigte Doppelbesteuerungsabkommen stecken fest – Brasilien ist das einzige Bric-Land, mit dem Deutschland kein Abkommen unterhält.

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