Zensurexperten: Peking fängt Daten von Apple-Nutzern in China ab

Zensurexperten: Peking fängt Daten von Apple-Nutzern in China ab

Nutzer von Apples Cloud-Dienst wurden in China mit einem Trick attackiert. Zensurexperten machen dafür die Regierung verantwortlich. Es wäre nicht der erste Spionageversuch von Peking.

Die chinesische Regierung versucht laut einem Bericht, gezielt persönliche Daten von Apple-Nutzern abzufangen. Der Angriff richte sich gegen Apples Dienst iCloud, mit dem Nutzer Fotos, Kontakte und Daten speichern können, hieß es in einem Bericht von Greatfire.org.

Die Webseite verfolgt die Zensurmaßnahmen der chinesischen Regierung im Internet. Manche Nutzer in China würden beim Einwählen zu dem Apple-Dienst auf eine gefälschte Startseite umgeleitet. Tragen sie dort ihre Nutzernamen und Passworte ein, können diese abgefangen werden.

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Berühmte chinesische Regimekritiker

  • Ilham Tohti

    Der uigurische Bürgerrechtler geriet erst vor kurzer Zeit in die Schlagzeilen: Ein Gericht verurteilte ihn zu lebenslanger Haft - er will den Richterspruch anfechten. Denn die Behörden hätten seinen Verteidigern nicht alle Beweise zur Verfügung gestellt, und dem früheren Wirtschaftsprofessor auch nicht den Grund für seine Verhaftung mitgeteilt.

  • Ai Weiwei

    Der Künstler war schon mehrfach in Haft, zuletzt wegen einem angeblichen Wirtschaftsdelikt - damals wurde er unter strengen Auflagen und nur gegen Kaution freigelassen. Obwohl er oft im Ausland unterwegs ist, plant er nicht ins Exil zu gehen.

  • Liu Xiaobo und Liu Xia

    Seinen Friedensnobelpreis, den er 2010 erhielt, hat er bis heute nicht nicht abgeholt. Bei der Zeremonie in Oslo blieb sein Stuhl auch symbolisch leer, denn auch seine Frau steht unter Hausarrest. Der Schriftsteller und Menschenrechtler wurde 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt wegen "Untergrabung der Staatsgewalt."

  • Chen Guangcheng

    Dem blinden Menschenrechtsaktivisten gelang 2012 die Flucht in die USA. Nach diplomatischen Bemühungen bekam er - überraschend schnell - ein Stipendium für eine amerikanische Universität und konnte mit seiner Familie ausreisen. Zuvor wurde er mehrfach inhaftiert und unter Hausarrest gestellt, unter anderem weil er Dorfbewohner in der Shandong juristisch beraten hatte, die sich gegen gegen Zwangssterilisationen und erzwungene Schwangerschaftsabbrüche wehren wollten.

  • Hu Jia

    Seit 2011 ist es ruhig um ihn geworden: Damals wurde der Bürgerrechtler und Umweltaktivist aus dem Gefängnis entlassen, in dem er wegen "umstürzlerischer Machenschaften" saß. Er ist Träger des Sacharow-Preises für geistige Freiheit des Europäischen Parlamentes. Mit Freunden gründete er eine Organisation zur medizinischen Vorsorge.

  • Gao Zhisheng

    Der Anwalt setzt sich vor allem gegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht ein, die er allerdings auch schon selbst erleben musste. Er unterstützte dabei vor allem religiöse Minderheiten, wie die Falun Gong. Er selbst ist Christ. Erst Mitte August wurde er nach drei Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen, in dem er auch gefoltert worden sein soll. Es war nicht seine erste Haft. Noch 2001 gehörte er zu den zehn besten Anwälte Chinas; 2005 trat er aus der Partei aus. Seine Familie bekam mittlerweile politisches Asyl in den USA; er steht in China unter Hausarrest und darf nicht ausreisen.

„Das ist eindeutig eine böswillige Attacke auf Apple mit dem Ziel, Zugang zu Nutzerdaten und Passwörtern und letztlich allen in der iCloud gespeicherten Daten zu bekommen“, schrieb Greatfire.org. Die Beobachter gingen davon aus, dass die chinesische Regierung hinter dem Angriff steht.

Apple wollte sich am Dienstag auf dpa-Anfrage zu dem Thema nicht äußern. Die Angriffe begannen laut dem Bericht am Montag, als auch erstmals die neuen iPhones auf dem chinesischen Festland verkauft wurden. Greatfire.org hatte im August bereits über ähnliche Angriffe auf Google und Yahoo berichtet.
Die Zensurexperten vermuteten einen Zusammenhang zwischen dem Vorgehen und den Protesten in Hongkong. Die prodemokratischen Demonstranten verbreiten Informationen über ihren Protest stark über Online-Netzwerke. Chinas Zensoren löschten jedoch Bilder aus Hongkong, die auf dem Festland verbreitet wurden. Seit Wochen wird zudem die Fernsehübertragung von CNN und BBC gestört, sobald Aufnahmen aus Hongkong gezeigt werden.

weitere Artikel

Vor dem 25. Jahrestag des Pekinger Massakers im Juni war erstmals der Zugang zu allen Google-Diensten in China wie Suche, Gmail, Maps und die Fotoplattform Picasa gesperrt worden. Google zog sich 2010 aus China zurück, um sich nicht weiter selber zensieren zu müssen.

Seitdem wurden Nutzer automatisch auf die Suchseite in Hongkong umgeleitet, was jetzt auch nicht mehr funktioniert. Ohnehin sind in China soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter sowie Youtube oder Webseiten von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Medien wie die „New York Times“ oder die Nachrichtenagentur Bloomberg blockiert. Viele Chinesen umgehen die Sperren mit Tunneldiensten, doch werden die VPN-Verbindungen immer wieder gestört.

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