Zentralafrika: Der schlimmste Ort für Kinder

Zentralafrika: Der schlimmste Ort für Kinder

, aktualisiert 17. November 2016, 08:03 Uhr
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Schüler einer Klasse der «Saint François»-Grundschule sitzen in Bangui in ihrem Klassenzimmer. Der Raum wurde während Kämpfen in den vergangenen Jahren beschädigt.

Quelle:Handelsblatt Online

In der Zentralafrikanischen Republik herrscht ein brüchiger Frieden. Die Kinder im zweitärmsten Land der Welt leiden besonders. Eine Geberkonferenz der EU soll dem Staat wieder auf die Beine helfen.

BanguiRund 120 Schüler drängen sich in einer Grundschule in der Zentralafrikanischen Republik im Klassenzimmer – etwa sechs pro normaler Bank. Doch die Kinder in der „Combattant“-Schule der Hauptstadt Bangui haben es gut: Das Klassenzimmer hat richtige Wände, und es gibt sogar einen Lehrer, der der Kinderschar etwas beizubringen versucht.

Rund ein Drittel aller Kinder gehen in dem Land gar nicht zur Schule, etwa weil die Familien vertrieben wurden, die Schulen zerstört sind oder weil es keine Lehrer mehr gibt. Fast jedes siebte Kind stirbt Unicef zufolge ohnehin noch vor dem fünften Geburtstag – eine der höchsten Sterblichkeitsquoten weltweit.

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„Dies ist einer der schlimmsten Orte der Welt, um ein Kind zu sein“, erklärt Speciose Hakizimana, der stellvertretende Landesdirektor des Uno-Kinderhilfswerks. Die Zentralafrikanische Republik ist trotz reicher Vorkommen an Diamanten, Gold und tropischen Hölzern einem UN-Index zufolge das zweitärmste Land der Welt. Um dem Krisenstaat wieder auf die Beine zu helfen, hat die EU für diesen Donnerstag zu einer Geberkonferenz nach Brüssel geladen.

Zusammen mit Weltbank, Vereinten Nationen und anderen Geberländern soll die Finanzierung eines Plans zum Wiederaufbau des Landes beschlossen werden. Es „braucht mehr und langfristigere Zusagen für humanitäre Hilfe, damit sich das Land erholen kann“, fordert der Landesdirektor der Hilfsorganisation Oxfam, Ferran Puig.

Die Kinder in der „Combattant“-Schule verstehen nichts von Bürgerkrieg, Politik und Geberkonferenzen. Viele sind Binnenflüchtlinge, manche leben in Lagern. Die meisten sind etwa acht Jahre alt. Sie träumen von einer Zukunft jenseits der Armut, von einem Leben in einem Land, in dem Frieden herrscht.


Eine Krise nach der nächsten

„Die Kinder sind unglaublich lernwillig“, sagt die Unicef-Sprecherin Donaig Le Du nach einem Besuch der Schule Anfang November. „Diese Kinder lernen unter unglaublich schweren Bedingungen.“ In den meisten Schulen wird wegen Überfüllung auch in zwei Schichten unterrichtet – einige Hundert Schüler kommen morgens, der Rest am Nachmittag.

Seit das Land 1960 seine Unabhängigkeit von Frankreich erlangte, jagte eine politische Krise die nächste. Militärrevolten, Putschversuche und Staatsstreiche – die Liste der Umstürze ist länger als die der ausgerichteten Wahlen. Im Frühjahr 2013 schließlich stürzten muslimische Rebellen aus dem wirtschaftlich benachteiligten Norden den christlichen Präsidenten François Bozizé.

Darauf folgte ein Bürgerkrieg muslimischer Rebellen und christlicher Milizen. Beiden Konfliktparteien werden schwere Gewalttaten angelastet. Tausende wurden getötet. Zeitweise war jeder fünfte der fünf Millionen Einwohner auf der Flucht vor der Gewalt.

Der Einsatz französischer Soldaten Ende 2013, gefolgt von einer UN-Friedenstruppe, verhinderte nach Meinung vieler Experten einen Völkermord. Bis heute versuchen gut 12.000 Blauhelmsoldaten, das Land wieder zu stabilisieren. Doch der Friede ist brüchig. Im Oktober kamen bei Kämpfen erneut Dutzende Menschen ums Leben.

Die Regierung von Präsident Faustin Touadéra hat außerhalb von Bangui und anderen Städten am Südrand des Landes wenig zu Sagen. „Ein Großteil des Landes ist weiterhin unter Kontrolle bewaffneter Gruppen, die die Bevölkerung terrorisieren“, erklärt Puig von Oxfam.

Der Staat kann weder Sicherheit noch eine Versorgung mit dem Allernötigsten garantieren. Familien fällt es schwer, ihre Kinder durchzubringen. Für viele der Mädchen in der „Combattant“-Schule wird die Kindheit daher bald zu Ende sein.

Unicef zufolge heiratet im Land ein Drittel der Mädchen vor dem 15. Lebensjahr; mit der Schule ist es dann vorbei. „Damit verringern sich die Chance der Mädchen, einen guten Job zu finden“, sagt Hakizimana von Unicef. „Damit setzt sich die Armut in der nächsten Generation fort.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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