ThemaKonjunktur

Wirkungslose Geldpolitik: Japan steckt weiter in Rezession fest

14. Februar 2013
Bei dem G20-Treffen am Freitag in Moskau wird sich die japanische Notenbank für ihre lockere Geldpolitik rechtfertigen müssen. Quelle: dpaBild vergrößern
Bei dem G20-Treffen am Freitag in Moskau wird sich die japanische Notenbank für ihre lockere Geldpolitik rechtfertigen müssen. Quelle: dpa

Trotz der Geldschwemme schrumpft die Wirtschaft in Japan. Die japanische Notenbank muss sich deshalb harsche Kritik gefallen lassen. Dennoch verteidigt sie ihre Geldpolitik, sie sieht die Talsohle erreicht.

Japan ist trotz der extrem lockeren Geldpolitik seiner Notenbank noch nicht aus der Rezession herausgekommen. Das Bruttoinlandsprodukt sank im vierten Quartal 2012 überraschend um 0,1 Prozent, wie die Regierung am Donnerstag mitteilte. Wegen des deutlich abgewerteten Yen - eine Folge der umstrittenen Geldschwemme - wird aber bald mit Besserung gerechnet. Notenbankchef Masaaki Shirakawa verteidigte seinen Kurs: Die getroffenen Maßnahmen seien bestimmt, die hartnäckige Deflation zu bekämpfen, nicht die Währung zu schwächen. "Wir werden das fortsetzen." Bei dem ab Freitag anstehenden Treffen der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer in Moskau wird er sich dafür aber trotzdem scharfe Kritik anhören müssen.

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Japans Lage

  • Schuldenstand 2013

    245,0

    Angaben in Prozent des BIP

    Quelle: IWF

  • Neuverschuldung 2013

    -9,1

    Angaben in Prozent des BIP

    Quelle: IWF

  • Leistungsbilanzsaldo 2013

    2,3

    Angaben in Prozent des BIP

    Quelle: IWF

Von Reuters befragte Experten hatten Japan zum Jahresende ein Wachstum von 0,1 Prozent zugetraut. Wirtschaftsminister Akira Amari geht allerdings davon aus, dass sich dank Konjunkturprogrammen und der schneller rotierenden Notenpresse eine baldige Erholung einstellen wird. Angesichts der jüngsten Talfahrt des Yen - knapp 20 Prozent gegenüber dem Dollar seit November - und der damit verbundenen verbesserten Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure sieht auch die Notenbank Licht am Ende des Tunnels: "Die japanische Wirtschaft hat offenbar die Talsohle erreicht."

Die Währungshüter beschlossen zudem, den Leitzins zwischen null und 0,1 Prozent zu belassen und ihr Programm zum Ankauf von Wertpapieren nicht auszudehnen. Der neue Ministerpräsident Shinzo Abe hat Ende 2012 sein Amt mit dem Versprechen angetreten, das Land aus der Deflationsfalle - einer Spirale aus sinkenden Preisen und schrumpfender Wirtschaft - herauszuführen. Unter dem Druck der Regierung hat die Notenbank ihr Inflationsziel schon auf zwei von einem Prozent nach oben gesetzt und will die Notenpresse noch stärker rotieren lassen - ab nächstem Jahr will sie sogar unbegrenzt Anleihen aufkaufen.

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Kommentare | 3Alle Kommentare
  • 15.02.2013, 20:07 UhrTraumschau

    Korrektur!
    Ich meinte in bezug auf die Eurokrise, dass das Problem der Staats- und Bankschulden sofort gelöst werden könnte. Die Handelsungleichgewichte natürlich nicht. Das braucht viel Zeit und insbesondere ein Umdenken der Politik - insbesondere in Deutschland.
    Mittlerweile glaube ich nicht mehr an eine Lösung. Ich denke, dass der Euro aufgrund dieser Ungleichgewichte zerbrechen wird.
    Wenn ich an die schlimmen Zustände in GR, SP und PO denke, und demnächst auch in FR und IT, dann ist die Rückkehr zu nationalen Währungen in einem EWS die Maßnahme, die wohl ansteht.

  • 15.02.2013, 18:32 UhrTraumschau

    Naja, vielleicht hätte Japan besser auf Prof. Richard Werner gehört, der die japanische Notenbank eine ganze Zeit lang beraten hat. Leider haben sie die Vorschläge nicht ungesetzt. Werner hat das ausführlich in seinem Buch "Princes of Yen" dargelegt. Es gibt dazu aber auch einen Vortrag von ihm auf YT. M.E. einfach brilliant! Die Lösung ist einfach (nicht banal) UND wurde u.a von Japan selbst nach 1945 angewandt. Aber jeder lese oder sehe und höre selbst ...
    Oder anders: Die japanische Rezession und auch die Eurokrise könnten SOFORT gelöst werden, wenn man es denn nur wollte!

  • 15.02.2013, 08:04 UhrBen-Wa

    Japan wird das erste keynesianisch getriebene Land sein, das Bankrott geht. Und die anderen Papierschnipselwährungen dann mitreißen. Das wird spannend.

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