
BERLIN. Russland ordert beim Münchner Technologiekonzern 240 Regionalzüge mit einem Auftragswert von 2,2 Mrd. Euro, wie es in deutschen Regierungskreisen hieß. Zuvor hatte Siemens für 1,1 Mrd. Euro eine Bestellung der Russischen Eisenbahn AG (RZD) für 221 Züge erhalten, die beim deutsch-russischen Gemeinschaftsunternehmen Sinara Transport Machines gefertigt werden.
Schlechter sieht es für Siemens in Kasachstan aus. Das größte Land Zentralasiens, das mit 54 Mrd. Dollar in den nächsten Jahren seine Infrastruktur und Industrie modernisiert, bootet nach Handelsblatt-Informationen aus Industrie und Regierung die Deutschen aus. Ein Milliarden-Auftrag über 200 Lokomotiven droht gerade statt an Siemens an den französischen Rivalen Alstom zu gehen. Merkel wolle aber bei ihrem Staatsbesuch am Sonntag in Astana gut Wetter für Siemens machen, hieß es.
Dabei gehe es nicht nur um die Zug-Lieferung, sondern auch um das Interesse der Deutschen, die Energienetze des rohstoffreichen Riesenlandes zu modernisieren. "Es könnten einzelne Lieferverträge unterschrieben werden. Aber die großen Aufträge sind noch nicht so weit, dass sie in Anwesenheit der Kanzlerin unterschrieben werden können", sagte ein Regierungsvertreter. Das gilt wohl auch für den vom Moskauer Mischkonzern AFK Sistema angestrebten Einstieg beim bayerischen Chip-Hersteller Infineon.
In China locken weitere Verträge
Die Ost-Tournee der Kanzlerin könnte deutschen Unternehmen vor allem in China Fortschritte bringen: So wird die Stuttgarter Daimler AG ein Joint Venture mit dem Pekinger Lkw-Produzenten Beiqi Foton mit einem Investitionsvolumen von 800 Mio. Euro besiegeln. Die Bremer Hightech-Schmiede OHB Technology wird eine Absichtserklärung mit dem chinesischen Technologie-Institut Irsa über die Entwicklung eines Satelliten-Überwachungssystems für Kohlendioxid-Emissionen unterzeichnen. OHB hatte zuvor von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA den Auftrag für 14 Satelliten des europäischen Galileo-Systems erhalten.
Merkel wird auf ihrer Reise in die drei boomenden Ost-Staaten von 25 Vertretern der deutschen Wirtschaft begleitet, wie das Handelsblatt bereits am Montag berichtete. Darunter seien auf Wunsch der CDU-Chefin auch Mittelstands-Vertreter wie Manfred Wittenstein, Vorstandschef der Wittenstein AG und Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Auch DGB-Chef Michael Sommer wird erstmals als Merkels Gast mitreisen.














