Wikileaks-Informant : Bradley Manning muss 35 Jahre in Haft

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Wikileaks-Informant : Bradley Manning muss 35 Jahre in Haft

, aktualisiert 22. August 2013, 03:31 Uhr

Der US-Soldat Bradley Manning muss für die Weitergabe vertraulicher Dokumente an Wikileaks dreieinhalb Jahrzehnte hinter Gitter. Doch er darf hoffen: Bei guter Führung könnte er deutlich früher frei sein.

Der Wikileaks-Informant Bradley Manning ist für die Weitergabe von Staatsgeheimnissen an die Enthüllungsplattform Wikileaks zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Zudem wurde der 25-Jährige unehrenhaft aus der Armee entlassen und rückwirkend degradiert, wie das US-Militärgericht in Fort Meade bei Washington am Mittwoch bekanntgab. Auch seine Pensionsansprüche verliert er.

Die Anklage hatte mindestens 60 Jahre Gefängnis und 100.000 Dollar (75.000 Euro) Geldstrafe gefordert, die Verteidiger hingegen nicht mehr als 25 Jahre. Bei guter Führung kann Manning im besten Fall nach weniger als zehn Jahren freikommen. Er hatte als Geheimdienst-Analyst des US-Heeres im Irak Hunderttausende vertrauliche Dokumente an die Internet-Enthüllungsplattform Wikileaks gegeben, die dadurch später öffentlich wurden. Darunter auch ein Video, das einen Hubschrauberangriff auf Zivilisten zeigt.

Richterin Denise Lind hatte Manning Ende Juli unter anderem wegen Geheimnisverrats, Spionage, Computerbetrugs und Diebstahls für schuldig befunden. Im schwerwiegendsten Punkt „Unterstützung des Feindes“ (aiding the enemy) sprach sie ihn hingegen frei. Dreieinhalb Jahre werden von der nun verhängten Strafe abgezogen, weil Manning seit Mai 2010 in Haft sitzt und Lind ihm 112 Tage wegen schlechter Behandlung während dieser Zeit erlassen hatte.

Die Chronologie des Falls Manning

  • April 2010

    Wikileaks veröffentlicht ein Militärvideo, das zeigt, wie bei einem US-Hubschrauberangriff im Irak rund ein Dutzend Zivilisten getötet werden. Das Video wurde Wikileaks von Manning zugespielt. Auch weitere, im Laufe des Jahres von der Internet-Plattform veröffentlichte US-Militärdokumente über die Kriege im Irak und in Afghanistan sowie vertrauliche Diplomatendepeschen sollen von ihm stammen.

  • Mai 2010

    Manning wird im Irak festgenommen. Der Obergefreite wird zunächst zwei Monate in Kuwait festgehalten. Dann sitzt er bis April 2011 im Militärgefängnis Quantico im US-Staat Virginia in Einzelhaft, bevor er unter gelockerten Haftbedingungen in ein Gefängnis in Kansas verlegt wird.

  • Dezember 2011

    Die juristische Aufarbeitung beginnt mit einer Anhörung im Militärstützpunkt Ford Meade bei Washington. Dem früheren Geheimdienst-Analysten wird vorgeworfen, während seiner Stationierung im Irak massenhaft Dokumente aus Computern gezogen und Wikileaks zugespielt zu haben.

  • Februar 2012

    Die US-Armee teilt mit, dass Manning wegen „Unterstützung des Feindes“ vor ein Militärgericht gestellt wird.

  • Juni 2013

    Der Prozess gegen Manning in Fort Meade beginnt.

  • Juli 2013

    Das Militärgericht erklärt den 25-Jährigen beim Hauptvorwurf „Unterstützung des Feindes“ für nicht schuldig. Schuldig gesprochen wird er aber unter anderem in den Anklagepunkten Spionage, Geheimnisverrat, Computerbetrug und Diebstahl. Das Strafmaß wird später verkündet.

  • August 2013

    Manning droht ein geringeres Strafmaß als bisher angenommen. Die Richterin gibt einem Antrag der Verteidigung statt, Anklagepunkte zusammenzulegen und damit die mögliche Höchststrafe von 136 auf 90 Jahre Haft zu reduzieren. Die Ankläger fordern später in ihrem Plädoyer 60 Jahre Haft. Die Verteidigung bittet um Milde, ohne eine spezielle Strafe zu empfehlen.


In einer von seinem Anwalt David Coombs verlesenen Mitteilung sagte Manning, er habe damals „aus Sorge um mein Land“ gehandelt. Nachdem er die geheimen Kriegsberichte aus Afghanistan und dem Irak gelesen habe „fing ich an, an der Moral unserer Taten zu zweifeln“, sagte er. Statt die Verantwortung für die Tötung unschuldiger Zivilisten zu übernehmen, hätten sich die USA hinter der nationalen Sicherheit versteckt. „Wir haben unsere Menschlichkeit vergessen.“

Wikileaks-Chef Julian Assange bezeichnete das Urteil als „wichtigen taktischen Sieg“ für die Verteidigung. Dennoch sei der Prozess ein „Angriff auf das grundlegende Konzept westlicher Justiz“ gewesen, sagte Assange nach einer Mitteilung der Wikileaks-Website. Der Versuch der USA, den Fall zur Abschreckung zu nutzen, sei „spektakulär fehlgeschlagen“.

Die Organisation Reporter ohne Grenzen kritisierte das Strafmaß als unverhältnismäßig. „Das Urteil gegen Bradley Manning ist ein weiterer Beleg, dass die USA endlich ein Gesetz zum Informantenschutz brauchen“, sagte Vorstandssprecher Michael Rediske.

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Coombs kündigte an, Obama formell um eine Begnadigung seines Klienten zu bitten. „Jetzt ist die Zeit, um Mannings Leid zu beenden“, sagte er. Das Weiße Haus kündigte an, die Petition wie alle anderen Petitionen auch zu prüfen

Das Verfahren in Fort Meade war der erste große Prozess gegen einen sogenannten Whistleblower in den USA und gilt als Präzedenzfall für weitere bekannte Enthüller, darunter Assange und der flüchtige Computerspezialist Edward Snowden, der das massive Spähprogramm des US-Geheimdienstes NSA enthüllte.

Für die US-Regierung waren die Enthüllungen Mannings ein Informations-GAU: Die Veröffentlichung der Papiere unter anderem über die Kriege im Irak und in Afghanistan hatte weltweit für Wirbel gesorgt. Die Preisgabe von Diplomaten-Depeschen hatte US-Botschafter und Politiker in aller Welt blamiert, gar Regierungen wanken lassen.

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