Wirtschaftskrise: Auch Japan rutscht in die Rezession

Wirtschaftskrise: Auch Japan rutscht in die Rezession

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Japans Premier Taro Aso: Die Regierung will mit Steuerschecks den Konsum beflügeln

Die globale Wirtschaftskrise und der steigende Yen lassen die Exporte in Japan einbrechen. Die Regierung will deshalb mit Steuerschecks den Konsum beflügeln.

Solche Besucher hätte jeder gerne: Wenn sich Premierminister Taro Aso im Parlament durchsetzt, werden im April höfliche Beamte an jeder japanischen Wohnungstür klingeln und einen Umschlag mit Bargeld oder Wert-Coupons überreichen.

Gut 500 Euro darf eine vierköpfige Familie erwarten, mit freundlicher Empfehlung der Regierung, das Geld schnellstens wieder auszugeben.

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Die Aktion ist eine von vielen Finanzspritzen, die Japans Konsum wieder in Schwung bringen sollen. Mit insgesamt knapp 220 Milliarden Euro, zumeist in Form von Steuererleichterungen oder öffentlichen Kreditgarantien, will Aso die Folgen der Finanzkrise für die japanischen Haushalte lindern. Hinzu kommen 95 Milliarden Euro als Stütze für den Mittelstand.

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Gemessen an den 460 Milliarden Euro, die das Schwellenland China als staatliches Konjunkturpaket beschlossen hat, wirken diese Maßnahmen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt indes fast kleinlich.

Und verhindern lässt sich eine Rezession wohl ohnehin nicht mehr. Sollten mit China, Europa und den USA gleich mehrere Hauptmärkte der Nippon AG gleichzeitig wegbrechen, „führt das zwingend in eine simultane Krise“, warnt der frühere Vize-Finanzminister und heutige Ökonomie-Professor Eisuke Sakakibara.

Zwischen April und Juni musste Japans Volkswirtschaft bereits einen Wachstumsrückgang von drei Prozent hinnehmen – der schlimmste Einbruch seit 2001. Jetzt rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) damit, dass das Bruttoinlandsprodukt 2009 um 0,2 Prozent schrumpfen wird.

Weil auch in den USA die Lage nicht besser ist, rutschen selbst gut aufgestellte Top-Konzerne wie Toyota, Sony und Co. fast automatisch in die Krise. „Für Japan fällt der Export als Wachstumsfaktor immer mehr aus“, warnt der IWF.

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Die Konsequenz ist dramatisch. „Fast das gesamte japanische Wachstum der zurückliegenden sechs Boom-Jahre wurde im Ausland erwirtschaftet.

Einige Großkonzerne erzielen dort bis zu 98 Prozent ihrer Gewinne“, sagt Jesper Koll, Chef des Tantalon-Research Instituts in Tokio. Der Handelsbilanzüberschuss ist in den vergangenen sechs Monaten bereits um 85 Prozent gefallen. Im August rutschte die Handelsbilanz zum ersten Mal seit 25 Jahren ins Minus. Im September lag das Minus im Vergleich zum Vorjahresmonat sogar über 94 Prozent.

Dem Export droht sogar ein Doppelschlag: Weltweit sinkt die Nachfrage nach japanischen Autos, Elektronikgeräten oder Computern. Gleichzeitig schießt der Kurs des Yen in rasantem Tempo nach oben und verteuert japanische Produkte auf dem Weltmarkt. Gegenüber dem Dollar stieg der Yen seit September um 15 Prozent, gegenüber dem Euro sogar um ein Drittel. Ein Grund für den Höhenflug: Immer mehr internationale Investoren, die mit billigen Yen-Krediten an anderen Finanzplätzen sagenhafte Gewinne eingefahren hatten („Carry Trade“), zahlen nun ihre Schulden zurück.

„Keine Volkswirtschaft der Welt hält eine solche Blitzaufwertung aus“, warnt Eisuke Sakakibara, der vor zehn Jahren als „Mister Yen“ in der Regierung mit ähnlichen Währungsverwerfungen kämpfen musste.

Besonders hart trifft es die global aufgestellte Autoindustrie. Toyota zum Beispiel kostet jeder Yen, um den zum Dollar aufgewertet wird, 400 Millionen Dollar Jahresgewinn. Japans Autokrösus musste seine Geschäftsprognose bereits um mehr als zwei Drittel nach unten revidieren. „Das ist das Schlimmste, was ich je gesehen habe“, stöhnt der Autoanalyst Koji Endo von Credit Suisse Securities in Tokio. „Ich schließe nicht mehr aus, dass Toyota in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres (Ende März 2009) operative Verluste bilanzieren muss.“

Wenn schon Japans profitträchtigster Konzern dermaßen leidet, wie schlimm ist es dann um den Rest der Industrie bestellt?

Martin Schulz vom Fujitsu-Institut beobachtet, dass „viele Unternehmen beginnen, ihre gesamte Strategie zu ändern“. Der Maschinenbau meldet für das abgelaufene Quartal einen Auftragsrückgang von 10,4 Prozent, der heftigste Rückschlag seit zehn Jahren. Analysten wie Tomoko Fujii, Chefvolkswirt bei der Bank of America in Tokio, rechnen damit, dass die Produktion nun deutlich zurückgefahren werden muss.

Hilf von der Geldpolitik darf die lahmende Konjunktur derweil nicht erwarten: Der Leitzins in Japan liegt bereits nahe der Nulllinie.

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