Wirtschaftskrise: China: Krise verunsichert deutsche Investoren

Wirtschaftskrise: China: Krise verunsichert deutsche Investoren

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Chinesische Taxifahrer vor ihrem Mercedes: Die Absatzflaute verhaltet der Automobilbranche das Geschäft

China, einst Hoffnungsträger der Weltwirtschaft, schlittert immer tiefer in die Krise. Bei den deutschen Investoren wächst die Nervosität.

Die goldenen Zeiten mit scheinbar unbegrenztem Wachstum sind für Freudenberg in China erst mal vorbei. „Wir haben 2008 unseren Umsatz zwar noch mal gesteigert“, sagt Rolf Koehler, leitender Manager des Familienunternehmens aus Weinheim in Baden-Württemberg, „aber deutlich schwächer als erwartet.“ Besonders der drastische Einbruch im November und Dezember hat Freudenberg, das in 19 chinesischen Werken 3800 Mitarbeiter beschäftigt, das Geschäft verhagelt.

So wie Freudenberg geht es derzeit vielen deutschen Unternehmen im Reich der Mitte, auch den scheinbar mächtigen Dax-Konzernen. Bei Daimler ist der Absatz von Mercedes-Pkws in den beiden letzten Monaten des vergangenen Jahres regelrecht eingebrochen. Kräftige Rückgänge beim Auftragseingang in der Industriesparte verbuchte im Schlussquartal 2008 auch Siemens. Kaum besser ist das Bild beim Chemieriesen BASF. „Es gibt kaum eine Branche, die von der Krise nicht betroffen ist“, sagt Ivo Naumann, Direktor der Beratungsgesellschaft AlixPartners in Shanghai.

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Noch vor wenigen Monaten setzten viele Ökonomen und Manager auf Chinas wirtschaftliche Dynamik. Mit fast zwei Billionen Dollar Devisenreserven und einem gigantischen Binnenmarkt, so die Erwartung, könne China Wachstumseinbrüche in anderen Teilen der Welt ausgleichen, das Land sich gewissermaßen von der Krise in den USA und Europa abkoppeln. Davon redet inzwischen keiner mehr. Jetzt zeigt sich: Zu abhängig ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt noch immer von den Konsumenten in Europa und den USA.

Prognosen für China gehen nach unten

Fast im Wochentakt revidieren die Analysten ihre Prognosen nun nach unten. Gerade mal fünf Prozent Wirtschaftswachstum, nach 13 Prozent 2007, erwartet etwa Ben Simpfendorfer, China-Chefökonom der Royal Bank of Scotland, für das laufende Jahr. „Das fühlt sich für den Durchschnittsbürger wie eine Rezession an“, sagt Simpfendorfer. Die weltweite Krise und deren Auswirkungen auf China wird auch das beherrschende Thema sein, wenn Chinas Premierminister Wen Jiabao ab heute zu einem offiziellen Besuch in Berlin eintrifft, um mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über Wege aus der Misere zu diskutieren. Fortschritte bei Streitpunkten wie Urheberrechtsschutz, Produktsicherheit oder Markteintrittsbarrieren in China – Probleme, die der deutschen Industrie und Politik seit Langem unter den Nägeln brennen und die Merkel bei ihren Treffen mit Vertretern der chinesischen Führung regelmäßig anspricht – sind dabei aber kaum zu erwarten.

Die schwierige Lage der deutschen Firmen im einstigen Boomland China spiegelt eine aktuelle Umfrage der deutschen Handelskammer in Shanghai wider. 43 Prozent der befragten Unternehmen erwarten für das laufende Jahr einen Umsatzrückgang, 14 Prozent der Firmen wollen auf die Krise mit Entlassungen reagieren. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich Mitarbeiter in China über saftige Gehaltssteigerungen von 30 und mehr Prozent freuen konnten. 56 Prozent der Unternehmen wollen die Löhne 2009 nur minimal oder gar nicht erhöhen.

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Besonders die Automobilindustrie in China trifft es hart – und damit auch zahlreiche deutsche Zulieferer. Der Mittelständler Kern-Liebers aus Schramberg in Baden-Württemberg, der in Taicang bei Shanghai Klemmen für Gurtstraffer produziert, verbuchte zuletzt einen starken Umsatzeinbruch. Die Schaeffler-Gruppe aus Herzogenaurach, Weltmarktführer bei Kugel- und Wälzlagern, will in China 300 Stellen abbauen. Die Pläne für ein neues Werk in Yinchuan haben die Deutschen „wegen der unsicheren Marktlage“, so ein Schaeffler-Sprecher, erst mal auf Eis gelegt. Eine Entspannung auf dem Automarkt erwarten Experten wie Thomas Schiller, China-Chef bei Arthur D. Little, frühestens im zweiten Halbjahr.

Zumindest teilweise ist die prekäre Lage vieler deutscher Firmen in China aber auch selbst verschuldet. Viele Unternehmen, kritisiert AlixPartners-Chef Naumann, hätten in der Vergangenheit zu sehr auf Umsatzwachstum und Größe geschaut und dabei Produktivität und Profit aus den Augen verloren. „Da trennt sich jetzt die Spreu vom Weizen“, sagt Naumann.

Freudenberg jedenfalls bleibt China trotz der derzeitigen Turbulenzen treu. Das Unternehmen treibt die Pläne für ein neues Werk in China weiter voran, das Luftfedern für die Autoindustrie produzieren soll. „Langfristig wird China weiter wachsen“, ist sich Freudenberg-Manager Koehler sicher.

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