Wolfgang Schäuble: "Griechenland braucht Zeit - und unsere Hilfe"

Wolfgang Schäuble: "Griechenland braucht Zeit - und unsere Hilfe"

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Wolfgang Schäuble

von Henning Krumrey und Roland Tichy

Der CDU-Finanzminister glaubt: Scheitert der Euro, dann scheitert Europa. Deswegen will er Griechenland weiter helfen – auch wenn das Land "eher ein Jahrzehnt braucht, um an die Kapitalmärkte zurückkehren zu können als ein Jahr".

WirtschaftsWoche: Herr Minister, die Regierung stilisiert die Zukunft des Euro zur Frage von Krieg und Frieden. Ist das nicht so übertrieben, dass sich das Argument selbst entwertet?

Schäuble: Die Kanzlerin sagt: Scheitert der Euro, dann scheitert Europa.

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Scheitert es wirklich?

Ich glaube, dass sie damit recht hat. Wir haben uns in der europäischen Einigung entschieden, Schritt für Schritt voranzugehen. Die wirtschaftliche Integration soll die politische nach sich ziehen. Man hat den Euro gegründet, um die wirtschaftliche Integration unumkehrbar zu machen und gemeinsam die Wettbewerbsfähigkeit der unterschiedlichen Staaten im Kontext der einheitlichen Währung zu steigern. Wenn diese Methode scheitern sollte, wäre diese evolutionäre Entwicklung am Ende.

Oder sie ginge einen anderen Weg.

Es besteht die reelle Gefahr, dass die Währungsunion auseinanderfallen würde. Die EU würde enorm an politischem Vertrauen und weltweiter Handlungsfähigkeit verlieren. In Asien beispielsweise gilt Europa als das Modell für die internationale Zusammenarbeit der Zukunft. Wenn wir es nicht schafften, den Euro stabil zu halten, leidet mehr als nur die Währung – unser Zusammenhalt und unser Handlungsspielraum in einer globalisierten Welt.

Aber hängt das von der Euro-Mitgliedschaft Griechenlands ab?

Das ist die nächste Frage. Wenn Europa nicht in der Lage wäre, jedes Land, welches wir einmal in die Euro-Zone aufgenommen haben, auch in dieser zu halten, wäre das ein schwerer Schlag gegen die Überzeugungskraft des europäischen Modells. Eine andere Frage ist, ob ein Land für sich selber entscheiden kann, die Euro-Zone zu verlassen. Das ist in den Verträgen nicht geregelt.

Griechenland könnte eine Euro-Pause nehmen, wenn die Last zu groß ist. Abwertungen machen die Anpassung leichter.

Wir sollten Respekt haben vor den enormen Anpassungslasten, die dem griechischen Volk abverlangt werden. Dabei scheint es auch nicht immer fair zuzugehen, wenn man den Medienberichten über Yachten in Piräus oder Mykonos und anderem glauben darf. Wir können dem griechischen Volk die erforderlichen Anpassungsleistungen nicht ersparen. Am Ende muss das Volk entscheiden, ob es die Last tragen kann und will. Die griechische Regierung ist auf jeden Fall klar entschlossen, unter allen Umständen im Euro zu bleiben.

Fließt die nächste Tranche, wenn die Bedingungen erfüllt sind, oder reicht die Aussage der Troika aus EU-Kommission, EZB und IWF, Griechenland sei auf gutem Wege?

Die Auszahlung der Tranchen hängt vom Votum der unabhängigen Institutionen ab. Das ist einer der Gründe, weshalb der IWF dabei ist…

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