Wo steckt Nordkoreas Staatschef?: Kim Jong Un fehlt bei wichtiger Feier

Wo steckt Nordkoreas Staatschef?: Kim Jong Un fehlt bei wichtiger Feier

, aktualisiert 10. Oktober 2014, 12:21 Uhr
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Ein undatiertes Foto zeigt Kim Jong Un. Der nordkoreanische Staatschef wurde schon lange nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen.

Seit Wochen wurde Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Nun fehlt er auch bei der Feier zur Gründung der Arbeiterpartei. Das nährt Spekulationen über seinen Gesundheitszustand.

Erneut hat der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un bei einem offiziellen Termin gefehlt und damit Spekulationen über seinen Gesundheitszustand befeuert. Zum ersten Mal seit drei Jahren war der 31-Jährige nicht beim Jahrestag der Gründung der Arbeiterpartei dabei, der am Freitag gefeiert wurde. Kim wurde bereits seit über einem Monat nicht mehr in der Öffentlichkeit gesehen. Zuletzt kam er am 3. September zu einem Konzert. Nordkorea äußerte sich nicht zur Abwesenheit des Staatschefs.

Kims Name fehlte bereits auf der vorab veröffentlichten offiziellen Liste für die Feier zum 69. Jahrestag der Partei, an der hochrangige Regierungs-, Militär- und Parteivertreter teilnahmen. Trotzdem gibt es Hinweise, dass Kim weiter an der Macht ist. Ein Blumenkorb mit seinem Namen wurde vor die Statuen seines Vaters und Großvaters gestellt, die beide ebenfalls Nordkorea geführt hatten. Zuvor hatte es in einer Mitteilung der Partei geheißen, unter Kims Führung sei ihre Macht noch gewachsen.

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Kim ist nicht zum ersten Mal aus der Öffentlichkeit verschwunden. 2012 war er auch drei Wochen nicht zu sehen. Vieles von dem, was im inneren Machtzirkel Pjöngjangs passiert, kommt nicht ans Licht der Öffentlichkeit. Das führt dazu, dass Medien immer wieder spekulieren.

Fünf spannende Fakten über Nordkorea

  • Innenpolitik

    Das Land ist streng zentralistisch organisiert und betreibt einen intensiven Personenkult, um mittlerweile drei Führer. Nordkorea wurde 1948 gegründet, und verfügt formal über Verfassungsorgane wie Parlament, Gerichtsbarkeit und Regierung. Allerdings übt vor allem ein übermächtiger Führer mit einem kleinen Kreis an Vertrauten die Macht aus.

  • Wirtschaft

    Nordkorea produziere kaum wettbewerbsfähige Güter. Außerdem herrsche ein Mangel an Devisen und somit auch Investitionsgütern. Die Infrastruktur ist marode, zahlreiche Industrieanlagen sind seit Jahren nicht mehr in Betrieb, schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite. Allerdings entstanden unter Kim Jong Un 13 neue Sonderwirtschaftszonen.

  • Medien, Internet, Handy

    Die Medien sind durchgängig staatlich kontrolliert. Die meisten Nordkoreaner haben keine Möglichkeit auf Internet zuzugreifen, teilweise wissen sie nicht einmal, was es ist. Von den knapp 25 Millionen Nordkoreaner haben gerade mal eine Million Menschen ein Handy: Es gibt lediglich einen einzigen Mobilfunkbetreiber, der zwar ein 3G-Netz anbietet, aber keine Datendienste.

  • Menschenrechte

    Anfang 2014 stellten die Vereinten Nationen einen Bericht über Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Nordkorea vor. Darin heißt es: Nordkorea ist ein totalitärer Staat, in dem als politisch unzuverlässig eingestufte Menschen systematisch ermordet oder als Arbeitssklaven missbraucht werden.

  • Beziehungen zwischen Deutschland und Nordkorea

    Grundsätzlich bestehen zwischen Nordkorea und Deutschland politische Beziehungen, diese sind allerdings auch durch die von der EU und der UN verhängten Sanktionen belastet. Für die ehemalige DDR war Nordkorea einer der wichtigsten Partner des Landes im Ostblock.

Kims Abwesenheit in den vergangenen sechs Wochen verbunden mit Andeutungen nordkoreanischer Medien über eine Krankheit hatten auch im Ausland die Gerüchteküche in Gang gesetzt. So gab es Vermutungen, es könnte in dem von der Außenwelt abgeschotteten Land nicht rund laufen. Bei einem Überraschungsbesuch zum Abschluss der Asienspiele in Südkorea letzte Woche hatten drei hochrangige nordkoreanische Führer versichert, Kim sei gesund. Aber auch das hatte die Gerüchte nicht zum Verstummen gebracht.

Letzte Bilder zeigen humpelnden Kim Jong Un

Im September hatte Kim schon bei einer Parlamentssitzung gefehlt - zum ersten Mal in seiner Amtszeit. Und in dieser Woche war er bei einem Treffen zum Gedenken der Wahl seines verstorbenen Vaters zum Vorsitzenden der kommunistischen Einheitspartei auch nicht dabei. In der Berichterstattung der Medien über die Rückkehr der Athleten von den Asienspielen tauchte er ebenfalls nicht auf - obwohl es eine aufwendige Begrüßungszeremonie für sie gab, als sie in die Hauptstadt zurückkehrten.

Südkoreanische Beamte hatten die Spekulationen heruntergespielt. Der Sprecher des Einheitsministeriums in Seoul, Lim Byeong Cheol, sagte, es scheine, dass Kim weiter im Amt sei. Die staatlichen Medien hätten kontinuierlich über Kims Führung berichtet.

Die bislang letzten Bilder zeigen einen übergewichtigen Parteiführer, der durch eine Dachziegelfirma hinkt. Der Kommentar des Staatsfernsehens: „Unser Marschall erhellt dem Volk den Weg wie eine Flamme - trotz seines Unwohlseins.“

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Die Diagnose für Kim übernahmen andere: Vielleicht habe Kim Gicht, meldeten Reporter aus Südkorea. Oder Zucker. Oder Bluthochdruck. Ein britischer Bericht wollte wissen, den Diktator, der einst in der Schweiz zur Schule ging, habe seine große Leidenschaft für Käse außer Gefecht gesetzt. Eine Schlagzeile in Seoul brachte eine südkoreanische Essgewohnheit als Grund für Kims Unpässlichkeit ins Spiel: zuviel gebratenes Huhn und Bier.

Viele sind von der Vorstellung fasziniert, was wohl geschieht, falls Kim tatsächlich ausfallen sollte. Nordkorea verfügt über eine riesige Armee und eine Handvoll Atombomben und entwickelt dafür Trägerraketen, die bis in die USA fliegen sollen. Nominell ist das Land eine stalinistische Volksdemokratie, doch wird es seit seiner Gründung 1948 von einer kommunistischen Familiendynastie regiert. Großvater Kim Il Sung herrschte bis 1994, dessen Sohn Kim Jong Il bis zu seinem Tod Ende 2011. Enkel Kim Jong Un hat noch keine erwachsenen Erben. Sollte er regierungsunfähig werden, entstünde ein Machtvakuum.

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