Wirtschaft: Afrika kommt zum Geschäft

Wirtschaft: Afrika kommt zum Geschäft

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Seidenspinnerei in Ruanda

Trotz aller sozialen Probleme des Kontinents: Afrika ist heute wirtschaftlich auf dem Sprung. Einige Regionen besitzen mehr Kaufkraft als die BRIC-Länder, und dynamisch wachsende Unternehmen stellen attraktive M&A- und Investmentziele oder Geschäftspartner dar.

Es fällt schwer, für Afrika optimistisch zu sein. Der Kontinent scheint auf ewig zum Armenhaus verdammt, beherrscht von korrupten und grausamen Despoten. In vielen Regionen existiert fast keine Infrastruktur. Politisch instrumentalisierter Hunger und ethnische Gewalt bedrohen ganze Völker, und es grassieren Krankheiten, bei kümmerlicher medizinischer Versorgung.

Unternehmertum und Wirtschaft sind erst gar kein Thema. Selbst wenn man die gesammelte Wirtschafts- und Finanzpresse von vorn bis hinten durchkämmt, stolpert man allenfalls gelegentlich über eine Geschichte zu afrikanischen Firmen – oder Firmen in Afrika. In Afrika herrschen offenbar andere Prioritäten.

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Aber der Eindruck täuscht. Während der Blick des Westens in den vergangenen Jahren vor allem auf den aufstrebenden Volkswirtschaften und Unternehmen Chinas, Indiens, Osteuropas und Lateinamerikas ruhte, gab es auch in Teilen Afrikas große Fortschritte.

In einigen afrikanischen Ländern wächst die Wirtschaft dank ökonomischer und politischer Reformen in beeindruckender Weise. Dies bringt dem Kontinent mehr Wohlstand und lässt unter den ansässigen Unternehmen attraktive Fusionspartner oder Übernahmeziele entstehen. In dritten Quartal 2010 teilte beispielsweise das japanische Telekomunternehmen NTT mit, es plane die Übernahme des in 47 Ländern vertretenen südafrikanischen IT-Dienstleisters Dimension Data. Der Einzelhändler Wal-Mart verkündete, er wolle sich mehrheitlich an Massmart beteiligen. Massmart betreibt von Südafrika aus in 14 Subsahara-Ländern insgesamt neun Groß- und Einzelhandelsketten und ist der drittgrößte Konsumgüterhändler des Kontinents. (Seine Aktionäre stimmten der Übernahme durch Wal-Mart Mitte Januar zu.)

In den ersten zehn Monaten 2010 gab es auf dem Kontinent Fusionen und Übernahmen im Rekordvolumen von 54 Milliarden Dollar. Das ist mehr als das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Burundi, Dschibuti, Gambia, Guinea-Bissau, Lesotho, Liberia, Niger, Ruanda, Sierra Leone, Simbabwe, Swasiland, Togo und der Zentralafrikanischen Republik zusammen.

Ein genauerer Blick

Viele kennen Afrika nur aus Filmen wie Invictus, African Queen, Hotel Ruanda, Der letzte König von Schottland oder Blutdiamant, aber die vermitteln allenfalls einen Ausschnitt der Realität. Um herauszufinden, wie ein Ort wirklich tickt, muss man hinter die Kulissen blicken.

Vergangenen Sommer haben sechs meiner Kollegen aus der Global Advantage Practice der Boston Consulting Group (BCG) genau dies getan. Sie haben die bedrückenden Geschichten über Bürgerkriegsgefahren, korrupte Herrscher und Armut auf die Seite geschoben und sich gründlich mit der Wirtschaft des Kontinents befasst, bis hinab zur Ebene der einzelnen Unternehmen.

„Nach herkömmlicher Sicht liegt Afrika – mit 20 Prozent der globalen Landfläche und 15 Prozent der Bevölkerung, jedoch nur vier Prozent des weltweiten BIP – schon so lange am Boden, dass kaum Aussicht auf Besserung besteht“, heißt es in ihrer Analyse „The African Challengers: Global Competitors Emerge From the Overlooked Continent“. Diese Betrachtungsweise sei begreiflich, merken sie an, aber überholt. Von 2000 bis 2008 legte das BIP Afrikas jährlich stattliche 5,3 Prozent zu (kaufkraftbereinigt und die vielen als hoffnungslos geltenden Länder inbegriffen). Weltweit belief sich das Wachstum auf vier Prozent pro Jahr. Im selben Zeitraum entwickelten sich die meisten afrikanischen Börsen besser als internationale Indizes, einige davon sogar sehr deutlich. Ägyptische Aktien zum Beispiel brachten es auf ein jährliches Plus von 39 Prozent, verglichen mit zwei Prozent für den MSCI World Index.

Während andere Regionen tief in die Rezession rutschten, wuchs Afrika weiter. Im Jahr 2009 stieg die Wirtschaftsleistung zwei Prozent, während das BIP in den USA vier Prozent schrumpfte, in Europa 2,8 Prozent und in Lateinamerika 1,5 Prozent.

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