Wirtschaftsabschwung: Spaniens Banken trotzen der Finanzkrise

Wirtschaftsabschwung: Spaniens Banken trotzen der Finanzkrise

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Chef der Banco-Santander, Emilio Botin: Ausfallrisiken schnellen hoch

Iberische Geldinstitute erweisen sich als standhaft: Die Banken in Spanien trotzen der Finanzkrise erstaunlich gut. Den Abschwung der Wirtschaft kann dies jedoch nicht stoppen.

Vor gut einer Woche, bei einer internationalen Bankentagung in Madrid, gab Banco-Santander-Präsident Emilio Botín den ausländischen Kollegen mal wieder guten Rat: Auf den Klienten und das traditionelle Bankgeschäft müssten sich die Banken wieder konzentrieren. Um ein umsichtiges Risikomanagement sollten sich die höchsten Rangebenen einer Bank kümmern. Die Bankenaufsichten schließlich müssten die ihnen unterstellten Finanzinstitute gut kennen, ihnen strenge Regeln auferlegen und die ökonomischen Zyklen im Auge behalten, so der 73-jährige Bankchef.

Die Rede fand in der internationalen Finanzpresse außergewöhnliche Resonanz. Denn mit Erstaunen stellte die Welt in den letzten Monaten fest, dass spanische Banken tatsächlich keine US-Subprime-Papiere abschreiben mussten und auch keine Beinahe-Zusammenbrüche erlebten.

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Was macht das Finanzsystem der Iberer so krisenresistent? Zum einen sind Spaniens Banken klassische Handelsbanken: Sie nehmen Einlagen an und vergeben Kredite. Das hat ihnen in dem langen Wirtschaftsboom so hohe Renditen eingebracht, dass sie es nicht nötig hatten, sich mit risikoreichen Finanzinstrumenten abzugeben.

Konservative Bankpatriarchen sind plötzlich sexy

Was früher vom Rest der Welt als wenig innovativ belächelt wurde, ist heute en vogue. Konservative Bankpatriarchen wie Botín, der den Santander-Präsidentenposten schon in dritter Generation innehält und wie der Vater und Großvater jeden Großkredit seiner Bank noch höchstpersönlich prüft, gelten plötzlich als sexy. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die Santander-Gruppe sich in den letzten Monaten nicht weniger als drei strauchelnde Banken in Großbritannien und in den USA zu Schnäppchenpreisen einverleibte.

In einem neuen Licht erscheint auch die spanische Bankenaufsicht, deren Vorschriften noch vor einigen Jahren als exzessiv galten. Daran kann sich Luis Angel Rojo noch sehr gut erinnern: Als Gouverneur der Zentralbank Banco de España hat der heute 74-Jährige von 1992 bis 2000 das spanische Finanzsystem so aufgestellt, dass es gegen die derzeitige Krise gut abgefedert ist. Im Vorlauf zum Euro-Beitritt hatte Rojo die Zinsen in Spanien von neun auf drei Prozent sinken und das Kreditwachstum steigen sehen.

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Auch im restlichen Europa und in den USA war das Geld billig. Schon damals sah der Spanier, dass insbesondere US-Banken nicht die nötige Strenge bei der Kreditvergabe walten ließen. „Das musste irgendwann explodieren.“ Vorsorglich brummte er seinen Banken und Sparkassen eine zusätzliche Reservehaltung auf: Die sogenannten Statistischen Rückstellungen beruhen auf der einfachen Idee, dass ein Teil der Kredite irgendwann, in schlechten Zeiten, ausfallen könnte.

Dieses zusätzliche Rüstzeug werden die Banken nun auch bald brauchen. Denn in Spaniens Realwirtschaft stehen alle Zeichen auf Rot. Der Krisenvirus geht nicht von der globalen Finanzkrise, sondern vom eigenen Immobilien- und Bausektor aus, der alle anderen Wirtschaftsbereiche ansteckt. Am Bau hängen etwa Hersteller von Küchengeräten, Badezimmereinrichtung oder Möbeln.

Außerdem lässt der abrupte Rückgang der Bautätigkeit die Arbeitslosenquote hochschnellen. Das wiederum lähmt den Konsum. Die Industrieproduktion fiel im August um sieben Prozent niedriger aus als im Vorjahr. Der Dienstleistungssektor ließ im gleichen Zeitraum um 4,6 Prozent nach. Vor der Wachstumsrate könnte schon in diesem Quartal ein Minuszeichen stehen.

Schon jetzt schnellen die Ausfallraten bei den Darlehen an hoch verschuldete Bauträger in die Höhe, die auf ihren Wohnungen sitzen bleiben. Nach dem Bauboom der letzten Jahre herrscht in Spanien ein Überangebot von rund einer Million Wohnungen. Auch die steigende Arbeitslosigkeit bringt viele Familien mit einem Hypothekenkredit in Not. Die Krise in Spanien, glaubt Ex-Zentralbankchef Rojo, werde lange dauern. „Aber die Banken werden dem standhalten.“

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