
EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat Euro-Bonds wieder ins Gespräch gebracht. Zu Recht?
Franz: Ich lehne Euro-Bonds strikt ab. Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes ist so zu interpretieren, dass Euro-Bonds in Deutschland rechtlich nicht zulässig sind. Auch aus ökonomischer Sicht sprechen zwei Argumente dagegen: Erstens verhindert eine Einebnung der Zinssätze, dass Finanzmärkte Signale aussenden bei finanzpolitischem Fehlverhalten. Zweitens macht mir eine Vergemeinschaftung der Staatsverschuldung Sorgen; sie wären ein Fass ohne Boden.
Kann sich Deutschland trotz der akuten Sorgen bislang als Gewinner der Euro-Krise fühlen - schließlich sind die Zinsen langanhaltend niedrig?
Franz: Diese Frage kann man per saldo mit Ja beantworten. Einerseits beflügeln die niedrigen Zinsen die Investitionstätigkeit der Unternehmen in Deutschland, insbesondere in der Bauwirtschaft. Andererseits besaß Deutschland vor der Einführung des Euros einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den Ländern mit hohen Zinsen. Seit es die Euro-Zone gibt, hat Deutschland diesen Wettbewerbsvorteil eingebüßt.
Sie haben die hohe Investitionsbereitschaft der Unternehmen in Deutschland angesprochen. Wie sehr könnten die Investitionen unter einer wachsenden Unsicherheit infolge der Schuldenkrise leiden?
Franz: Wenn die Exporte weniger stark zulegen, unter Umständen infolge der unvermeidlichen Konsolidierungsmaßnahmen in vielen Ländern, wird die Bereitschaft der hiesigen Unternehmen zu Kapazitätserweiterungen gedrosselt. Allerdings erfordert die Aufrechterhaltung der Wettbewerbsfähigkeit innovative Produkte und Produktionsverfahren. Das gilt gerade in einer labilen Konjunktur und spricht eher für Investitionen in Forschung und Entwicklung.













