Zinssenkung: Russische Notenbank stemmt sich gegen die Krise

Zinssenkung: Russische Notenbank stemmt sich gegen die Krise

Russlands Notenbank hat auf den Konjunktureinbruch mit einer Zinssenkung reagiert. Sie kappte den Leitsatz am Montag um einen vollen Punkt auf 11,5 Prozent.

Russlands Notenbank stemmt sich mit niedrigeren Zinsen gegen die schwere Wirtschaftskrise. Sie kappte den Leitsatz am Montag um einen vollen Punkt auf 11,5 Prozent. Experten hatten mit diesem Schritt gerechnet. Die Währungshüter um Notenbankchefin Elvira Nabiullina äußerten Sorge darüber, dass sich das Konjunkturbild beträchtlich eingetrübt habe. Angesichts der westlichen Sanktionen wegen der Ukraine-Krise und dem Preisverfall des wichtigsten Exportguts Öl droht dem Land eine tiefe Rezession. Wirtschaftsminister Alexej Uljukajew kritisierte den Zinsschritt als nicht aggressiv genug.

Die Sanktionen der EU und USA gegen Russland

  • Banken

    Die EU erschwert den Zugang zu den EU-Finanzmärkten für russische Banken. Gilt für alle Banken mit einem staatlichen Anteil von mindestens 50 Prozent. Sie können auf den EU-Kapitalmärkten keine neuen Wertpapiere oder Aktien von russischen Unternehmen mehr verkaufen.

    In den USA fallen drei weitere Banken im russischen Staatsbesitz unter die Strafmaßnahmen, damit sind es nun fünf von sechs: Die Bank von Moskau, die Russische Landwirtschaftsbank und die VTB Bank kamen hinzu. Ihnen wird der Zugang zu mittel- und langfristiger Dollarfinanzierung für Russland erschwert. Sie dürfen aber weiter in den USA operieren.

  • Waffen

    Die EU verbietet künftige Rüstungslieferungen. Betroffen sind alle Güter, die auf einer entsprechenden Liste der EU stehen. Gilt nicht für bereits unterzeichnete Verträge, also auch nicht für die Lieferung von zwei französischen Hubschrauberträgern im Wert von 1,2 Milliarden Euro an Russland.

    In den USA wurde die United Shipbuilding Corporation (größtes russisches Schiffsbau-Unternehmen) zu den bislang acht auf der Sanktionsliste stehenden Firmen im Verteidigungssektor ergänzt. Die Unternehmen dürfen nicht mehr das US-Finanzsystem nutzen oder mit amerikanischen Bürgern Geschäfte machen.

  • Technologie

    Die EU verbietet den Export von bestimmten Hochtechnologiegütern an das Militär. Gilt beispielsweise für Verschlüsselungssysteme sowie für Hochleistungscomputer.

  • Energie

    Die EU untersagt die Ausfuhr für Spezialtechnik zur Ölförderung. Zielt auf Geräte, die für Ölbohrung und -förderung beispielsweise in der Arktis gebraucht werden.

    Auch in den USA gelten für Unternehmen aus der Ölbranche eingeschränkte Importmöglichkeiten für Technik zur Erschließung von Ölquellen in tiefen Gewässern, vor der arktischen Küste oder in Schiefergestein. Die aktuelle Energieproduktion werde damit aber nicht beeinträchtigt.

Im ersten Quartal sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach revidierten Daten um 2,2 Prozent zum Vorjahr, wie das Statistikamt mitteilte. Es war in einer ersten Schätzung von 1,9 Prozent ausgegangen. Die Notenbank geht davon aus, dass die Wirtschaftsleistung im gesamten Jahr um 3,2 Prozent schrumpfen wird. Sie signalisierte zugleich, dass sie bei sinkenden Inflationsgefahren zu einer weiteren Lockerung der Geldpolitik zur Stützung der Konjunktur bereit sei. Doch der Spielraum für weitere Senkungen werde durch die Risiken bei der Preisentwicklung in den nächsten Monaten begrenzt.

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Zuletzt hatte sich die Inflationsrate im Mai auf 15,8 Prozent verringert, nachdem die Jahresteuerung im März noch bei 16,9 Prozent gelegen hatte. Zugleich war die Wirtschaftsleistung im April zum Vorjahr um 4,2 Prozent eingebrochen - der größte monatliche Rückgang seit 2009. Der Rubel legte nach dem Zinsentscheid kurzzeitig zu, bevor der Kurs wieder nachgab. Analysten erwarten, dass künftige Zinssenkungen eher moderat ausfallen werden. "Es könnte bei den nächsten Sitzungen insgesamt einen halben Prozentpunkt nach unten gehen", meint Ökonom William Jackson vom Finanzhaus Capital Economics in London.

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