Zukunftsmarkt: Afrikas ehrgeizige Investitionspläne

Zukunftsmarkt: Afrikas ehrgeizige Investitionspläne

Bild vergrößern

Ruanda

von Hans Jakob Ginsburg

Eine Gruppe afrikanischer Länder, von Ägypten angeführt, hat sich ein ehrgeiziges Investitionsprogramm vorgenommen. Chinesen stehen als Investoren bereit, Briten und Franzosen sind interessiert, von Deutschen ist wenig zu sehen.

Hunderte afrikanische Politiker und Manager aus 19 Ländern treffen sich derzeit im ägyptischen Ferienort Scharm el-Scheich. Gemeinsam mit Gästen aus China und fast ganz Asien, auch aus Paris und aus London wollen sie den wirtschaftlichen Sprung ihrer Länder aus der Armut ins 21. Jahrhundert befördern. Nur der Beobachter aus Deutschland ist hier so sehr ein Einzelkämpfer wie wahrscheinlich ein Mann aus Malawi bei einer IHK-Konferenz in der deutschen Provinz.

Comesa-Investmentforum nennt sich das Ganze, und Comesa steht für "Common Market of Eastern and Southern Africa". Ein gemeinsamer Markt ist der Zusammenschluss erst in bescheidenen Anfängen: Die internen Zollschranken werden erst ganz langsam abgebaut, die Erdöldiktatur Libyen, der ökonomische Shootingstar Ruanda oder das heruntergewirtschaftete Simbabwe und die vielen Staaten dazwischen haben einfach zu unterschiedliche wirtschaftliche und auch politische Interessen. Aber alle eint das Interesse am Abschied aus der technologischen und ökonomischen Rückständigkeit. Und damit an gemeinsamen Infrastrukturprojekten: Über 100 Jahre nach der Glanzzeit des europäischen Kolonialismus soll der alte Traum vom barrierefreien Weg vom Kap an der Südspitze Afrikas bis Kairo in Sichtweite des Mittelmeers verwirklicht werden - von dem Schönheitsfehler abgesehen, dass das Schwellenland Südafrika bei Comesa nicht mitmacht.

Anzeige

Konkrete Pläne gibt es, nur nicht zur Entwicklungshilfe

Immerhin gibt es konkrete Pläne zum Beispiel für eine Eisenbahnverbindung und einen von lokalen Bestimmungen entlasteten "Entwicklungkorridor" vom Sudan durch Eritrea nach Dschibuti, weitere Eisenbahnlinien vom Sudan durch Äthiopien nach Kenia sowie von den vom Ozean abgeschnittenen Staaten Ruanda und Burundi durch Tansania ans Meer. Dutzende weitere Projekte drehen sich um Telekommunikation und Tourismus, Landwirtschaft und Logistik.

Verwunderlich für Afrika-Neulinge: Von Entwicklungshilfe und anderen guten Werken ist in Scharm el-Scheich kaum die Rede. Die Afrikaner wollen Geld verdienen und andere in ihren Ländern Geld verdienen lassen. Dass so die in fast allen Comesa-Ländern grauenhafte Massenarmut verschwinden wird, ist bisher vor allem Hoffnung.

Für diese Hoffnung steht keiner mehr als der Gastgeber, Ägyptens Investitionsminister Mahmoud Mohieddin. Um sein Land bei Investoren aus aller Welt wirklich interessant zu machen, will er Comesa oder zumindest einen Kern der Comesa-Länder noch in diesem Jahr - er spricht von August - in eine gemeinsame Investitionszone verwandeln mit gemeinsamen freizügigen Regeln für Investoren, gemeinsamer Schlichtung von Konflikten und natürlich gemeinsamer Werbung auf anderen Kontinenten.

Großer Widerspruch gegen das Projekt

Warum sich die Afrikaner mit solcher Werbung noch schwer tun, lassen sie sich von Dambisa Moyo erzählen. Die junge Frau aus Sambia, die lange für Goldman Sachs in London gearbeitet hat, bevor sie mit einem Buch gegen die bisherige Praxis der Entwicklungshilfe das Englisch lesende Afrika aufgerüttelt hat, ist eingeladen, um dem allgemein herrschenden Optimismus zu widersprechen. Was ihr mit vier ganz einfachen Argumenten auch gelingt:

Die meisten afrikanischen Länder schneiden auf der Korruptionsskala von Transparency international miserabel ab, und das seit vielen Jationalen Kreditagenturenahren.Die meisten afrikanischen Länder schneiden auf vom Weltwirtschaftsforum ermiitelten internationalen Skala der Wettbewerbsfähigkeit sehr schlecht ab, ebenfalls seit vielen Jahren.Nur 19 der fast 50 afrikanischen Staaten haben überhaupt irgendein Rating bei einer der internationalen Kreditagenturen, gewöhnlich eine miserable Note. Die mehrheit schafft es noch nicht einmal, von Moody"s oder Fitch beachtet zu werden.Im "Doing-Business"-Vergleich der Weltbank finden sich die meisten Afrikaner genauso am Tabellenende der Weltliga wie in den anderen Aufstellungen. Wer soll dann eigentlich in Afrika noch investieren?

Moyo erfährt hinreichend Widerspruch. Sie selber rühmt ja die glänzenden Ausnahmen: Botswana mit seinem glatten A beim Kreditranking und Ruanda, das sich innerhalb eines Jahres auf der Weltbankliste um 63 Rangplätze verbessert hat. Nigel Chanakira, Chef des Kingdom-Investmentfonds in London, rühmt die Chinesen und die Araber vom Golf, die trotz der schlechten internationalen Vergleichsdaten viel Geld in Afrikas Zukunft investieren. Und ruft die Afrikaner selbst auf, ihr Geld nicht mehr auf europäischen Konten zu speichern, sondern auf dem Kontinent zu investieren.

Afif Ben Yedder, Verleger des angesehenen Magazins "African Business", gibt ihm Recht: "Wir Afrikaner müssen aufhören, negativ über uns selbst zu reden!" Rauschender Beifall, und Ben Yedder, der gebürtige Tunesier, belehrt im Hinausgehen den deutschen Gast, dass dessen Land durchaus eine wichtige Rolle in Afrika spielen muss. In keinem Land der Welt, verrät der Verleger, verkauft "African Business" am Kiosk so viele Exemplare wie in Deutschland.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%