Yngve Slyngstad im Interview: ‚‚Wir werden geschätzt‘‘

Yngve Slyngstad im Interview: ‚‚Wir werden geschätzt‘‘

Bild vergrößern

Yngve Slyngstad

Der Chef des norwegischen Staatsfonds, Yngve Slyngstad, hält die Angst der Deutschen vor ausländischem Investitionskapital für nicht begründet.

WirtschaftsWoche: Herr Slyngstad, seit Januar sind Sie Herr über mehrere Hundert Milliarden Euro aus dem Ölfonds Ihres Landes. Sind Sie damit der mächtigste Mann Norwegens?

Slyngstadt: Ich bin kein Privatinvestor und kann nicht schalten und walten, wie ich will. Das Parlament und das Finanzministerium haben strenge Vorgaben erlassen, an die sich der Fonds hält. Festgelegt ist zum Beispiel, wie groß der Aktienanteil im Fonds sein darf und wie viele Anteile wir an einem einzelnen Unternehmen höchstens halten dürfen. Doch unter diesen Regeln bin ich relativ frei, zu bestimmen, wie das Geld angelegt werden soll.

Anzeige

Der Fonds ist mittlerweile größer als das jährliche Bruttoinlandsprodukt Norwegens. Was heißt das für Ihre Bedeutung auf dem europäischen Finanzmarkt?

In Europa stehen wir für 0,7 Prozent des Aktienmarktes, bald haben wir ein Prozent. Meine Aufgabe sehe ich darin, innerhalb der geltenden Spielregeln für die beste Wertentwicklung des Fonds zu sorgen und vor allem dafür, die richtigen Leute auszuwählen.

In Deutschland wird gegenwärtig viel über Staatsfonds diskutiert, und demnächst soll ein Gesetz beschlossen werden, das größere ausländische Investments genehmigungspflichtig macht. Stört Sie das?

Wenn es in bestimmten Ländern solche Diskussionen gibt, hat das sicher auch einen Grund. Politiker sollten so frei sein, Aspekte des globalen Finanzsystems zu diskutieren, und ich mische mich da nicht ein. Aber bislang sind alle deutschen Firmen, in die wir investiert haben und mit denen wir oft schon seit vielen Jahre in Kontakt stehen, sehr froh, uns als Investoren zu haben. Wir sind ein berechenbarer Finanzinvestor, unser Anteil an den Unternehmen liegt bei maximal fünf Prozent und wir streben keine Positionen im Aufsichtsrat an. Darüber hinaus sorgen wir für Offenheit, wir publizieren Quartalsberichte und präsentieren einmal im Jahr eine Übersicht aller Investments.

Nach der Prognose Ihres Finanzministeriums wird das Fondsvolumen bis Jahresende auf mehr als 300 Milliarden Euro ansteigen. Weil dieser Rechnung ein Ölpreis von 66 Dollar zugrunde liegt, könnten es aber auch viel mehr sein. Muss da nicht bald die Regel fallen, nach der Ihr Fonds an einem Unternehmen maximal fünf Prozent der Aktien halten darf?

Ursprünglich betrug diese Obergrenze ein Prozent, dann drei, nun fünf, und wahrscheinlich wird diese Vorschrift weiter gelockert werden. Bei vielen anderen Fonds ist eine Beschränkung auf maximal zehn Prozent an einem Unternehmen üblich. Das wäre auch für uns eine realistische Grenze. Derzeit streuen wir unsere Investitionen in die Breite und setzen auch auf kleinere Unternehmen. Im neuen Jahresbericht, der Anfang März erscheinen wird, sind rund 7500 Unternehmen gelistet, an denen wir Ende 2007 Anteile hielten. Ein Jahr zuvor waren es noch nicht einmal halb so viele.

In Deutschland hat sich Ihr Fonds bislang an allen Unternehmen der wichtigen Indizes beteiligt. Wozu brauchen Sie da eigentlich Ihre teuren Investmentmanager?

Wir halten an vielen Großunternehmen Anteile, und diese Positionen werden selten komplett aufgegeben. Was sich aber übers Jahr ändert, ist der Anteil, den wir an den jeweiligen Unternehmen halten.

Derzeit hat der Fonds 50 externe Finanz-dienstleister wie Morgan Stanley oder Lehman Brothers unter Vertrag. Können die Banken mit zunehmendem Fondsvolumen auch mit erheblich mehr lukrativen Aufträgen rechnen?

Wir werden auch künftig in bestimmten Fällen externe Dienstleister beschäftigen. Diese bringen Kompetenzen mit, die wir intern nicht haben, beispielsweise was kleinere Länder angeht. Nebenbei mindern wir so unser Risiko und es spornt unsere internen Mitarbeiter an. Derzeit verwalten wir rund 80 Prozent des Fondsvolumens intern. Diese Relation wird sich weiter zugunsten der internen Verwaltung verschieben, so war es auch schon in den vergangenen vier Jahren.

Bislang investieren Sie noch nicht in Immobilien. Wann wird sich das ändern?

Wir haben das unserem Finanzministerium vorgeschlagen, aber ich rechne nicht mit einer schnellen Entscheidung. Doch um diversifizieren zu können, brauchen wir weitere Anlagemöglichkeiten. Ob das Immobilienfonds sein können oder konkrete Projekte, ist noch völlig offen. Wir diskutieren auch über Investitionen in Infrastrukturprojekte und Beteiligungen an Private Equity, wie das andere Fonds auch machen. Allerdings werden solche Investitionen gemessen an der Größe des gesamten Fonds eine untergeordnete Rolle spielen. Dagegen wird der Aktienanteil des Fonds steigen – auf 60 Prozent von bislang 40 Prozent.

Auch wenn die Börsen wie derzeit besonders turbulent sind?

Als Fondsmanager mögen wir hohe Volatilität, die führt zu guten Kaufpreisen. Zu unseren Aussichten für einzelne Märkte werde ich aber nichts sagen, wir geben keine Vorhersagen ab.

Ihr Fonds hat relativ wenig in China, Russland und Indien investiert, obwohl die Wirtschaft in diesen Ländern stark wächst. Warum?

Diese Länder werben dafür, dass wir bei ihnen mehr investieren. Bislang sind wir in diesen Ländern noch mit recht bescheidenen Summen vertreten, aber das wird sich langfristig sicher ändern. Die Finanzmärkte in diesen Wachstumsländern werden eine immer größere Bedeutung bekommen.

Ihr Vorgänger Knut Kjær hatte sich für eine etwas offensivere Politik ausgesprochen. Er wollte sich mit anderen Großinvestoren zusammenschließen, um auf Hauptversammlungen eigene Interessen durchzusetzen. Zum Beispiel sollten abtretende Vorstandsvorsitzende nicht nahtlos in den Aufsichtsrat wechseln. Haben Sie ähnliche Pläne?

Knut Kjær und ich haben zehn Jahre lang zusammengearbeitet, viele Beschlüsse, die ich nun fällen werde, wären von ihm sicher ähnlich gefällt worden. Wir plädieren dafür, die Rollen von Aufsichtsratsvorsitzendem und Vorstandsvorsitzenden klar zu trennen. Aber ein Wechsel von der Unternehmensspitze in den Aufsichtsrat sollte dennoch möglich sein. Mit anderen Fonds stimmen wir uns natürlich ab. Aber einfach unsere Stimmenanteile zu addieren und wie ein Investor aufzutreten – das ginge zu weit.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%