Wirtschaftskrise: Emirate vor der Zerreißprobe

Wirtschaftskrise: Emirate vor der Zerreißprobe

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Computersimulation des neuen Kulturviertels "Saadiyat Island" im Scheichtum Abu Dhabi

Die Weltrezession erreicht die wohlhabenden Vereinigten Arabischen Emirate – und könnte das Machtgefüge zwischen den Monarchen nachhaltig verändern.

Der Boom der vergangenen Jahre ist im Emirat Dubai noch allgegenwärtig. Hier gibt es das höchste Gebäude und das nobelste Hotel der Welt, eine Armada von Baukränen, dynamische Bauunternehmer, viel Kapital aus den ölreichen Nachbarstaaten und sonnenhungrige Touristen von überall. Es locken ein mit immensem Energieaufwand tiefgekühltes Skiparadies unter Glas und Beton und künstliche Inseln, die aus der Luft betrachtet das Bild von Palmen ergeben oder eine Weltkarte. Die Wirtschaft von Dubai ist seit der Jahrtausendwende um jährlich fünf bis zehn Prozent gewachsen. Doch jetzt ist die globale Krise auch dort offiziell angekommen.

Vergangenen Montag hat die Regierung des Stadtstaats, dem massiv die Einnahmen wegbrechen, eine vierprozentige Anleihe über 20 Milliarden US-Dollar auflegen müssen. Für die Hälfte davon fand sich sofort ein ungewöhnlicher Käufer: die Zentralbank der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Zehn-Milliarden-Hilfsaktion wurde von den dem Herrscherhaus eng verbundenen Bankern der bisherigen Boom-Metropole pflichtschuldig bejubelt: Das sei „ein klarer Beweis dafür, dass die Vereinigten Arabischen Emirate rechtzeitig und angemessen auf die globale Finanzkrise reagieren“, sagte Abdul Kadir Hussain, Chef der Investmentgesellschaft Mashreq Capital. Die Aktion zeigt aber auch eine politische Gewichtsverlagerung am Golf an – von Dubai ins noch viel reichere Abu Dhabi. Grund: Hinter der Zentralbank steht Scheich Khalifa Bin Sayid, Präsident der Vereinigten Emirate, Herrscher über Abu Dhabi und den wahrscheinlich immer noch reichsten Staatsfonds der Welt.

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Ölpreis und Finanzkrise zeigen doch Wirkung

Vier Monate ist es erst her, dass Herrscher und Top-Manager in Dubai und Abu Dhabi verkündeten, weder die Finanzkrise noch der Verfall des Ölpreises könnten ihnen viel anhaben. Die Wirklichkeit ist anders: Das ölreiche Abu Dhabi leidet unter dem Preisverfall seines einzigen bedeutenden Exportguts, hält sich aber dank seiner diskret arbeitenden Staatsfonds über Wasser. Dubai dagegen leidet Not. Sein Herrscher Mohammed bin Raschid al-Maktum muss nach Schätzung arabischer Wirtschaftsdienste in diesem Jahr Schulden in Höhe von 14 Milliarden Dollar begleichen. Wegen der allgemeinen Flaute, die Tourismus, Bankgeschäfte und Handel in Dubai getroffen hat, ist der stolze Scheich zum Bittsteller bei den Herrschern der Nachbar-Emirate geworden. Denen geht es auch nicht mehr so gut wie in den Jahren des steigenden Ölpreises. Aber sie sind wenigstens nicht so verschuldet wie Mohammed, der bis 2012 rund 54 Milliarden Dollar Schulden zu tilgen hat. Die Stützungsaktion der Zentralbank „wird nur ausreichen, wenn die Weltkrise bis Mitte 2010 vorüber ist und frisches Kapital zu uns fließt“, meint ein europäischer Manager im Dienst eines der vielen staatsnahen Dubaier Konzerne. „Andernfalls haben Leute wie ich hier nichts mehr zu suchen.“

In Dubai leben ungefähr 1,2 Millionen Ausländer – Tendenz stark sinkend – und nur 200.000 Einheimische. Das macht für die kommenden vier Jahre eine Schuldenlast pro Kopf von 270.000 Dollar, denen nur wenige krisensichere Werte gegenüberstehen: Die Immobilien in der Wüste und auf den künstlichen Inseln sind unverkäuflich, wenn die Weltwirtschaft nicht aus der Flaute kommt, wenn Touristen und Finanzinvestoren ausbleiben, wenn selbst die weltweit operierende staatliche Hafengesellschaft zum Verlustgeschäft wird, wenn Villen und Luxuswohnungen unverkäuflich und unvermietbar werden, weil die Bewohner abwandern und keine neuen kommen.

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