Zahlungsnot im Emirat: Dubai: Der Emir hält sich raus

Zahlungsnot im Emirat: Dubai: Der Emir hält sich raus

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Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum, Premierminister der Vereinigten Arabischen Emirate (Mitte)

von Hans Jakob Ginsburg

Der Stadtstaat Dubai scheut die Verantwortung für das Finanzdesaster und setzt auf die Hilfe der Nachbarn. Gerade darum droht sich der Krisenherd auszuweiten.

Überraschende Neuigkeit am ersten arabischen Börsentag nach Ausbruch der Dubai-Krise: Die Regierung Seiner Hoheit des Herrschers von Dubai lehnt die Verantwortung für die Schulden von Dubai World ab: „Gläubiger müssen einen Teil der Verantwortung übernehmen, wenn die Unternehmen Geld leihen. Sie denken, das Unternehmen Dubai World gehöre unserer Regierung, und das ist nicht korrekt.“

Sprach am Montag Abdulrahman al-Saleh, Generaldirektor der Finanzverwaltung des Emirats. Recht hat er: Dubai World gehört im Grunde nicht der Regierung des Stadtstaats, sondern die Regierung des Stadtstaats gehört Dubai World. Will heißen: Die berühmte, derzeit eher berüchtigte Holding und die bislang vor allem durch Unauffälligkeit auffallende Regierung von Dubai gehören beide ein und dem selben Mann: Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum.       

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Staatswirtschaft

Wenn Dubai ein Staat wäre und nicht bloß ein Wüstenwunderländchen außer Diensten und Teil der Vereinigten Arabischen Emirate, dann wäre al-Saleh der Finanzminister und nicht nur Generaldirektor Seiner Hoheit des Emirs. Und wenn in Dubai nicht alles unmittelbar oder über verschlungenen Kanäle der Herrscherfamilie Maktum gehören würde, dann wäre al-Saleh ein vorbildlicher liberaler Wirtschaftspolitiker. Das ist aber alles nicht so, und darum lässt sich leider nicht sagen, dass sich in Dubai der Staat aus der Wirtschaft heraushält. Sondern eher, dass sich der Emir aus seiner eigenen Verantwortung heraushält.

Hoffen auf den Nachbarn

Oder es zumindest versucht. Weil er hofft, dass der andere große Familienbetrieb in den Emiraten sein bedrohtes Reich rettet: Abu Dhabis Herrscherfamilie Al Nahyan hat ihr Ländchen auf riesigen Ölreserven ausgebaut, und das ist ein solideres Fundament als die Immobilien- und Finanzblase in Dubai. Schon vor einem halben Jahr hat Abu Dhabi mit Riesenkrediten von insgesamt fast 14 Milliarden Dollar den Dubaiern geholfen, und die Anleger vor Ort rechnen damit, dass es so weitergehen wird. Mit möglicherweise fatalen Folgen für die Helfer: Am Montag fiel der Börsenindex in Dubai um 7,1 Prozent, und in Abu Dhabi mit 8,2 Prozent noch ein bisschen stärker. Wenn es wirklich schlimm werden sollte in Dubai, dann hilft den Nachbarn auch der Ölreichtum nicht mehr.

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