Wikileaks-Kontakte: Die verdächtigen Zeilen des Trump-Sohns

Wikileaks-Kontakte: Die verdächtigen Zeilen des Trump-Sohns

, aktualisiert 14. November 2017, 13:43 Uhr
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Donald Trump jr. macht sich in der Russland-Affäre verdächtig.

von Annett MeiritzQuelle:Handelsblatt Online

Neue Chat-Protokolle belasten Trumps Team in der Russland-Affäre: Im Wahlkampf hielt ein Sohn des US-Präsidenten Kontakt zur Enthüllungsplattform Wikileaks. Einige Wünsche des Wikileaks-Teams blieben aber unerfüllt.

Donald Trump Jr., der Sohn des US-Präsidenten, versucht es in Zeiten öffentlichen Drucks mit Ironie. Sein Anteil an Konversationen mit Wikileaks sei ja wirklich „kolossal” gewesen, lästerte er über seinen Twitter-Account. Ganze drei Privatnachrichten habe er an die Enthüllungsplattform während des US-Wahlkampfs geschickt.

Die Chat-Protokolle veröffentlichte der Trump-Sohn, meist „Don” Jr. genannt, in der Nacht zum Dienstag gleich mit. Allerdings erst, nachdem das US-Magazin „The Atlantic” darüber berichtet hatte. Seit einer Weile sollen die Protokolle außerdem dem US-Kongress zur Ansicht vorliegen.

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In der Kommunikation mit Don Jr. finden sich tatsächlich nur drei Antworten an Wikileaks. Doch die Zeilen und ihr Kontext sagen eine Menge über das Selbstverständnis der Kampagne seines Vaters aus: Sie erhärten den Verdacht, dass Trumps engster Zirkel offen war für einen heißen Draht zu einer von Russland beeinflussten, offensiv Clinton-feindlichen Organisation.

Es nicht das erste Mal ist, dass Don Jr. im Zusammenhang mit fragwürdigen Kreml-Kontakten in den Fokus gerät. Die Protokolle könnten nun zu einem weiteren belastenden Detail in der Russland-Affäre werden.

Wikileaks hatte während des Präsidentschaftswahlkampfs eine Schlüsselrolle inne. Die Plattform veröffentlichte massenhaft E-Mails aus dem demokratischen Lager um Hillary Clinton – einer von mehreren Faktoren, der den Wahlkampf wahrscheinlich zugunsten Trumps beeinflusste. US-Geheimdienste beschuldigen die russische Regierung, hinter den Hacking-Angriffen zu stehen.

Russlands Versuch, den Wahlausgang in den USA steuern zu wollen, steht auch im Mittelpunkt der laufenden Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller. Er und seine Mitarbeiter gehen folgenden Fragen nach: Inwiefern wurde die US-Wahl manipuliert, und welchen Anteil könnte das Trump-Team daran gehabt haben? Wusste das Umfeld Trumps vom Versuch der russischen Einflussnahme, unterstützte man diese gar aktiv? Das wäre illegal - und, sollte es harte Beweise dafür geben, ein möglicher Anlass für ein Amtsenthebungsverfahren.

So viel vorweg: Hinweise auf einen Gesetzesbruch finden sich in den Chat-Protokollen nicht. Don Jr. bekam in regelmäßiger Penetranz Anfragen von Wikileaks, die er nur sporadisch beantwortet. So schlug die Organisation vor, dass Trump im Fall eines Wahlsieges Wikileaks-Gründer Julian Assange zum US-Botschafter in Australien ernennen solle. Solche Anfragen liefen ins Leere.


Kein Anwand gegen den Wikileaks-Kontakt

Die wenigen Dialog legen aber nahe, dass Wikileaks und Don Jr. einander als Verbündete betrachteten. So bat Wikileaks darum, Don Jr. möge einen negativen Bericht über Clinton öffentlich kommentieren. Dieser entgegnete, er habe dies bereits getan, und fügte hinzu: „Es ist erstaunlich, womit sie durchkommt.“ Als Wikileaks darum bat, einen Clinton-kritischen Link zu twittern, tat Don Jr. wie geheißen.

Einige Nachrichten stammen aus der Zeit, als Wikileaks noch dabei war, gestohlene E-Mails aus der Wahlkampfzentrale der Demokraten zu veröffentlichten. Trotzdem unterband Don Jr. zu keinem Zeitpunkt die Kommunikation. Und auch das Spitzenteam um Trump, die laut „Atlantic” von der Kontaktaufnahme wussten, hatte offenbar nichts einzuwenden.

Unabhängig davon, dass es ziemlich leichtsinnig erscheint, mit einer ins Zwielicht geratenen Organisation über einen ungesicherten Messengerdienst zu kommunizieren: Der Kontakt zu Wikileaks festigt ein beunruhigendes Bild von Trumps Sohn. Zuvor war herausgekommen, dass sich Don Jr. während des Wahlkampfs mit einer russischen Anwältin getroffen hatte. Aus E-Mails geht hervor: Er erhoffte sich davon belastendes Material seitens der russischen Regierung. Auch hier zeigt sich, wie bei den ausgetauschten Nachrichten, die grundsätzliche Bereitschaft, die Wahl beeinflussende Anstrengungen aus dem Ausland zu unterstützen.

Ob es tatsächlich zu einer aktiven Zusammenarbeit kam, dafür hat auch Mueller bislang keinen Beweis erbracht - und es ist ungewiss, ob das überhaupt jemals der Fall sein wird. Verdächtig ist in dieser komplizierten Gemengelage aber jeder, der vor und während des US-Wahlkampfs Kontakte zu russischen Vertretern unterhielt. Und Don Jr. hat sich mit dem offenen Kontakt zu dem möglichen Russland-Handlanger Wikileaks ein Stück verdächtiger gemacht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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