Wirtschaftskrise: In China droht eine neue Blase

Wirtschaftskrise: In China droht eine neue Blase

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Ein Farmer in China kalkuliert den Preis für einen Sack Kartoffeln. Chinas Wirtschaft ist im dritten Quartal so stark gewachsen wie seit einem Jahr nicht mehr.

von Matthias Kamp

Chinas Wirtschaft ist im dritten Quartal so stark gewachsen wie seit einem Jahr nicht mehr. Doch jetzt steht die Regierung vor einem Dilemma: Nimmt sie bei der Geldpolitik den Fuß vom Gas, riskiert sie einen erneuten Einbruch. Bleibt sie bei den Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur, droht eine Blase.

Bestens gelaunt erschien Li Xiaochao heute zur vierteljährlichen Pressekonferenz des Nationalen Amtes für Statistik, denn er hatte Positives zu verkünden. Um 8,9 Prozent ist Chinas Wirtschaft zwischen Juli und September gewachsen, erklärte der Sprecher der Behörde – so stark wie seit einem Jahr nicht mehr.

Anfang des Jahres hatte Chinas Regierung das Ziel von einem Wachstum von acht Prozent für das Gesamtjahr 2009 vorgegeben. Das dürfte nun sogar übertroffen werden. So erwartet Wang Tao, China-Chefökonomin bei UBS in Peking, dass Chinas Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 8,4 Prozent zulegen wird.

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Fast 1,3 Billionen US-Dollar an neuen Darlehen haben Chinas Kreditinstitute in diesem Jahr bislang ausgegeben

Zu verdanken hat China den kräftigen Aufschwung vor allem seinem Konjunkturpaket mit einem Umfang von mehr als 580 Milliarden US-Dollar sowie der massiven Ausweitung der Kreditvergabe durch die Staatsbanken.

Fast 1,3 Billionen US-Dollar an neuen Darlehen haben Chinas Kreditinstitute in diesem Jahr bislang ausgegeben – deutlich mehr als im vergangenen Jahr. Große Teile des Geldes sind in den Bau neuer Straßen, Eisenbahnen und Kraftwerke geflossen. Insgesamt kletterten die Anlageinvestitionen in den ersten neun Monaten des Jahres um gut 33 Prozent.

Bei vielen Experten wächst angesichts solcher Zahlen die Sorge vor der Bildung einer neuen Blase, vor allem am Immobilien- und am Aktienmarkt.

Um 73 Prozent legten die Immobilienverkäufe in den ersten neun Monaten des Jahres zu. Der Aktienindex der Börse Shanghai ist im laufenden Jahr um 68 Prozent gestiegen. Rund ein Viertel der Neukredite sollen an die Börse geflossen sein. Branchen wie die Zement-, Glas- und Stahlindustrie kämpfen zudem mit riesigen Überkapazitäten.

Qin Xiao, Vorsitzender der China Merchants Bank warnt, die Maßnahmen der Regierung führten zu einem erhöhten Risiko der Blasenbildung in der chinesischen Wirtschaft und glaubt, es sei „dringend geboten, dass die Regierung ihre lockere Geldpolitik ändert.“

Chinas Politiker stehen vor einem Dilemma

Von seiten der Behörden gibt es allerdings bislang keine Signale, die auf einen Kurswechsel hindeuten.

Chinas Kabinett verkündete in dieser Woche, die Maßnahmen zur Belebeung Konjunktur blieben in kraft, auch wenn das Wirtschaftswachstum in den ersten neun Monaten des Jahres die Erwartungen der Regierung übertreffe. Beim Sommertreff des World Economic Forum im nordchinesischen Dalian im September erklärte Premier Wen Jiabao, man werde sich zunächst nicht von der Politik des lockeren Geldes verabschieden. „Wir sehen ein Risiko, dass die Regierung unwillig oder unfähig ist, die Zügel anzuziehen“, sagt Sun Mingchun, China-Chefökonom bei Nomura in Hongkong. Das erhöhe das Risiko einer Blasenbildung.

Chinas Politiker stehen vor einem Dilemma: Treten sie bei den Konjunkturmaßnahmen und der Geldpolitik auf die Bremse, risikieren sie eine erneute Abschwächung des Wachstums im kommenden Jahr, zumal der Exportsektor auch 2010 nicht zu alter Stärke zurückfinden dürfte, da Amerikas Konsumenten vorerst zum Sparen gezwungen sind. Bleibt China dagegen bei ihrem lockeren Kurs droht eine Überhitzung der Wirtschaft.

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