Wirtschaftskrise: Emirate vor der Zerreißprobe

Wirtschaftskrise: Emirate vor der Zerreißprobe

Abu Dhabi und Dubai im Vergleich

Abu Dhabi und Dubai im Vergleich

Über den Wegzug von Managern, gut bezahlten Experten und Selbstständigen gibt es noch keine Zahlen. Messbar ist aber schon der Exodus der schlecht bezahlten Gastarbeiter, die vor allem auf den Baustellen arbeiteten: Allein für den Monat März sind genug Flugzeuge gechartert worden, um 20.000 indische Migranten von Dubai in ihr Heimatland zurückzufliegen.

Für das Emirat ist der Exodus von Bauarbeitern, Hotelbediensteten und Managern fatal, für viele der Betroffenen ist es eine Katastrophe: Nicht nur der Staat Dubai und viele seiner Landeskinder haben in den vergangenen Jahren in Saus und Braus gelebt, sondern auch viele gut bezahlte ausländische Fachleute, oft auf Pump. Wer aber seinen Job verliert, hat als Ausländer keine Anrechte auf Sozialleistungen. Schlimmer noch: Wer seine Schulden nicht rechtzeitig bezahlen kann, dem droht in Dubai sogar das Gefängnis. Weshalb immer wieder Rückwanderer aus Angst vor der Justiz des Emirats Hals über Kopf abreisen und ihr Auto einfach am Flughafen stehen lassen.

Einheimische haben keinen Ausweg

Für die einheimische Bevölkerung gibt es diesen Ausweg nicht. Sie müssen sich von den Selbsttäuschungen befreien, die ihre Regierung bis vor wenigen Wochen verbreitet hat. Schon im Herbst hatte der Kapitalmangel das Emirat und seine führenden Baukonzerne Emaar und Nakheel gezwungen, ungefähr die Hälfte aller Projekte einzustellen oder aufzuschieben. Darauf erließ die Regierung des Emirs ein Gesetz, das harte Strafen für jeden androhte, der dem Ruf der Stadt mit „Falschmeldungen“ über den schlechten Zustand der Wirtschaft schade. Fast gleichzeitig wurde der Bau eines neuen, genau 1000 Meter hohen Wolkenkratzers angekündigt und mit einer 20 Millionen US-Dollar teuren Fete auf einer der künstlichen Inseln das Luxushotel Atlantis mit über 1700 Zimmern eingeweiht. Die Krise hatte schon begonnen, nur durfte keiner darüber sprechen.

Wenigstens das ist inzwischen anders. Nicht um acht Prozent wie im Vorjahr, sondern nur noch um drei Prozent werde die heimische Wirtschaft 2009 wachsen, sagt jetzt die Wirtschaftsministerin Lubna Al Qasimi, Fürstentochter aus einem der kleineren Emirate. Nur 2,5 Prozent werden es nach Meinung von Raed Safadi sein, dem Chefökonom von Dubai. Aber auch das ist möglicherweise noch viel zu optimistisch: Marios Maratheftis, regionaler Chef-Volkswirt der Standard Chartered Bank, sagt für die Emirate in der ersten Jahreshälfte einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um bis zu einem Prozent voraus. Und davon würde das lange Zeit von seinem Wachstum so berauschte Dubai überdurchschnittlich getroffen.

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