Wiederaufbau von Syrien: Russlands seltsames Angebot an die EU

Wiederaufbau von Syrien: Russlands seltsames Angebot an die EU

, aktualisiert 24. Februar 2017, 13:42 Uhr
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Nach einem Vorschlag des stellvertretenden russischen Außenministers soll sich die EU mit einer zweistelligen Milliardensumme am Wiederaufbau Syriens beteiligen.

von André BallinQuelle:Handelsblatt Online

Syriens Infrastruktur ist völlig zerstört – auch durch russische Bombardements. Mit dem Militäreinsatz sieht der Kreml seine Schuldigkeit im Syrien-Konflikt getan. Das Geld für den Wiederaufbau sollen andere liefern.

MoskauRussland sieht sich als wichtigsten Partner Syriens. Doch wenn es um die Instandsetzung der zerstörten Infrastruktur in dem Land geht, darf der sonst geschmähte Westen gerne aushelfen: Wie nun bekannt wurde, hat der stellvertretende russische Außenminister Michail Bogdanow in der vergangenen Woche bei einem Treffen mit den EU-Botschaftern in Moskau diesen vorgeschlagen, sich mit einer zweistelligen Milliardensumme am Wiederaufbau Syriens zu beteiligen. Moskau selbst hingegen will sich nach Angaben der Financial Times unter Berufung auf einen nichtgenannten westlichen Diplomaten dabei nicht engagieren.

Die russische Offerte ist bei den EU-Botschaftern erwartungsgemäß auf wenig Enthusiasmus gestoßen. Mehrere verwiesen darauf, dass die Schäden unter anderem auch durch das massive Bombardement der russischen Luftwaffe hervorgerufen wurde, die insbesondere in der Großstadt Aleppo großflächige Zerstörungen hinterlassen hat.

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Zudem ist das Vertrauen in Syriens Staatschef Baschar al-Assad im Westen nach wie vor gering. Während er für Russland ein wichtiger Verbündeter bleibt, der ihnen Militärstützpunkte in der Region sichert, werfen ihm westliche Regierungen vor, durch Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen die Ursachen für den Bürgerkrieg gelegt zu haben. Neben Großbritannien und Frankreich sollen auch Vertreter der Niederlande erklärt haben, dass unter Assad kein dauerhafter Frieden in Syrien möglich sei. Ein Wiederaufbau des Landes sei daher zu diesem Zeitpunkt wenig sinnvoll, so das Argument.

Das Thema dürfte auch bei den Friedensverhandlungen in Genf auf den Tisch kommen. Der Uno-Vertreter Russlands in Genf Alexej Borodawkin, nahm daher zu den Berichten inzwischen Stellung: „Russland liefert schon jetzt in großem Umfang humanitäre und militärisch-technische Hilfe nach Syrien. Aber wenn es um den Wiederaufbau Syriens geht, und darüber müssen wir jetzt schon reden, dann erfordert das gewaltige Summen“, sagte er. Die EU könne hierbei große Unterstützung leisten, fügte er hinzu. Ob sich Russland an den Reparationen beteiligen will, ließ er aber weiter offen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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