Wirtschaftskrise: Neue Hoffnung auf Island

Wirtschaftskrise: Neue Hoffnung auf Island

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Es bleibt weiter völlig unklar, wie viel Geld deutsche Sparer noch aus der isländischen Kaupthing-Zentrale erwarten können

Ein halbes Jahr nach dem Crash wird auf Island gewählt. Die Politik der Regierung ist diffus, aber die Aussichten sind trotz allem nicht schlecht.

So klein ist die Insel, dass ein paar Bauarbeiter landesweit für gute Stimmung sorgen können, drei Wochen vor den vorzeitigen isländischen Parlamentswahlen. Zumindest wünscht sich das die Regierung, Wirtschaftsminister Gylfi Magnusson sieht sein Land in der „Erholungsphase“ – und zeigt aus seinem Arbeitszimmer auf die Baustelle des neuen großen Konzerthauses von Reykjavik. Der Staat hat dafür gesorgt, dass dort endlich wieder gearbeitet wird, pünktlich zum Wahlkampfauftakt. Am 25. April stellt sich die rot-grüne Minderheitsregierung den Wählern.

Eigentlich kann es für Island nicht viel schlimmer werden. Die drei größten Banken des Landes sind 2008 zusammengebrochen. Den Kaupthing-Bankern und ihren Kollegen war es gelungen, das Geld ihrer Kunden weltweit zu vernichten, auch in Deutschland. Und im zuvor reichen Island selber wird in der Folge das Bruttoinlandsprodukt dieses Jahr um zehn Prozent zurückgehen. Die Landeswährung hat mehr als ein Viertel ihres Außenwertes verloren, die Arbeitslosenquote ist von 1,6 auf 9,4 Prozent gestiegen und die frühere Regierungskoalition ist im Winter zerbrochen.

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Glaubt man dem neuen Zentralbankchef Svein Harald Øygard, könnte aber ausgerechnet Island zum Musterland für die rasche Überwindung der Weltkrise zu werden. Schon für das dritte Quartal 2010 erwartet Øygard wieder positives Wachstum – der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet damit erst später.

Übergangsregierung hat isländische Sparkassen vor Kollaps bewahrt

In den vergangenen Wochen hat die Übergangsregierung die isländischen Sparkassen vor dem Kollaps bewahrt; die großen Banken waren schon zuvor verstaatlicht. Ein neues Gesetz regelt Stundungen von Hypothekenzinszahlungen. Das ist teuer, doch „diese Lösung könnte Privathaushalte vor dem unnötigen Bankrott und dem Notverkauf der Immobilie bewahren“, sagt Mark Flanagan, Missionschef des IWF in Reykjavik. Flanagan ist ganz zufrieden mit den Politikern des Landes – aber was steht nach den Wahlen auf dem wirtschaftspolitischen Programm? „Reorganisation des Bankensektors, Verminderung des Haushaltsdefizits und Refinanzierung des privaten Sektors sind die dringlichsten Aufgaben“, sagt Wirtschaftsminister Magnusson.

Grafik: Islands Wirtschaft in Zahlen

Grafik: Islands Wirtschaft in Zahlen

Schöne Ziele – nur ist nicht zu erfahren, wie sie erreicht werden sollen. Aller Voraussicht nach wird die Koalition aus Sozialdemokraten und Linksgrünen an der Regierung bleiben. Die Sozialdemokraten sind für einen Beitritt des Landes zur Europäischen Union, die Linksgrünen sind dagegen. Seit dem IWF-Kredit über 3,5 Milliarden Dollar im vergangenen Herbst sind die Politiker in Reykjavik an die Vorgaben des Fonds gebunden, staatliche Ausgabenprogramme auf Pump wird es also kaum geben. Sehr wohl konnte die Regierung dagegen eine Lohnkürzung für den öffentlichen Dienst in die Wege leiten. „Dadurch ist es gelungen, die Inflationsspirale zu stoppen“, sagt Zentralbankpräsident Øygard. Für Januar 2010 erwartet er jetzt einen Preisanstieg von nur noch 2,5 Prozent – Anfang dieses Jahres waren es bedrohliche 18,5 Prozent. Weitere Zinssenkungen sind jetzt in greifbare Nähe gerückt.

Die isländischen Unternehmer bleiben trotzdem skeptisch gegenüber der rot-grünen Koalition, der im Zweifelsfall Umweltschutz wichtiger sei als Wirtschaftsentwicklung. Es geht immer wieder um den Ausbau der Aluminiumindustrie, die von der reichlich vorhandenen Hydroenergie profitieren kann. Ein neues Aluminiumschmelzwerk mit angeschlossenem Wasserkraftwerk würde 2000 neue Arbeitsplätze schaffen, „bei jetzt 13.000 Arbeitslosen ein erheblicher Effekt“, sagt Hannes Sigurdsson, Chefvolkswirt des Arbeitgeberverbandes.

Sollten die Sozialdemokraten am Ruder bleiben, müssen sie sich jedenfalls auf pragmatische Lösungen einlassen. Darauf hofft jedenfalls Thorvaldur Gylfason, Ökonomieprofessor an der Universität Reykjavik. Angesichts sinkender Staatseinnahmen müssten alte Tabus gebrochen werden – etwa bei der Finanzierung von Bildung und medizinischen Leistungen aus der Staatskasse. Auf jeden Fall wird es aber Jahrzehnte dauern, bis der riesige staatliche und private Schuldenberg abgebaut ist: Die Isländer werden die Krise von 2008 nicht so schnell vergessen.

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