Wirtschaftskrise: Chiles Politik zahlt sich aus

Wirtschaftskrise: Chiles Politik zahlt sich aus

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Trucks travel along a road in the La Escondida copper mine near Antofagasta, about 1545 km (980 miles) north of Santiago city and 3100 meters (10,170 feet) above sea level, March 31, 2008. Escondida, in northern Chile and the world's largest copper mine, produced about 1.5 million tonnes of copper in 2007, according to the company. REUTERS/Ivan Alvarado (CHILE)

Chile profitiert in der Krise von seiner vorausschauenden und soliden Wirtschafts- und Finanzpolitik – auch ausländische Investoren finden das gut.

In Südamerika haben Chiles Unternehmer den Ruf, konservativ und risikoscheu zu sein. Während des Wirtschaftsbooms der vergangenen Jahre machten sich Investoren und Analysten in den Nachbarländern gerne lustig über sie. Weil sie sich nicht so schillernd verkauften wie ihre Konkurrenten in Brasilien oder Mexiko, bewegte sich die chilenische Börse wenig vom Fleck. Die Aktienmärkte in São Paulo und Mexiko-Stadt dagegen legten fünf Jahre lang einen Rekordabschluss nach dem anderen hin. Doch das Lachen ist den Nachbarn vergangen: Das kleine Andenland Chile erweist sich inmitten der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise als Hort der Stabilität: Die Börse in Santiago erlitt mit minus fünf Prozent in den letzten zwölf Monaten noch den geringsten Verlust unter den internationalen Aktienmärkten. Die Zinsen auf chilenische Anleihen sind am geringsten gestiegen im Vergleich zu allen anderen Emerging Markets.

Der Grund: Chile profitiert in der Krise von seiner konsequenten antizyklischen Fiskalpolitik: Statt die hohen Einnahmen aus den Kupferexporten der vergangenen Jahre einfach zu verprassen, hat die Regierung gespart – und für schlechte Zeiten vorgesorgt. Mit 20 Milliarden Dollar ist der Kupfer-Stabilisierungsfonds gut gefüllt. Gleichzeitig hat die Regierung einen Haushaltsüberschuss von sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet.

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Künftige Generationen haben keine Probleme

Wenn die Regierung nun ein Ausgabenpaket in Höhe von vier Milliarden Dollar schnürt, um die Wirtschaft anzuregen, dann schafft sie damit kein Problem für künftige Generationen. „Chile ist in der einzigartigen Lage, sein eingespartes Kapital aggressiv einzusetzen, ohne seinen Haushalt zu belasten“, sagt Alberto Ramos von Goldman Sachs. Außerdem ist der chilenische Staat mit einer Verschuldung von 4,4 Prozent des BIPs fast schuldenfrei. Entsprechend schnell und problemlos können Regierung und Zentralbank der Wirtschaft Liquidität und Kredite anbieten, ohne gleichzeitig die Steuern anheben zu müssen und die Konjunktur damit zu belasten.

Natürlich geht auch an Chile die weltweite Krise nicht spurlos vorbei: Die Wirtschaft des Landes wird im laufenden Jahr nach aktuellen Prognosen nur um 2,5 statt um 4,5 Prozent, wie vor der Krise erwartet, wachsen. Groß angelegte Bauprojekte in Santiagos boomendem Geschäftsviertel Providencia wachsen langsamer als vorgesehen. Doch im Vergleich zu den Auswirkungen der Krise in den meisten Emerging Markets sind die Symptome harmlos. „Chile ist solide aufgestellt“, sagen Marjorie Hernandez und Lorena Dominguez von der Großbank HSBC.

Das überrascht, denn Chile weist viel von dem auf, was andere aufstrebende Volkswirtschaften in den letzten Monaten hat abstürzen lassen: Chile ist eine der offensten Volkswirtschaften Lateinamerikas, also stark abhängig von der Weltkonjunktur. Die schwächere Nachfrage auf dem Weltmarkt kann Chile mit seinen 17 Millionen Einwohnern kaum durch den eigenen Binnenkonsum wettmachen. Außerdem macht das Kupfer mehr als die Hälfte der gesamten Exporte aus – und das rote Edelmetall hat seit Juli seinen Wert von vier Dollar auf 1,60 Dollar das Pfund mehr als halbiert.

Chile will sich dennoch nicht ausruhen

Im Außenhandel hilft die Diversifizierung: Mit neun Staaten hat Chile Freihandelsabkommen abgeschlossen. Steigende Ausfuhren nach Fernost und ins umliegende Südamerika machen zum Teil die Ausfälle im USA- und Europa-Geschäft wett. Außerdem profitiert der Energieimporteur von den niedrigen Ölpreisen. Die gesunkenen Frachtkosten senken die Preise für chilenische Produkte in Übersee. Der schwächere Peso erhöht die Wettbewerbsfähigkeit von chilenischem Lachs, Wein und sonstigen Agrarprodukten.

Dennoch herrscht in Chiles Politik und Wirtschaft ein Konsens, dass man sich nicht auf dem Erreichten ausruhen kann. „Jetzt müssen wir einen neuen Entwicklungsschritt machen, von der Rohstoffwirtschaft zur Wissensgesellschaft“, sagt Raúl Rivera vom privaten Institut Foro Pro Innovación. Auch dabei geht die Regierung erfindungsreich vor: Weil es im Land zu wenig Lehrer gibt, hat die Regierung einen Bildungsfonds in Höhe von sechs MilliardenDollar eingerichtet. Damit soll unter anderem jährlich 6500 chilenischen Studenten die Promotion oder Forschung an einer ausländischen Universität oder einem Institut finanziert werden.

Chiles Stabilität lockt neue Interessenten an. So hat gerade der US-Einzelhändler Walmart für 2,6 Milliarden Dollar eine lokale Supermarktkette gekauft. Auch bei der Deutsch-Chilenischen Handelskammer gehen so viele Anfragen von Unternehmen aus Deutschland ein wie noch nie. Der Grund, so Geschäftsführerin Cornelia Sonnenberg: „Für deutsche Unternehmen werden stabile Märkte plötzlich wieder attraktiv, auch wenn sie relativ klein sind.“

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